Fassungslosigkeit

Ich bin fassungslos. Wütend und traurig zugleich. Sie haben einen meiner Brüder ermordet.

Einem alten Mann die Kehle durchgeschnitten vor den wenigen Gläubigen, die an einem Dienstagvormittag in die Kirche gehen.

Ihn gezielt ausgesucht, weil er in ihren Augen ein Vertreter der „falschen“ Religion war.

Und das mitten in Europa.

In einer Kirche an einem Dienstagvormittag.

Und sie glauben sich noch im Recht.

Wie kann man so etwas tun? Wie kann man ernsthaft glauben, man gehöre der „richtigen“ Religion an, wenn man so etwas tut?

Wie kann man ernsthaft glauben, Gottes Willen zu tun, wenn man einen wehrlosen alten Mann ermordet? Es ist feige. Es ist widerlich. An was für ein feiges und widerliches Bild von Gott muss man also glauben, um ernsthaft zu denken, so etwas wäre sein Wille?

Aus dem Irak, aus Syrien und dem Libanon war man solche Schreckensnachrichten leider beinahe schon gewohnt. Das christliche Leben in diesen Ländern ist nahezu ausgerottet. Bitter dabei war immer, dass fast alle ihre Augen davor verschlossen haben.

Aber das?

Es bringt den Schrecken nahe. Sie haben es offenbar auf uns abgesehen. Hier und überall auf der Welt.

Wie soll man darauf reagieren?

Ich bin wütend. Ich bin traurig. Ich bin so wütend und traurig, dass eine meiner ersten Reaktionen war „Werft sie alle raus!“

Ich weiß nicht, wie es weitergeht.

Ich will nicht ungerecht werden und hart.

Ich merke aber, dass ich beginne zu hassen. Vor Angst. Vor Wut. Vor Trauer.

Die „femiverseuchte“ Justiz gegen „das sind Fachleute, die machen das schon“

Nachdem ich soeben die Kommentare unter der aktuellen Kolumne von Jan Fleischhauer gelesen habe, möchte ich ein im letzten Kommentarstrang angeschnittenes Thema noch einmal vertiefen. Denn unter besagtem Beitrag von Jan Fleischhauer zum Fall Gina Lisa Lohfink sammelten sich (neben den obligatorischen hässlichen „selbst schuld, wer sich so präsentiert“-Kommentaren) wieder jene Stimmen, die letztlich sagen „die Justiz / die Staatsanwaltschaft / das Gericht hat das so ermittelt / entschieden, also wird’s schon passen, man muss halt ein bisschen Vertrauen haben.“

Drrrrrrrrrrrrrrr, einmal zurückspulen bitte. Wir erinnern uns an den Fall Jörg Kachelmann. Und an das extreme Misstrauen damals gegenüber der Justiz. Ich habe beide Fälle recht intensiv verfolgt und bin mir sehr sicher, dass es oft dieselben Kommentatoren waren bzw. sind, die damals lautstark verkündeten, Staatsanwaltschaft und Gericht wäre aus Prinzip nicht zu trauen, die sich sogar zu recht wüsten Anschuldigungen hinreißen ließen und die nun plötzlich „aber die Staatsanwältin / das Gericht  / die Justiz hat doch …“ rufen bzw. schreiben.

Das finde ich sehr interessant. Offenbar gilt Misstrauen gegenüber der Justiz nicht immer. Und seeliges Vertrauen in die Justiz auch nicht immer. Sondern eben dann, wenn es in die eigene Agenda passt.

Wir spulen noch einmal zum Fall Kachelmann zurück: Damals gab es teilweise v. a. gegen die ermittelnden Staatsanwälte geradezu unglaubliche Anschuldigungen bis hin zu Drohungen und Veröffentlichung von Adressen (ich verstehe bis heute nicht ganz, warum sich die Staatsanwälte nicht juristisch zur Wehr gesetzt haben, aber vermutlich stand der Aufwand nicht für). Während heute dazu aufgerufen wird, der Justiz doch „bitte zu trauen“ und sie „machen zu lassen“ (man hätte sich solch mäßigende Stimmen ja auch damals manchmal gewünscht, wenn gegen Staatsanwaltschaft und Gericht wüst angeschimpft wurde, seltsamerweise aber blieben sie aus ^^).

Fest steht: Richter, Staatsanwälte und Polizeibeamte sind Menschen. Oft sind sie (massiver Personalmangel seit Jahren!)  sehr übearbeitet und müssen quasi innerhalb von Minuten über einen Fall entscheiden. Sie können Fakten auf eine bestimmte Art und Weise bewerten (beispielsweise gibt Hinweise, dass Richter, die selbst Mieter sind, eher zugunsten der Mieter entscheiden und es gibt Studien, die zeigen, dass müde Richter eher zu ungunsten des Angeklagten entscheiden und hungrige Richter härtere Urteile fällen). Und schließlich sind Richter, Staatsanwälte und Polizeibeamte eher selten hellseherisch begabt. Sie sitzen oft vor einem Wust an Aussagen, Indizien, Ermittungsergebnissen und müssen sich darauf (und rasch, wie gesagt) einen Reim machen. Natürlich kann ihre Einschätzung der Sachlage letztlich auch falsch sein.

Insofern ist es durchaus sinnvoll und in einem Staatssystem wie dem unsrigen, also einer Demokratie, auch absolut gewollt (Stichwort „Öffentlichkeit“!), nicht alles zu glauben oder hinzunehmen nur weil es eine „Amtsperson“ so gesagt oder beschlossen hat. Auf der anderen Seite sind extreme Angriffe, wie ich sie damals im Fall Kachelmann gelesen habe, auch völlig fehl am Platze. Nicht hinter jeder Entscheidung eines Staatsanwaltes oder Richters steckt eine Verschwörung ^^ (wer hier ein wenig böse Ironie findet, darf sie gerne behalten). Und sogar selten böse Absichten. Zumeist hat der Staatsanwalt oder Richter eben so entschieden, wie er oder sie es für richtig hielt. Diese Entscheidung kann natürlich dennoch falsch oder fehlerhaft sein. Das aber rechtfertigt weder wüste Angriffe noch generelles Misstrauen in Richtung Verschwörungstheorien. Genausowenig wie es angebracht ist, alles unhinterfragt hinzunehmen.

Der Fall Gina Lisa Lohfink

In letzter Zeit bin ich mehrfach darübergestolpert und habe mich jetzt letztlich doch zu einem kleinen Artikel entschlossen.

Zu der Beurteilung des Videos selbst kann ich wenig sagen. Ich habe nur einen Schnipsel davon gesehen. In diesem Schnipsel sagt sie tatsächlich zweimal „Hört auf“ (was sich theoretisch auf die Kamera beziehen könnte, aber für mich hörte es sich recht verzweifelt an) und man sieht, dass sie offenbar schwer breit ist oder unter Drogen steht, an der Art und Weise der schwerfälligen Bewegungen.

Eine „bloß“ verbale Ablehnung reicht nach aktueller Gesetzeslage allerdings nicht aus, um eine Vergewaltigung zu begründen (was ich übrigens falsch finde und m. M. nach geändert werden müsste). Auch könnte es natürlich sein, dass sich das „Hört auf“ auf die Kamera bezieht oder dies zumindest von Staatsanwaltschaft und Gericht so beurteilt wurde.

Es gibt allerdings drei Dinge, die mir in der ganzen Sache völlig unverständlich sind.

  1. Warum erhält Gina Lisa Lohfink einen Strafbefehl? Ich habe wirklich lange versucht darauf zu kommen, es wurde kein hinreichender Grund geboten. Weil sie vor der Polizei sagte, es habe sich angefühlt wie K. O.-Tropfen? Das ist nicht verboten. Ein Verdacht darf geäußert werden. Weil sie überhaupt eine Anzeige machte? Das Video ist ausreichend strittig, um ihre Anzeige als begründet anzusehen. Es musste von einem Gutachter geprüft werden, was bedeutet, Staatsanwaltschaft und Gericht waren sich nicht sicher, ob es sich um eine Vergewaltigung handelt oder nicht. Ich kann auch nach langer Recherche keine Begründung für diese Entscheidung von Staatsanwaltschaft und Gericht finden.

  2. Warum kamen die beiden Männer, die das Video gedreht und ins Netz gestellt haben, sowie zuvor an diverse Redaktionen geschickt hatten, so derart billig davon? Es handelte sich um einen schweren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht von Frau Lohfink bis tief hinein in deren Intimsphäre. 1.300 € (einer der Täter) bzw. gar keine Strafe (der andere Täter, weil er keinen festen Wohnsitz vorweisen konnte) ist, ganz schlicht gesagt, ein Witz. Da wären ganz andere Summen und Strafen möglich gewesen. Bei diversen Prominenten ist das auch ganz anders gelaufen. Warum hier nicht? Weil man davon ausging, Frau Lohfink wäre irgendwie „selbst schuld“ weil sie ja schon freiwillig Sexvideos veröffentlicht hatte? Was wäre das für eine Rechtsauffassung?

  3. Warum wurden die drei jungen Männer, die im Gericht während des Prozesses gegen Gina Lisa Lohfink illegal filmten und Frau Lohfink anschließend bis auf die Damentoilette folgten und sie schwer beleidigten nicht festgenommen und ihre Personalien festgestellt? Ein nahezu unverständliches Versäumnis!

Alle drei Punkte zusammengenommen wirft das Ganze kein besonders glorreiches Licht auf unseren Rechtstaat!

Auch noch völlig unverständlich ist mir, warum ein bekannter Club a) einen VIP-Betreuer ohne festen Wohnsitz und mit zahlreichen Vorstrafen beschäftigt, den sie offenbar nicht zuvor überprüft hatten. Sehr vertrauenerweckend, indeed!

Und b) diesen nach dem Vorfall der ja unstrittig ist (also das Veröffentlichen des Sexvideos eines VIP-Gastes) noch zwei Jahre weiterbeschäftigt. Nochmals sehr vertrauenerweckend …

 

Falschbeschuldigung wegen Falschbeschuldigung

Das Thema Falschbeschuldigung polarisiert stark. Und obwohl Falschbeschuldigung bei nahezu allen Arten von Straftaten vorkommt, von Diebstahl oder Betrug über Körperverletzung bis hin zu Mord, wird das Thema seltsamerweise niemals so hochgekocht wie im Falle von Vergewaltigung.

Was dabei ebenso seltsamerweise auch so gut wie nie thematisiert wird, ist die Falschbeschuldigung wegen Falschbeschuldigung. Also, dass ein tatsächliches Vergewaltigungsopfer vom Täter, von seinem Umfeld oder gar von Ermittlungsbeamten der Falschbeschuldigung bezichtigt wird und deshalb eventuell sogar einen Prozess durchstehen muss.

Die Journalismusplattform „The Marshall Project“ hat eine aufwühlende Reportage zu einem solchen Fall eröffnet (auf Englisch). Sie ist sehr lange aber auch sehr lesenswert.

Kurzzusammenfassung: Die 18-Jährige Marie, die aus prekären Verhältnissen stammt,  wird von ihrer Pflegemutter in aufgelöstem Zustand gefunden. Sie berichtet, ein maskierter Unbekannter wäre in die Wohnung eingebrochen, habe sie gefesselt, geknebelt und vergewaltigt. Bei der anschließenden Untersuchung hat das Mädchen nur wenig Verletzungsspuren. Keiner glaubt ihr wirklich, nicht einmal die Pflegemutter. Die Polizei findet ihre Aussage ebenfalls nicht glaubwürdig. Ihr wird bezüglich der Fesselungsspuren Selbstverletzung vorgeworfen. Am Ende ist Marie so verunsichert, dass sie angibt, sie habe vielleicht nur geträumt. Daraufhin wird sie wegen Falschbeschuldigung angezeigt, angeklagt und vor Gericht gestellt.

Gleichzeitig ermitteln zwei Polizeibeamtinnen im Falle eines geschickten Serienvergewaltigers. Er überfällt Frauen in ihrem Zuhause, von der 62-Jährigen bis zur 26-Jährigen. Er bedroht sie mit einer Stichwaffe, fesselt sie, benutzt Kondome und Gleitmittel und verwischt seine Spuren. Die Ermittlungsarbeit ist äußerst schwierig. Als die beiden den Täter schließlich doch fassen, finden sie unter anderem die pinke Digitalkamera, die er zuvor einem seiner Opfer geklaut hatte. Unter den zahlreichen Fotos seiner Opfer darauf, finden sich auch Fotos der gefesselten und geknebelten Marie. Sie wurde Opfer des Serienvergewaltigers. Und trotzdem der Falschbeschuldigung angeklagt.

Interessanterweise ist sie, das Mädchen aus schlechten Verhältnissen, das einzige seiner Opfer, dem nicht geglaubt wurde.

Solche Fälle sind häufiger als man denkt:

1983 beschuldigte eine junge, 17-Jährige Prostituierte den unbescholtenen Familienvater Robert Hansen, sie mit vorgehaltener Waffe entführt und brutal vergewaltigt zu haben. Sie konnte entkommen. Hansen beschuldigt die Frau der Falschbeschuldigung, es ginge ihr lediglich darum, ihn zu erpressen. Hansen wird freigelassen. Er hat insgesamt 17 Frauen entführt, vergewaltigt und ermordet.

1984 beschuldigt die Prostituierte Rebecca Garda Guay den unauffälligen Gary Ridgway, sie gewürgt und misshandelt zu haben. Vor dem Vergewaltigungsversuch konnte sie fliehen. Gary Rigdway gibt an, er habe in Notwehr gehandelt, sie habe ihn beim Oralverkehr gebissen. Die eigentliche Täterin sei sie. Er wird freigelassen. Gary Rigdway hat vermutlich 46 Frauen vergewaltigt und ermordet.

1991 flieht ein 14-Jähriger Junge zu einer Nachbarin. Jeffrey Dahmer habe versucht, ihn zu vergewaltigen und habe ihn misshandelt. Die hinzugezogene Polizei glaubt Dahmer, der angibt, es handle sich um eine Falschbeschuldigung. Der Junge sei betrunken, zudem volljährig und sein Liebhaber. Als „Beweis“ zeigt er den Beamten Fotos von dem Jungen, die er zuvor gemacht hat. Die Beamten glauben ihm und nicht dem Jungen und ziehen ab. Wenig später bringt Dahmer den Jungen um.

2016 gesteht der wegen mehreren Vergewaltigungen angeklagte Bernd F. schließlich auch die Vergewaltigung einer jungen Verwandten. Die junge Frau war jahrelang von ihrer Familie der Falschbeschuldigung verdächtigt worden.

Bei nicht wenigen Serienvergewaltigern (und -mördern) finden sich zunächst Fälle von Opfern, die angaben, von ihm vergewaltigt worden zu sein (oder es einen Versuch gab), denen man nicht glaubte. Oft, weil sie Prostituierte waren oder aus prekären Lebensumständen kamen. Oft auch, weil man im Familienumfeld lieber an die Unschuld des Täters glauben wollte und es daher „einfacher“ schien, das Opfer einer Falschbeschuldigung zu bezichtigen..

Und Serienvergewaltigungen durch Unbekannte oder flüchtig Bekannte sind letztlich meist diejenigen Fälle, die tatsächlich aufgeklärt werden. Bei „einfachen“ Vergewaltigungen ist die Beweislage wesentlich schwieriger (was u. a. an der Tatsache ersichtlich ist, dass die „fehlgeschlagenen“ Versuche bei Serienvergewaltigern oft „frühe Versuche“ sind und den Opfern in diesen Fällen selten geglaubt wird).

Wer also das Wort „Falschbeschuldigung“ allzu rasch im Munde führt, sollte vielleicht ab und an mal einen Moment innehalten und sich überlegen, was eine solche Anschuldigung mit einem tatsächlichen Vergewaltigungsopfer macht. Es wird dadurch nämlich tatsächlich doppelt zum Opfer: Opfer einer Vergewaltigung und Opfer einer Falschbeschuldigung wegen Falschbeschuldigung.

Es gibt neben der Möglichkeit einer Falschbeschuldigung durchaus auch die Möglichkeit einer Falschbeschuldigung wegen Falschbeschuldigung. Von einer allzu raschen Positionierung ist daher doch recht dringend abzuraten.

Die Angst von Minderheiten in Flüchtlingsheimen

In meinem letzten Artikel ging es um Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen. Dort erwähnte ich bereits, dass es auch anderen religiösen Minderheiten (also religiösen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen) ähnlich ergeht.

Daraufhin wurde ich auf diesen Vorfall hingewiesen (wobei ich den Ausdruck „Schlägerei“ für den offenbar erfolgten gezielten Angriff ziemlich euphemistisch finde).

Kurzzusammenfassung: Eine Gruppe teschetschenischer Flüchtlinge ging mit Waffen wie Messern und Stöcken auf eine Gruppe jesidischer Flüchtlinge los. Der Streit eskalierte daraufhin. Jesidische Frauen und Kinder campierten daraufhin die ganze Nacht im Freien. Die jesidischen Familien weigerten sich, wieder in die Flüchtlingsunterkunft zurückzukehren.

Besonders berührend fand ich die verzweifelte Aussage einer jesidischen Frau „Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen. alles ist ungewiss, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, hier wie in meiner Heimat bin ich den gleichen Gefahren und Verfolgungen ausgesetzt“.

Warum lassen wir zu, dass sich Menschen in Europa, wo sie eigentlich in Sicherheit sein sollten, wegen ihrer Religion verfolgt und massiv bedroht fühlen?

Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen

Dass die Christenverfolgung bzw. generell die Verfolgung von Menschen nicht-muslimischen Glaubens in Flüchtlingsheimen derart extrem ausgeprägt ist, war mir bisher nicht bekannt.

Ich kannte allerdings einige Berichte orientalischer Christen bzw. mir wurden solche Vorfälle von Betroffenen selbst erzählt, ich hielt diese aber für bedauerliche Einzelfälle. Offenbar weit gefehlt, wie man auf der Pressekonferenz verschiedener Menschenrechtsorganisationen heute erfahren konnte. Beleidigungen, Todesdrohungen und Gewalt gegen Christen und andere Nicht-Muslime scheinen leider eher die Regel denn die Ausnahme zu sein.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/christen-klagen-ueber-schikanen-in-fluechtlingsheimen-a-1091479.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/christliche-fluechtlinge-bis-zu-40-000-nicht-muslime-im-fluechtlingsheim-drangsaliert-14223089.html

http://www.sueddeutsche.de/news/politik/fluechtlinge-christen-klagen-ueber-bedrohung-in-deutschen-asylunterkuenften-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160509-99-881602

Auch, dass sogar Wachleute an Übergriffen auf Christen, speziell auf Konvertiten beteiligt sind, war mir bisher nicht bekannt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article151104662/Muslimische-Security-verpruegelt-Christen-im-Asylheim.html

Mich interessiert eure Meinung: Wie soll mit dem Problem umgegangen werden?

 

 

Betreuungsgehalt

Das sogenannte  „Müttergehalt“ kommt von Zeit zu Zeit in die Diskussion. Zuletzt brachte Birgit Kelle die Idee ein, Müttern, die daheim bei ihren Kindern bleiben statt außerhäusig zu arbeiten, ein „Gehalt“ vergleichbar mit den staatlichen Kosten für einen KITA-Platz zu zahlen (zwischen 1000 und 2000 € monatlich). Diese Idee halte ich allerdings für äußerst unfair und durchaus auch kurzsichtig. Denn Elternpaare, bei denen beide Partner berufstätig sind, zahlen


a) deutlich mehr Steuern als Paare mit traditioneller Rollenteilung und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits zahlen beide Partner und nicht nur einer und andererseits steigt durch das höhere Einkommen auch der Steuersatz.

b) sind bei Paaren mit doppelter Berufstätigkeit beide krankenversichert, so dass die kostenlose Mitversicherung entfällt.

und c) zahlen beide Partner in die Rentenversicherung ein.

Insofern ist es für den Staat von Vorteil, Kita-Plätze zu finanzieren, wie Berechnungen der letzten Jahre immer wieder gezeigt haben. Es wäre also unfair, wenn Paare mit doppelter Berufstätigkeit einerseits dem Staat finanzielle Vorteile bringen und andererseits ein solches „Gehalt“ dann ausschließlich an Mütter (warum eigentlich immer nur Mütter?), die sich für das Modell Hausfrau entschieden haben, ausbezahlt würde.


Während ich also der Überzeugung bin, dass ein solches „Müttergehalt“ nicht umsetzbar wäre, bin ich gleichzeitig der Überzeugung, dass die Betreuung von Kindern (und alten oder kranken Menschen) selbstverständlich gesellschaftlich wertvolle Arbeit ist, die auch honoriert werden sollte. Aber nicht durch den Staat, der davon keine Vorteile hat, sondern, eigentlich klarerweise, durch den berufstätigen Partner (egal ob männlich oder weiblich), der diese Arbeit dann eben nicht oder zumindest nicht in großem Umfang erbringen muss.

Für eine Ehe oder feste Beziehung ist das eigentlich recht einfach umsetzbar und Deutschland müsste sich nur an dem Vorbild zahlreicher EU-Staaten, darunter Österreich, orientieren, und gesetzlich festlegen, wieviel Prozent des Haushaltseinkommens den jeweiligen Partnern zusteht.

Dies ist derzeit in Deutschland noch weitgehend ungeregelt, die Hausfrau oder der Hausmann hat lediglich Anspruch auf Wirtschaftsgeld in unbestimmter Höhe sowie auf ein Taschengeld von 5 bis 7 % des Nettoeinkommens.


Ich schlage für eine solche Regelung den Begriff „Betreuungsgehalt“ vor.


Wesentlich wichtiger allerdings ist eine solche Regelung noch für eine Zeit nach der Ehe bzw. generell für den Fall, dass ein Elternteil primär die Betreuung gemeinsamer Kinder übernimmt, auch wenn keine Beziehung mehr zwischen den Elternteilen besteht.


Das neue Unterhaltsrecht ist seit 8 Jahren in Kraft und in dieser Hinsicht ebenfalls hochgradig unfair. Denn im Regelfall ist es so, dass, sobald das Kind älter als 3 Jahre alt ist, vorausgesetzt wird, dass auch der betreuende Elternteil Vollzeit arbeitet. Das bedeutet also im Klartext, dass ein Elternteil die Betreuungsarbeit übernimmt oder zumindest den Großteil davon, gleichzeitig aber verpflichtet wird, Vollzeit zu arbeiten, also exakt dieselben Bedingungen erfüllen soll, wie das Elternteil, das die Betreuungsarbeit nicht oder nur zu kleineren Teilen übernimmt. Die Betreuungsarbeit gilt in diesem Modell als „selbstverständlich“ und offenbar völlig vernachlässigbar. Und das, obwohl es für Alleinerziehende wesentlich schwerer ist, eine Vollzeittätigkeit auszuführen, weil man z. B. gleichzeitig das Kind in die Betreuungseinrichtung bringen muss und auch wieder abholen.


Es wäre also speziell für solche Fälle noch wichtiger, ein Betreuungsgehalt einzuführen. Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass Betreuung von Kindern auch eine Leistung ist und zudem dazu führt, dass der betreuende Elternteil niemals dieselbe Arbeitsleistung erbringen kann wie der Elternteil, der nicht oder weniger betreut.

Zu verlangen, dass die Betreuung von Kindern quasi nebenher und völlig selbstverständlich laufen soll, ist, ich wiederhole mich, hochgradig unfair.


Nun werden, und damit beschließe ich diesen Text, viele Maskulisten an dieser Stelle argumentieren: „Aber er zahlt doch alles. Da kann der (bzw. die) eine sich doch neben der Vollzeittätigkeit ums Kind kümmern oder muss gar nicht Vollzeit arbeiten, wenn der andere doch alles zahlt!“.

Das allerdings verkennt völlig, wieviel ein Kind wirklich kostet. Wesentlich mehr nämlich, als die Düsseldorfer Tabelle so meint.


Ein kleines Beispiel: Ein ehemaliges Ehepaar hat ein 8-jähriges Kind, das 80 % der Zeit beim Vater lebt. Die Mutter des Kindes hat ein Nettoeinkommen von 3.000 € monatlich, der Vater des Kindes aufgrund längerer Familienauszeit ein Nettoeinkommen von 2.100 €. Der Vater hat eine 2,5-Zimmer Wohnung für 1200 € warm (ohnehin für eine Großstadt eher günstig). Alleine würde ihm eine 1-Raum Wohnung für 700 € reichen. Er zahlt also 500 € mehr an Miete. Da er ganztags arbeitet, braucht er auch eine solche Betreuung und zwar bis 18.00 (wobei er sich noch sehr hetzen muss, um pünktlich da zu sein, viele Einrichtungen schließen sogar bereits um 17.00 Uhr). Mit Mittagessen betragen die Kosten für den Hort 230 €. Damit wären wir bereits bei 730 € an Mehrkosten für das Kind. Die Schule verlangt im Monat 15 € Materialkosten, dazu kommen noch weitere Materialkosten von 5 € (Schulranzen, Federmäppchen, Schere etc. hochgerechnet auf die Schulzeit, außerdem Hefte, Bleistifte, Buntstifte, Radiergummi …), dazu Essen, Kleidung und Freizeit für das Kind von 250 € (das Kind besucht einen Sportverein und möchte wahrscheinlich auch ein bisschen mit Freunden mithalten können, zudem kostet die nötige Ferienfreizeit). 250 € ist recht tief gegriffen, realistischer wären wahrscheinlich 300 €.

Da wären wir also bei 1000 € Kosten für das Kind. Der Vater erhält von der Mutter aber lediglich 366 € (461 € minus halbes Kindergeld). Das Einkommen für ihn + Kind beträgt also monatlich 2.656 € (2.100 € Einkommen + 366 € Kindsunterhalt + 190 € Kindergeld).

Das, obwohl sich der Vater in unserem Beispiel meist um das Kind kümmert, Hausaufgaben betreut, kocht, wäscht, auf Elternabende und in Sprechstunden geht, das Kind pflegt, wenn es krank ist, es zum Sportverein fährt, zum Kinderarzt fährt, sowie zum Logopäden und daneben 8 h täglich arbeitet und folglich keine Freizeit mehr hat.

Zudem kann er niemals im selben Umfang beruflich aufsteigen wie die Mutter, da er wegen Schließzeiten der Betreuungseinrichtung keine Überstunden leisten kann und bei Kranktagen des Kindes zu Hause bleibt, sowie einen Großteil der Ferien abdecken muss.


Wer also so wie oben argumentiert, müsste dann dafür plädieren, die Beiträge nach der Düsseldorfer Tabelle so eklatant heraufzusetzen, dass sie sich an den tatsächlichen Kosten für das Kind orientieren. Das aber ist wesentlich schwerer umzurechnen (und unfairer) als ein Betreuungsgehalt für denjenigen, der den Großteil der Betreuung tatsächlich übernimmt.

Zum Abschluss noch ein sehr eindrücklicher Artikel aus Die Zeit zur Situation Alleinerziehender.