Lillifee und das rosa Mathemonster

Auf Spiegel wird Sybille Bergs aktuelle Kolumne zum Thema Mädchen, MINT-Fächer, rosa Prinzessinen und Einhörner ja gerade heiß diskutiert.

Ich bin ja jemand, der die Ansicht vertritt, das Kind weitgehend (aber auch nicht nur) selbst entscheiden zu lassen, was es tragen will oder mit was es spielen mag. Andererseits stößt diese Einstellung schon manchmal sehr an ihre Grenzen, wenn eindeutig nur noch Freunde bzw. Freundinnen imitiert werden und das ganze nichts „Eigenes“ mehr hat. Meist beginnt diese starke Beeinflussung durch die Peer Group im zweiten Kindergartenjahr, also so mit 4. Und, ich gebe es zu, ich finde das überhaupt nicht einfach.

So habe ich prinzipiell – bei beiden Geschlechtern – wenig gegen Rosa, Glitzer und Einhörner. Schlimm finde ich es allerdings, wenn es völlig überhand nimmt und einseitig klischeemäßig wird. Es erklärte z. B. meine Kleine nach mehreren Folgen Lillifee im Brustton der Überzeugung „Wenn ich mal groß bin, will ich Prinzessin, Fee und Ballerina werden, oder wenigstens eins von den Dreien“. Da musste ich schon schlucken. Sehr zukunftsträchtige Berufe, das ^^.

Oder dasselbe Kind verweigerte im Winter jedwede Hose, weil ihre Freundinnen angeblich nur Kleider tragen würden. Interessanterweise sah sie dabei nur das Vorbild der beiden Freundinnen, die sehr klischeemäßig auftraten und nicht das Vorbild der beiden Freundinnen, die durchaus auch Hosen und Fußballshirts trugen. Sie hatte dann eine handfeste Erkältung, trotz dicker Strumpfhose und ich hätte mich in den Allerwertesten beißen können, weil ich dem Unsinn nachgegeben habe.

Als sehr problematisch erachte ich übrigens eigentlich nicht das Glitzer, das Rosa und die Pferdchen, sondern die Tatsache, dass viele Eltern nicht einmal versuchen, ihre Mädchen für MINT-Fächer zu interessieren (warum sollten sich Mathe und Glitzer denn eigentlich widersprechen?) und viele Serien und Bücher für Mädchen genau das unterstützen. Nach dem Motto „interessiert sie ja eh nicht, ist ja ein Mädchen“. Das ist dann, als würden Eltern ihr Kind von klein auf vor die Glotze packen, es nie an die frische Luft lassen, ihm den ganzen Tag Fastfood zu futtern geben und sich hinterher darüber wundern, warum um alles in der Welt das Kind so dick ist und unsportlich noch dazu und außerdem kein Gemüse mag.

Wie wäre es mal mit „Lillifee und das rosa Mathemonster“? Das dürfen dann gerne auch Jungs lesen ;-).

 

Mehr zum Thema: „Stinkt rosa?“

 

 

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Das Ding mit den „natürlichen Konsequenzen“

Eben habe ich auf Mollys Blog einen interessanten Beitrag zu Strafen und Konsequenzen gelesen. Und das erinnerte mich wieder an meine Zeit als ganz junge Mutter. Man war ja hochmotiviert. Wollte alles richtig machen. Und dann kamen SIE: Die Verfechter der „natürlichen Konsequenzen“. Heißt, Strafen darf man nicht. Kinder lernen ausschließlich aus den natürlichen Folgen ihres Handels. Hört sich in der Theorie ganz klasse an. In der Praxis sieht das dann so aus:

Ausgangssituation: Muttern muss zum Arzt und das Kind muss mangels Betreuungsperson mit. Leider sieht das Kind überhaupt keine Notwendigkeit, mit zum Arzt zu kommen.

Mutter: „Schätzchen, wir müssen los, bitte zieh dir Schuhe und Jacke an.“

Kind: schweigt und baut einen Legoturm.

Mutter: „Ich muss zum Arzt. Zieh dich bitte an.“

Kind: „Ich will nicht zum Arzt.“

Mutter: „Nein, aber ich muss zum Arzt und Du musst mit, weil keiner auf dich aufpassen kann. Zieh dich jetzt an.“

Kind: „Ich will aber lieber Lego bauen.“

Mutter: „Ja, das kannst Du ja danach gleich wieder, aber jetzt müssen wir los, sonst komm ich zu spät.“

Kind: „Brüllllllllllll. Ich will nicht zum blöden Arzt. Ich will keine blöde Jacke anziehen.“

Mutter verliert mit Blick auf die Uhr die Nerven und steckt das Kind in Jacke und Schuhe. BlingBlingBling – die „böse Mutter“-Alarmanlage schaltet sich an. Eigentlich sollte man ja nicht … Hat nicht die Frau im Kurs gesagt? Und die Mutter vom Alvin? NATÜRLICHE KONSEQUENZEN.

Kind strampelt und schreit und will nicht laufen. Als wir endlich endlich beim Arzt ankommen, ist es 10 Minuten zu spät. Arzthelferin schimpft … mich. Klar. Natürliche Konsequenzen für das Kind? 0. Schimpfen, sauer sein? Fällt unter die verwerflichen „Strafen“, da ja keine natürliche Konsequenz.

Ehrlich gesagt habe ich mich nach solcherlei Erfahrungen gefragt, wie genau Menschen, die angeblich ausschließlich auf natürliche Konsequenzen setzen, ihre Kinder erziehen. Real kenne ich ein paar Leute, die sagen, sie würden … Und naja … tatsächlich … Strafen die meisten davon aber durchaus. Oder, das gibt es auch, die Kinder sind wirklich nahezu unaushaltbar. Alles in allem scheint mir das in der Theorie gut und in der Praxis nicht wirklich konsequent umsetzbar.

Was meint ihr dazu? Wie bekommt ihr das hin?

 

Die besten Halloween-Trickfilme (für Kinder und Erwachsene)

Mein Verhältnnis zu Halloween ist ja etwas zwiespältig. Einserseits war ich schon sehr früh fasziniert von dieser Art „Anti-Party“, wo Gruseliges, Hässliches und Morbides endlich gefeiert wird (Österreichern und speziell Wienern wird ja ohnehin ein gewisses fast schon freundschaftliches Verhältnis zum Morbiden und zum Tod nachgesagt). Andererseits bin ich absolut keine Anhängerin von klassischem Horror und Splatter. Ich liebe Filme wie „The Others“ und hasse Filme, bei denen Blut und Körperteile durch die Gegend spritzen und Angst und Schrecken regieren. Mir gefällt an Halloween vor allen Dingen, dass das Angstmachende und andere eine Nacht lang eben gerade aus dieser „Angstecke“ gezogen wird.

Darum ist mir der mexikanische Dia de los Muertos mit seinem morbid-schönen Charme und der Verbindung zwischen Lebendigen und Toten nochmal ein Stück weit näher.

Schon lange bin ich daher ein Fan von schrägen Trickfilmen mit leichtem Gruselfaktor à la Tim Burton (wobei es bessere Filme gibt als die vom Großmeister). Für Halloween (und den Dia de los Muertos) stelle ich darum hier mal die besten vor. Ich habe sie nach Alterstauglichkeit sortiert, möchte aber dazu sagen, dass natürlich alle etwas gruselig sind und wenn ihr sehr ängstliche Kinder haben solltet, alle durchaus Angst machen können. Wir haben allerdings (bis auf eine Ausnahme, die ich auch selbst schlecht finde) nur gute Erfahrungen gemacht. Kinder sind meist fasziniert vom Tod und vom Mystischen.

  • Die Melodie des Meeres (FSK 0, etwa ab 4 geeignet): Ben lebt mit seiner stummen Schwester Saoirse und seinem Vater in einem alten Leuchtturm. Ben hasst Saoirse, da er sie für das Verschwinden der Mutter verantwortlich macht. Aber Saoirse ist, wie auch die Mutter der Kinder, mehr als ein Mensch. Als an Halloween die Oma der beiden kommt und sie weg von ihrem geliebten Leuchtturm und mit in die Stadt nimmt, wird alles anders.

Dieser irische Film ist wunderschön poetisch gezeichnet und beschäftigt sich mit der irisch-keltischen Mythologie. Besonders schön ist, dass sich die Geschichte der mythischen Figuren und die der Familie schließlich vermischen und die Handlungen aller Figuren so nachvollziehbar werden, auch wenn sie zunächst grausam oder falsch erscheinen. Die Eulenhexe ist schon etwas gruselig, aber nicht eigentlich böse, meine Kinder fanden den Film in jeder Hinsicht toll.

  • Manolo und das Buch des Lebens (FSK 6, würde ich auch ab diesem Alter empfehlen): Die beiden Jungen Manolo und Joaquín und das Mädchen Maria leben in einem kleinen Ort in Mexiko und sind befreundet. Das mythische Ehepaar des Totenreichs, die bunte La Muerte (Herrin des Reichs der erinnerten Toten) und der finstere Xibalbá (Herr des Reichs der vergessenen Toten), befinden sich im Dauerstreit. Sie wetten, wer von den beiden Jungen schließlich Marias Herz erobern wird, wobei La Muerte auf den sanften Manolo und Xibalbá auf den wilderen Joaquín setzt. Jahre später erst setzt sich der Wettstreit fort. Joaquín ist mittlerweile ein strammer Soldat, Manolo Stierkämpfer wider Willen – er wäre lieber Musiker. Durch eine List Xibalbás landet Manolo im Totenreich und muss sich dort bewähren.

Der Film dreht sich sich um die mexikanische Totenmythologie rund um den Dia de los Muertos und ist entsprechend bunt und fröhlich. Es gibt einige dramatische Szenen, aber die sind alles in allem gut aushaltbar. Für Erwachsene ist die teils witzige Hassliebe der beiden Götter ein Highlight.

  • Corpse Bride (FSK 6, ich würde sagen ab 8): Victor lebt im reichlich düsteren viktorianischen England. Er soll mit Victoria verheiratet werden. Trotz der arrangierten Ehe verlieben sich die beiden. Als Victor im Wald sein Eheversprechen übt und dabei einem „Stöckchen“ den Ring übertreift, erweckt er eine Totenbraut zum Leben, denn das vermeintliche Stöckchen ist in Wahrheit ihr Finger. Die tote Braut ist begeistert und nimmt ihn mit in ihr Reich der Toten, das sich als bunter, lebensfroher und lebendiger herausstellt als die Welt der Lebenden. Victor ist hin- und hergerissen und kommt schließlich der tragischen Geschichte der Totenbraut auf die Spur.

Ein typischer Tim Burton: skuril, bunt, voller sympathischer Gestalten und nichts ist, wie es erst scheint.

  • The one and only ParaNorman (FSK 12, ich finde ihn aber nicht so übel, Coraline ist ab 6 und viel härter, ich würde ihn 8- oder 9-Jährigen schon zutrauen, guckt ihn aber erst selbst und entscheidet dann). Norman ist 11 und kann Tote sehen und mit ihnen sprechen. Leider glaubt ihm das keiner, außer sein Freund Neil, und so gilt Norman allen als Freak, sogar seiner Familie. Das ändert sich erst, als eine alte Legende aus der Geschichte der Stadt Wirklichkeit zu werden droht und Geister, Hexen und Untote ihr Unwesen treiben. Norman ist der einzige, der nach und nach versteht, um was es geht.

ParaNorman ist der wohl beste Film dieser Auswahl. Ich kann kaum beschreiben, wie tiefgründig und zugleich witzig der Film ist. Findet es also selbst heraus. Wie gesagt, die FSK Einschätzung halte ich in dem Fall für überhöht, es gibt eben leider nichts zwischen FSK 6 und FSK 12. Auch hier ist aber (Achtung Spoiler!), niemand wirklich böse, auch wenn einige durchaus erschreckend aussehen. Es sind schreckliche Dinge geschehen, aber im Laufe des Film tastet sich Norman (unterstützt von Neil) langsam an die Beweggründe aller Figuren heran. Schaut ihn erstmal selbst, ihr kennt eure Kinder am besten.

  • Coraline (FSK 6, das ist aber komplett verfehlt, der Film geht frühestens ab 9 oder eher 10): Coraline zieht mit ihren Eltern in ein altes Haus und lernt dessen skurile Bewohner kennen. Sie ist sauer auf ihre Eltern, die wenig Zeit haben. Hinter einer verschlossenen Tür, die tagsüber zugemauert ist, findet sie den Eingang in eine andere Welt. Dort ist alles wie daheim und doch ganz anders. Bunt, schön, leuchtend und fantasievoll, die Mutter kocht und ist plötzlich zuckersüß, der Vater gärtnert in einem grandiosen Garten, die Nachbarn geben Zirkusvorführungen, ihr Spielzeug wird lebendig … und alle tragen Knopfaugen. Coraline kommt erst langsam hinter das Geheimnis der anderen Welt und ihrer „anderen Mutter“. Und da ist es fast schon zu spät. Coraline muss buchstäblich um ihr Leben spielen. Zum Glück hat sie neue Freunde gefunden, ihren Nachbarsjungen und einen alten Kater.

Der Film ist großartig. Coraline ist liebenswert schräg, die „andere Welt“ grandios, zauberhaft und gerade darum irgendwie die ganze Zeit unterschwellig bedrohlich, die Geschichte spannend bis zum Schluss. Der Haken: Dieser Film ist absolut nicht FSK 6. Denn anders als bei ParaNorman gibt es hier eine wirklich, wirklich bitterböse und schreckliche Figur, die ebenso bitterböse Dinge tut. Gerade das Umschwingen der vertrauten schönen Welt in puren Schrecken kann auf Kinder sehr verstörend wirken. Insofern rate ich auch hier dazu, ihn unbedingt vorher selbst einmal anzusehen.

  • The Nightmare before Christmas (FSK 6, ich finde aber, er geht erst ab 10). Der Klassiker unter den gruseligen Trickfilmen. Jack Skellington ist der König des Halloween-Landes. Durch einen Zufall findet er heraus, dass auch die anderen Feste im Jahreskreis ihr eigenes Reich haben. Und so landet der schon lange unglückliche Jack im Land des Weihnachtsmanns – und beschließt, diesen einmal abzulösen und dieses Jahr selbst als „Nikki-Graus“ die Kinder zu beschenken. Mit unabsehbaren Folgen.

Super Film, schon alleine die Scherenschnittechnik lohnt. Ich habe länger überlegt, ob ich „Coraline“ oder „Nightmare“ ans Ende dieser Liste setze. Letzten Endes hat Nightmare before Christmas aber noch mehr klassische Gruseleffekte und insofern würde ich ihn erst ab 10 empfehlen. Gerade der Oogie Boogie, der schwarze Mann, ist ein richtiger Kinderschreck, der zudem auch noch zeitweise die sympathische Gruselpuppe Sally und den Weihnachtsmann quält.

Falls sich jetzt jemand fragt: „Verdammt, wo ist eigentlich „Boxtrolls“?“ muss ich leider sagen, dass das genau der eingangs erwähnte schlechte Film ist. Hier werden Skurilität und gewollt düstere Stimmung auf eine Art und Weise übertrieben, die tatsächlich lächerlich wirkt. Es war auch der einzige Film, den ich bei meinen Kindern jemals vor Schluss ausmachen musste, weil sie ihn grauenhaft fanden. Konnte ich absolut nachvollziehen. Unsympathische Figuren, lächerliche, teils ekelhafte Story. Nope, muss nicht sein.

Und zum Schluss noch ein Sondertipp außer der Reihe: Die Doku „Es lebe der Zentralfriedhof“, die sich auf typisch wienerische morbid-schöne Weise mit dem Leben und Sterben auf einem der größten und schönsten Friedhöfe der Welt auseinandersetzt. Wer oder was lebt auf so einem Friedhof, was passiert nachts und was geschieht eigentlich mit einem toten Meerschweinchen? Für Kinder ab 6 Jahren interessant.

Viel Spaß und ein schaurig-schönes Halloween (oder Tag der Toten)!

 

P: S. Und ich lade jeden ein, diese Liste zu ergänzen. Würde mich freuen!

Töten Pornos Zärtlichkeit? Fragen zur Sexualerziehung

Wenn ich Pornos gucke, fällt mir in den letzten Jahren vermehrt eines auf: Die totale Abwesenheit von Zärtlichkeit. Gibt es in den Pornos aus den 70ern, 80ern und 90ern, so doof diese teilweise sein mögen, noch Knutschereien zu sehen, Küsse und Streicheleinheiten, sind diese Elemente in Pornos mittlerweile fast völlig verschwunden und nur noch im „special interest“ Bereich zu finden.

Daher stelle ich mir mittlerweile sehr ernsthaft die Frage, ob Pornos eventuell die Zärtlichkeit in (Sex-)Beziehungen töten? Denn Sex ist in Pornos mittlerweile tatsächlich fast ausschließlich hart und direkt, es dominieren Handlungen, die noch vor 10 Jahren als „special interest“ gegolten haben, während gleichzeitig ebenjene Knutschereien und Streicheleinheiten mittlerweile zu „special interest“ abgesunken sind. Tatsächlich fällt mir auf, dass sogar in Gay Pornos, früher mal für „harten Sex“ bekannt, mehr Küsse zu sehen sind als in Mainstream-Hetero-Pornos.

Wenn also Jugendliche (und die gucken allen Studien zu Folge in ihrer großen Mehrheit Pornos) fast nur noch mit Hardcore-Streifen ohne jegliche zärtliche Elemente konfrontiert werden, wie sollen sie von selbst auf die Idee kommen, dass Sex das eben auch bedeuten bzw. beinhalten kann? Das Elternhaus nimmt in der Sexualerziehung nur noch eine untergeordnete Rolle ein.

Bis vor wenigen Jahren waren die „Bravo“ oder die „Bravo Girl“ und ähnliche Zeitschriften nicht unerheblich für die Sexualerziehung von Jugendlichen. Da wurde getauscht, gekichert, es war irgendwie ein bisschen peinlich. Eltern und noch mehr Großeltern fanden die Dinger höchst bedenklich. Aber trotzdem stand in diesen Zeitschriften eben auch eine Menge zu zärtlichem, respektvollem Umgang miteinander beim Sex. Internet-Pornos haben aber auch alle diese Magazine weitgehend abgelöst, die Bravo und Co kämpfen seit Jahren mit sinkenden Auflagenzahlen.

Wie und wo also findet Sexualerziehung in Richtung Zärtlichkeit und Respekt statt, wenn das im Internet kaum zu finden ist?

Klar kann ich meinen Kindern da einiges vermitteln, was generell respektvollen, liebevollen Umgang miteinander betrifft. Aber sie werden dann anschließend massiv mit ganz anderen Inhalten konfrontiert. Vermittelt das nicht die Idee, diese Art von,- superhartem – Sex wäre quasi der Normalfall und Zärtlichkeit in einer Beziehung eher die Ausnahme, wenn überhaupt?

Kinder/Jugendliche lernen ja aus Anschauung und Erfahrung. Nun kann man selbstredend die Kinder/Jugendlichen nicht dabei zusehen lassen. Wäre es daher vielleicht eine Möglichkeit für Eltern, ihren Jugendlichen einige ausgewählte Sexfilme zur Verfügung zu stellen (nicht, gemeinsam anzusehen, natürlich, das wäre übergriffig) und darüber zu sprechen. Da sie ja im Netz alle Arten von Pornos frei zu sehen bekommen und darunter auch absolut nicht geeignete (z. B. Gewaltpornos), ist das eine Frage, die und der man sich als Eltern vielleicht tatsächlich stellen muss.

Betreuungsgehalt

Das sogenannte  „Müttergehalt“ kommt von Zeit zu Zeit in die Diskussion. Zuletzt brachte Birgit Kelle die Idee ein, Müttern, die daheim bei ihren Kindern bleiben statt außerhäusig zu arbeiten, ein „Gehalt“ vergleichbar mit den staatlichen Kosten für einen KITA-Platz zu zahlen (zwischen 1000 und 2000 € monatlich). Diese Idee halte ich allerdings für äußerst unfair und durchaus auch kurzsichtig. Denn Elternpaare, bei denen beide Partner berufstätig sind, zahlen


a) deutlich mehr Steuern als Paare mit traditioneller Rollenteilung und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits zahlen beide Partner und nicht nur einer und andererseits steigt durch das höhere Einkommen auch der Steuersatz.

b) sind bei Paaren mit doppelter Berufstätigkeit beide krankenversichert, so dass die kostenlose Mitversicherung entfällt.

und c) zahlen beide Partner in die Rentenversicherung ein.

Insofern ist es für den Staat von Vorteil, Kita-Plätze zu finanzieren, wie Berechnungen der letzten Jahre immer wieder gezeigt haben. Es wäre also unfair, wenn Paare mit doppelter Berufstätigkeit einerseits dem Staat finanzielle Vorteile bringen und andererseits ein solches „Gehalt“ dann ausschließlich an Mütter (warum eigentlich immer nur Mütter?), die sich für das Modell Hausfrau entschieden haben, ausbezahlt würde.


Während ich also der Überzeugung bin, dass ein solches „Müttergehalt“ nicht umsetzbar wäre, bin ich gleichzeitig der Überzeugung, dass die Betreuung von Kindern (und alten oder kranken Menschen) selbstverständlich gesellschaftlich wertvolle Arbeit ist, die auch honoriert werden sollte. Aber nicht durch den Staat, der davon keine Vorteile hat, sondern, eigentlich klarerweise, durch den berufstätigen Partner (egal ob männlich oder weiblich), der diese Arbeit dann eben nicht oder zumindest nicht in großem Umfang erbringen muss.

Für eine Ehe oder feste Beziehung ist das eigentlich recht einfach umsetzbar und Deutschland müsste sich nur an dem Vorbild zahlreicher EU-Staaten, darunter Österreich, orientieren, und gesetzlich festlegen, wieviel Prozent des Haushaltseinkommens den jeweiligen Partnern zusteht.

Dies ist derzeit in Deutschland noch weitgehend ungeregelt, die Hausfrau oder der Hausmann hat lediglich Anspruch auf Wirtschaftsgeld in unbestimmter Höhe sowie auf ein Taschengeld von 5 bis 7 % des Nettoeinkommens.


Ich schlage für eine solche Regelung den Begriff „Betreuungsgehalt“ vor.


Wesentlich wichtiger allerdings ist eine solche Regelung noch für eine Zeit nach der Ehe bzw. generell für den Fall, dass ein Elternteil primär die Betreuung gemeinsamer Kinder übernimmt, auch wenn keine Beziehung mehr zwischen den Elternteilen besteht.


Das neue Unterhaltsrecht ist seit 8 Jahren in Kraft und in dieser Hinsicht ebenfalls hochgradig unfair. Denn im Regelfall ist es so, dass, sobald das Kind älter als 3 Jahre alt ist, vorausgesetzt wird, dass auch der betreuende Elternteil Vollzeit arbeitet. Das bedeutet also im Klartext, dass ein Elternteil die Betreuungsarbeit übernimmt oder zumindest den Großteil davon, gleichzeitig aber verpflichtet wird, Vollzeit zu arbeiten, also exakt dieselben Bedingungen erfüllen soll, wie das Elternteil, das die Betreuungsarbeit nicht oder nur zu kleineren Teilen übernimmt. Die Betreuungsarbeit gilt in diesem Modell als „selbstverständlich“ und offenbar völlig vernachlässigbar. Und das, obwohl es für Alleinerziehende wesentlich schwerer ist, eine Vollzeittätigkeit auszuführen, weil man z. B. gleichzeitig das Kind in die Betreuungseinrichtung bringen muss und auch wieder abholen.


Es wäre also speziell für solche Fälle noch wichtiger, ein Betreuungsgehalt einzuführen. Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass Betreuung von Kindern auch eine Leistung ist und zudem dazu führt, dass der betreuende Elternteil niemals dieselbe Arbeitsleistung erbringen kann wie der Elternteil, der nicht oder weniger betreut.

Zu verlangen, dass die Betreuung von Kindern quasi nebenher und völlig selbstverständlich laufen soll, ist, ich wiederhole mich, hochgradig unfair.


Nun werden, und damit beschließe ich diesen Text, viele Maskulisten an dieser Stelle argumentieren: „Aber er zahlt doch alles. Da kann der (bzw. die) eine sich doch neben der Vollzeittätigkeit ums Kind kümmern oder muss gar nicht Vollzeit arbeiten, wenn der andere doch alles zahlt!“.

Das allerdings verkennt völlig, wieviel ein Kind wirklich kostet. Wesentlich mehr nämlich, als die Düsseldorfer Tabelle so meint.


Ein kleines Beispiel: Ein ehemaliges Ehepaar hat ein 8-jähriges Kind, das 80 % der Zeit beim Vater lebt. Die Mutter des Kindes hat ein Nettoeinkommen von 3.000 € monatlich, der Vater des Kindes aufgrund längerer Familienauszeit ein Nettoeinkommen von 2.100 €. Der Vater hat eine 2,5-Zimmer Wohnung für 1200 € warm (ohnehin für eine Großstadt eher günstig). Alleine würde ihm eine 1-Raum Wohnung für 700 € reichen. Er zahlt also 500 € mehr an Miete. Da er ganztags arbeitet, braucht er auch eine solche Betreuung und zwar bis 18.00 (wobei er sich noch sehr hetzen muss, um pünktlich da zu sein, viele Einrichtungen schließen sogar bereits um 17.00 Uhr). Mit Mittagessen betragen die Kosten für den Hort 230 €. Damit wären wir bereits bei 730 € an Mehrkosten für das Kind. Die Schule verlangt im Monat 15 € Materialkosten, dazu kommen noch weitere Materialkosten von 5 € (Schulranzen, Federmäppchen, Schere etc. hochgerechnet auf die Schulzeit, außerdem Hefte, Bleistifte, Buntstifte, Radiergummi …), dazu Essen, Kleidung und Freizeit für das Kind von 250 € (das Kind besucht einen Sportverein und möchte wahrscheinlich auch ein bisschen mit Freunden mithalten können, zudem kostet die nötige Ferienfreizeit). 250 € ist recht tief gegriffen, realistischer wären wahrscheinlich 300 €.

Da wären wir also bei 1000 € Kosten für das Kind. Der Vater erhält von der Mutter aber lediglich 366 € (461 € minus halbes Kindergeld). Das Einkommen für ihn + Kind beträgt also monatlich 2.656 € (2.100 € Einkommen + 366 € Kindsunterhalt + 190 € Kindergeld).

Das, obwohl sich der Vater in unserem Beispiel meist um das Kind kümmert, Hausaufgaben betreut, kocht, wäscht, auf Elternabende und in Sprechstunden geht, das Kind pflegt, wenn es krank ist, es zum Sportverein fährt, zum Kinderarzt fährt, sowie zum Logopäden und daneben 8 h täglich arbeitet und folglich keine Freizeit mehr hat.

Zudem kann er niemals im selben Umfang beruflich aufsteigen wie die Mutter, da er wegen Schließzeiten der Betreuungseinrichtung keine Überstunden leisten kann und bei Kranktagen des Kindes zu Hause bleibt, sowie einen Großteil der Ferien abdecken muss.


Wer also so wie oben argumentiert, müsste dann dafür plädieren, die Beiträge nach der Düsseldorfer Tabelle so eklatant heraufzusetzen, dass sie sich an den tatsächlichen Kosten für das Kind orientieren. Das aber ist wesentlich schwerer umzurechnen (und unfairer) als ein Betreuungsgehalt für denjenigen, der den Großteil der Betreuung tatsächlich übernimmt.

Zum Abschluss noch ein sehr eindrücklicher Artikel aus Die Zeit zur Situation Alleinerziehender.