Im Dialog bleiben

Immer wieder liest man in letzter Zeit, dass man mit „denen“ sowieso nicht reden könne und, noch wichtiger, es auch nicht solle. Gemeint sind damit üblicherweise Anhänger von AfD und Pegida oder auch FPÖ, gerne aber auch Menschen, die aus irgendwelchen Gründen im Verdacht stehen mit der AfD oder der FPÖ zu tun zu haben.

Ich persönlich halte das für, vorsichtig ausgedrückt, die falscheste Strategie auf Erden. Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass es ein fast todsicherer Weg ist, Rechtspopulisten stark zu machen.

Denn, ganz ehrlich, viele Menschen, die es in Betracht ziehen, die AfD oder die FPÖ zu wählen, sind nicht irgendwie stramm rechts eingestellt oder identifizieren sich tatsächlich mit weiten Teilen des Parteiprogramms rechtspopulistischer Parteien. Ein guter Anteil von ihnen hat Angst oder tatsächlich Sorgen (ja!), und dazu den Eindruck, in dieser Angst nicht ernstgenommen zu werden. – Eine fatale Mischung.

Denn wenn Angst und Sorgen von den Volksparteien nicht ernstgenommen, von rechtspopulisten Parteien aber aufgegriffen werden, dann wird genau das dazu führen, dass rechtspopulistische Parteien erstarken. Weil der Eindruck entsteht: Nur die nehmen uns ernst!

Es ginge aber darum, Ängste zu zerstreuen und, wo sie berechtigt sind, nach Lösungen zu suchen.

Wenn Menschen befürchten, dass unter Flüchtlingen vermehrt frauenfeindliche, homophobe und antisemitische Einstellungen vertreten sind, dann sollte man das ernstnehmen und nach Lösungen suchen, statt abzublocken und diejenigen, oft sogar mehr links denn rechts eingestellen Personen, vom gesellschaftlichen Dialog auszuschließen. Das erst treibt sie in die Arme von Rechtspopulisten.

Im Dialog bleiben sehe ich als wirksamstes und quasi einziges Mittel, den Einzug der Rechtspoulisten zu stoppen.

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7 Gedanken zu “Im Dialog bleiben

  1. Stimme dem voll und ganz zu. Im großen und ganzen hat das gleiche Verhalten mit dazubeigetragen, dass Trump gewonnen hat. Es scheint gerade sehr „progressiv“ zu sein Menschen zu dämonisieren die einen anderen Blickwinkel haben. Vor einer ganzen Weile habe ich einen Beitrag gelesen, der sogar Werbung dafür gemacht hat die „Nazikeule noch mehr zu schwingen“ in dem glauben so würden mehr Leute erkennen womit sie sich einlassen. Was für mich absolut nicht nachvollziehbar war. Jemand der zu unrecht Nazi genannt wird kommt nicht zu der Erkenntnis etwas falsch gemacht zu haben, sondern lernt nur wie voreilig dieser Begriff verwendet wird. Was am Ende tatsächliche Nazis besser dastehen lässt, weil es den Eindruck erweckt diese würden vielleicht auch zu unrecht so dargestellt.

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    1. Tatsächlich kommt es ja vor, dass Menschen Ansichten vertreten, die aus dem Nationalsozialismus stammen (z. B. fällt mir das bei einem guten Teil der Verschwörungstheoretiker auf, die tatsächlich oft die Theorie vom „Weltzionismus“ o. ä. vertreten). Dennoch halte ich es auch hier für falsch, das Ganze mit einem „Pffffff, Nazi“ abzutun, statt aufzuzeigen, dass die Verschwörungstheorie eben das ist – eine abstruse Theorie. Die Hardliner wird man vermutlich tatsächlich nicht erreichen. Wohl aber diejenigen, die sympathisieren, weil sie so ein schwieriges Thema recht einfach und oberflächlich schlüssig erklärt bekommen. Mit der Einschränkung, dass es m. Erfahrung nach tatsächlich nichts bringt, direkt in den entsprechenden Foren zu schreiben, da wird sich gegenseitig zu sehr bestärkt und auf die „Schlafschafe“ geschimpft. Interessanterweise läuft das ja dort recht ähnlich: Jemand bringt ein Argument, das meiner Weltsicht widerspricht? Pffff, Schlafschaf! Hat einfach keine Ahnung.

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      1. Je nach Situation ist das mit dem Überzeugen tatsächlich schwierig, aber denke der Dialog ist nicht nur deswegen wichtig. Wenn der Dialog völlig abgebrochen wird, dann geht das oft mit der Überzeugung einher, dass die Worte der entsprechenden Personen keinen Wert mehr haben (zumindest ist so mein Eindruck). Was wenn es nicht direkt eine Entmenschlichung herbeiführt, diese zumindest deutlich fördert. Das soll nicht bedeutet, dass man nun alles ertragen muss. Zur Zeit sieht es für mich aber eher so aus, als ob viele jeder Widerspruch schon an ihre Toleranzgrenzen bringt oder darüberhinaus.

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