„Ich bin bi – hihi“ – Warum ich verstehen kann, dass uns lesbische Frauen oft nicht leiden können

Ich sag es gleich zu Anfang: Der Artikel wird bitterböse und stellenweise gemein. Mea Culpa.

Aber beginnen wir ganz von vorn: Kürzlich hat sich eine gute Bekannte vor mir geoutet. Für mich war die Frage, wen sie liebt, selbstverständlich kein großes Thema (zumal es mir ohnehin schon länger klar gewesen war). Es stellte sich aber heraus, dass sie große Angst gehabt hatte, mir von ihrer Freundin zu erzählen, da ich religiös bin und religiöse Menschen oft schon negativ reagiert hatten. Konnte ich verstehen. Sie war dann sehr erleichtert, dass ich positiv reagiert habe.

Und ich überlegte kurz, ob jetzt vielleicht der Zeitpunkt gekommen wäre, mich ebenfalls zu outen. Soldidarisch. Um ihr zu vermitteln, dass sie von mir nichts zu befürchten hat. Ich hab’s dann gelassen. Grund: Das grottenschlechte Image von bisexuellen Frauen bei lesbischen Frauen.

So wie sie Angst hatte, dass ich sie gleich mit Weihwasser besprenkle und „Weiche von mir, Satan“ schreie (nein, nicht wirklich, aber ihr wisst, was ich meine), hatte ich Angst, dass sie stante pede einen halben Meter zurückspringt und sich nie wieder meldet, weil sie befürchtet, dass ich ihr einen Dreier aufdrängen will.

Denn das Problem sind … sie. Also die Dreier-Bis.

Dreier-Bis sind Frauen, die noch nie eine Beziehung mit einer Frau hatten, noch nie in eine verliebt waren und das auch gar nicht wollen („Irgendwie stand ich schonmal bissel auf meine BF, so rein optisch – hihihi“). Sie haben ausschließlich Beziehungen mit Männern. Warum sie sich trotzdem bi nennen (aber bloß nicht zuviel!)? Weil sie Dreier „irgendwie schick“ finden. Ab und an rennen sie dann noch auf ebenso todschicke „Bi-Partys“. Wer sich nun fragt, was genau das sein soll, der lese gerne hier nach. Jup. Der fleischgewordene Hetero-Mainstream-Porno-Traum. Lauter geile wilde Weiber, natürlich allesamt ganz wunderherrlich und eigentlich doch hetero und in festen Beziehungen mit Männern und so, aber schon auch irgendwie bi, nur so im sexuellen Sinne und nur so bisschen, bloß nicht zuviel, versteht sich, und alle mit mindestens C-Körbchen und so, die gemeinsam mal die Sau rauslassen – mit Vibrator und Strapsen etc. (wird das eigentlich gleich live ins Netz übertragen?).Der geneigte Leser fragt sich, ob da irgendeine(r) deutlich zuviel Beate Uhse Pornos gesehen hat. Aber lassen wir das.

Dreier-Bis flöten Sätze wie „Ich will mal meine lesbische Seite entdecken“. Ihre Motivation bewegt sich irgendwo zwischen „Mein Freund findets geil“ und „Mein Mann wird eifersüchtig, wenn ich mit nem Kerl fremdgehe, aber bei einer Frau steht er drauf („Darf er mal zugucken?“)“.

Dreier-Bis sind sich nicht zu blöd, lesbische Frauen nach einem Dreier zu fragen oder zumindest nach besagtem“Zugucken“ („Das wär ja dann schon eher mit mir, er hält sich dann mehr im Hintergrund“).

Dreier-Bis denken, bi zu sein, besteht hauptsächlich darin, es unbedingt mit einem Mann und einer Frau gleichzeitig treiben zu wollen. In ihrer Vorstellungswelt gibt es gar keine Bisexuellen, die nicht auf Dreier stehen („Aber dann bist Du doch nicht bi!“).

Sie sagen verständnisvolle (*hust*) Sätze wie „Wenn ich sie (also Frauen, Anm. der Redaktion^^) anspreche, haben viele das Gefühl, nur für einen Dreier benutzt zu werden. Natürlich wünsche ich mir Dreier, aber alle sollen daran Spaß haben.“ (Quelle)

Bis vor kurzem fanden die meisten Dreier-Bis Lesbensex noch „irgendwie eklig“, aber seit sie regelmäßiger Pornos gucken, haben sie verstanden, dass das grad in sein muss.

Einer persönlichen Feldstudie zufolge sind Dreier-Bis nahezu deckungsgleich mit der Gruppe Frauen, die noch vor ein paar Jahren bei Second Hand laustark „Igitt“ brüllten, es aber total cool finden, seit „Vintage“ draufsteht. Vermutlich würden sie sich auch eine grünkarierte Tennissocke auf den Kopf setzen, wenn’s angesagt wäre.

Mit anderen Worten: Dreier-Bis sind unglaublich nervig. Und unglaublich laut. Und unglaublich lästig. Und der Grund dafür, warum viele Bis sich Homosexuellen gegenüber gar nicht mehr outen wollen. Wer will schon ernsthaft mit denen (also den Dreier-Bis) verwechselt werden?

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Was wollen Grapscher?

Obige Frage treibt mich tatsächlich bereits einige Zeit um.

Denn tatsächlich ist es ja so, dass Grapschen in den aller-, allermeisten Fällen nicht dazu führt, dass sich die begrapschte Person danach sexuell für den Grapscher interessiert. Vielmehr ist es üblicherweise so, dass der Grapscher als unangenehmer, widerwärtiger Mensch wahrgenommen wird. Heißt: Grapschen reduziert die Chance auf (sexuellen) Kontakt mit der Person enorm. Und das ist doch auch den meisten Menschen mit einem IQ über 60 völlig klar.

Warum genau also tun Menschen das?

Tatsächlich fällt mir, wenn die Erklärung „Anmachen“ aus o. g. Gründen wegfällt, nur noch die Erklärung „Demonstrieren von Macht“ ein. Also, dass man dem Menschen zeigt „Schau, was ich mit dir machen kann. Und ich könnte noch viel mehr …“.

Studien zum Thema habe ich leider keine gefunden.

Freundschaft in Zeiten von facebook und Co.

Heute ist ein sehr interessanter, nachdenkenswerter Artikel in Der Zeit erschienen. Dabei geht es darum, wie Freundschaft sich wandelt und zwar von einem „füreinander Einstehen“ und „sich gegenseitig Helfen“ hin zu einem „Hey, lasst uns miteinander unverbindlich Spaß haben“.


Das Beschriebene entspricht, v. a. je älter ich werde, genau meinen Erfahrungen. Früher mit einem recht großen Freundschaftskreis gesegnet, habe ich diesen in den letzten beiden Jahren absichtlich deutlich reduziert. Weil ich gemerkt habe, wie wenig Sinn  „Freundschaften“ machen, in denen man zwar gemeinsam ins Kino geht oder essen, aber auf die man sich nicht verlassen kann, noch nicht einmal Probleme besprechen kann. Und ins Kino gehen oder Essen kann ich genauso gut auch mit meinem Mann oder den „echten Freunden“, so viel Zeit hat man dann ja auch nicht mehr.


Ausschlaggebend für diese Einstellungsänderung war die schwere Krankheit einer guten Freundin. Wer die „echten Freunde“ waren, sah man plötzlich recht schnell. Obwohl auf ihren Geburtstagen oft genug bis zu 100 Personen waren, waren es noch genau 3, die sich dann um sie kümmerten. Und die Familie. Die ist nämlich gar nicht so ein Auslaufmodell, wie viele denken.

Denn kommt es hart auf hart, ist es meist immer noch die Familie, auf die man sich verlassen kann.

Wer kümmert sich ums Kind? Und was, wenn Muttern ausfällt?

Vor einigen Tagen las ich zwei wunderbare Artikel von „Das Nuf“. Eine Parodie zum aktuellen Spiegelthema („Sind Väter die besseren Mütter?“) sowie zu „Maternal Gatekeeping“.
Und das brachte mich ins Grübeln. Denn vor ein paar Tagen war ich völlig heiser, keine Stimme mehr. Mein bester Ehemann von allen sollte einen Arzttermin für eins unserer Kinder vereinbaren. Am Telefon stellte sich heraus: Er konnte es nicht. Ich musste mich neben ihm stellen und „Ja“, „Nein“, „keine Ferien mehr“ oder „ist bei ihm kein Problem“, auf ein Zettelchen schreiben. So dass eigentlich ich den Termin vereinbarte und er mir nur seine Stimme lieh.


Denn:
Er kennt weder den Stundenplan noch weiß er um die Ferienzeiten, noch um die Nachmittagstermine, obwohl all dies auf unserer Pinnwand zu finden ist. Auch kennt er offenbar, ich war selbst erstaunt, die Eigenarten der Kinder beim Arztbesuch gar nicht.

All dies hätte ich, hätte mich zuvor jemand danach gefragt, weit von uns gewiesen. Dennoch ist es so.


Dann dachte ich an meinen Krankenhausaufenthalt von 3 Tagen letztes Jahr.

3 Tage die kaum zu organisieren gewesen waren, in den Tagen davor jonglierte ich mühsam mit Großeltern, Freundinnen und Babysittern. 3 Tage!
Länger als ein paar Stunden allein mit dem Papa war nur eins der Kinder und auch da stand ein Krankenhausaufenthalt im Hintergrund (Papa mit Kind im Krankenhaus, weil kleines Still-Baby daheim). Während auf der anderen Seite alle Kinder bereits wochenlang alleine mit mir waren.


Und das wiederum führte mich zu der durchaus erschreckenden Erkenntnis, dass ich es mir schlicht nicht leisten könnte, umzukippen und für, sagen wir mal, zwei Wochen auszufallen.


Wie konnte es so weit kommen? Das wiederum Erschreckende ist: Ich kann es nicht mal sagen.

Mein Mann hat sich immer freiwillig viel in Kinderbetreuung und Haushalt engagiert. Ich war nie eine Gatekeeping-Mutter (obwohl ich das Wort schrecklich finde), und das Einzige von dem ich überzeugt war, es besser zu können als er, war das Stillen.
Es muss sich irgendwie über die Jahre eingeschlichen haben, ohne dass wir beide das irgendwie aktiv forciert oder gemerkt hätten. Und jetzt ist es schwer wieder zu ändern.


Vermutlich stehen solche eher unbewussten Prozesse bei traditioneller Rollenverteilung immer im Hintergrund. Man kennt es so schon von den Eltern. Das wurde immer schon so gemacht. Elternzeit wegen Stillen nimmt Sie. Das Kind hat sich mehr an die Mutter gewöhnt. Und irgendwann hat man ein traditionelles Rollenmodell, das man so nie wollte.

„Bisexuelle Männer? Oh Gott, wie ekelhaft!“

Hier also der versprochene zweite Teil zum Thema Bisexualität (Pansexualität) und zwar diesmal zu bisexuellen Männern.


Ich gebe offen zu, ich kenne nur zwei Männer persönlich, die sich dazu bekennen – und das, aus gutem Grund, auch nur gegenüber halbwegs vertrauten Personen. Dafür aber höre ich jede Menge Vorurteile und v. a. fast durchwegs negative Werturteile. Fazit: Männer haben bei dem Thema „die Arschkarte“ gezogen (Und nein, das ist kein doofes Wortspiel ^^).


Während Frauen mit dem ebenfalls dümmlichen und nervigen Vorurteil „Geilo, bisexuelle Frau, macht es mit jedem“ konfrontiert werden, ist es bei Männern ein „Igitt, wie eklig“. Oder schlimmer noch „pervers und unnormal“. Fast durchgehend. Selbst heterosexuelle Frauen können meiner Erfahrung nach eher was mit der Vorstellung von Sex zwischen zwei Frauen anfangen, als sich vorzustellen, ihr Partner habe irgendwann auch mal was mit einem Mann gehabt. So komisch es klingt, aber das Vorurteil weiblichen Bisexuellen gegenüber bietet, bei allen negativen Begleiterscheinungen, fast so etwas wie eine Art „Schutz“ gegen allzu harsche gesellschaftliche Stigmatisierungen. Nicht so bei Männern.


Erinnert sich noch jemand an den zugebenermaßen grottenschlechten Film „Body of evidence“ mit Madonna? Da gibt es eine Gerichtszene, in der Madonna alias Rebecca unter Tränen erklärt, sie habe ihren älteren Liebhaber beim Sex erwischt. Und zwar, erschwerend, „mit einem Mann“. Es wird als völlig selbstverständlich vorausgesetzt, dass es sich dabei um eine ganz besondere Demütigung handelt, wesentlich schlimmer noch, als sozusagen „normaler“ Betrug mit einer Frau. Warum eigentlich? Warum sollte Betrug mit einem Mann in irgendeiner Art und Weise schwerer wiegen als Betrug mit einer Frau? Ich fürchte, die Antwort ist die altbekannte „weil es eklig, pervers und unnormal ist“.


Oder die Folge in Ally McBeal, in der sich die Protagonistin in einen bisexuellen Richter verliebt und auf sein „Geständnis“ hin die Affäre (zumindest erstmal) beendet. Eine Szene, die ebenso gnadenlos wie ehrlich ist.


Nun wird vielleicht der ein oder andere einwenden „Schön und gut, das sind eben genau die Vorurteile, mit denen homosexuelle Männer tagtäglich zu kämpfen haben“. Und er (oder sie) hätte natürlich irgendwie Recht. Aber nicht ganz. Denn homosexuelle Männer haben immerhin noch etwas Rückhalt in ihrer Szene und sie müssen sich nicht damit auseinandersetzen, ihre Beziehung(en) zu Männern irgendwann auch einer Partnerin erklären zu müssen und auch andersrum. Bisexuelle Männer aber stehen weitgehend ungeschützt und als völlige Einzelkämpfer irgendwo zwischen den Stühlen.


Zum Schluss hätte ich noch eine Frage an schwule Männer: Bei lesbischen Frauen fällt mir schon lange auf, dass (teilweise zu Recht, siehe mein letzter Beitrag) bisexuelle Frauen einen negativen Ruf haben, teils in Kontaktanzeigen sogar dezidiert ausgeschlossen werden. Wie ist das in der schwulen Szene? Vielleicht mag der ein oder andere hier in den Kommentaren was dazu posten. Ich habe nämlich den Eindruck, im „face to face“-Gespräch sind die Antworten dazu etwas „politisch korrekt“ und ausweichend.

Bisexuelle? Sind das nicht die, die alles vögeln?

Okay, das hier wird ein sehr persönlicher Artikel, weil es ein Thema ist, mit dem ich selbst lange gerungen und gehadert habe.


Bisexuelle*, also. Das Thema hat, gemessen an Themen zu Hetero- und Homosexualität, anscheinend wenig gesellschaftliche Relevanz. Bisexualität wird selten thematisiert, selten erforscht und selten beschrieben.
Und wenn doch, dann auf denkbar klischeehafte Art und Weise. In Filmen, selbst wenn es so gute sind wie „better than chocolate“, sind Bisexuelle meist sexuell extrem freizügige Menschen, die irgendwie „alles“ nehmen. In Pornos sind sowieso alle Frauen bi, die Männer allerdings nie (zumindest kenne ich keinen einzigen Fall).


Entsprechend fallen die Reaktionen aus: Bei heterosexuellen Männern oft ein anzügliches Grinsen und „Cool, ich wollte schon immer mal nen Dreier“, bei heterosexuellen Frauen oft ein ängstliches Gesicht der Sorte „Sie will mich doch jetzt hoffentlich nicht anmachen“, bei homosexuellen Männern oft ein freundlich gemeinter Spruch der Sorte „Ach, Du wirst dich schon noch finden“, bei homosexuellen Frauen oft ein genervtes „Nichts gegen dich, aber bi geht einfach gar nicht“. Bei konservativen Personen meist ein „Igitt“.


All das trifft es nicht. Weder sind Bisexuelle allzeit bereit oder nehmen alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, noch sind sie prinzipiell auf der Suche nach ihrer „wahren Identität“, wie es von schwulen Männern wohl teils vermutet wird (so zumindest meine Erfahrung). Die lesbische Reaktion verstehe ich teilweise, weil es einfach nervt, von echten oder pseudo bisexuellen Frauen angemacht zu werden, der Art „Mit ner Frau ist ein Seitensprung okay, sagt mein Mann“ oder „Darf mein Freund dann auch mal zugucken?“. Solchen „Bisexuellen“ könnte ich, ganz pragmatisch, manchmal echt eine reinhauen, weil sie offenbar 0 Feingefühl haben und massiv dazu beitragen, dass unser Image derart schlecht ist.


Nun werden mich Leser mit Sicherheit auf Studien aufmerksam machen, die für bisexuelle Menschen eine höhere Anzahl an Sexualpartnern ausgemacht haben, als für heterosexuelle. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung gegenhalten, aber ich verwette meinen linken Fuß darauf, dass diese Zahlen wesentlich dadurch bedingt sind, dass Personen, die selbst eher konservativ sind oder in einem solchen Umfeld wohnen, sich in solchen Umfragen nicht als Bisexuelle „outen“.


Ich kenne das von mir selbst. Aufgewachsen in konservativ-katholischem Umfeld, wusste ich eigentlich irgendwie schon immer, dass ich nicht auf ein Geschlecht festgelegt bin. In ganz jungen Teenie-Jahren war das kein so großes Problem, weil der Umgang mit dem eigenen Geschlecht da noch bei sehr vielen ein bisschen in die Richtung „ich bin fast verknallt in meine BF“ ging. Trotzdem habe ich, wie die anderen Mädchen, „richtig“ nur über Jungs gesprochen, bin zurückgeschreckt, als mich mal ein anderes Mädchen in meinem Alter offen angemacht hat (gut, sie war auch nicht mein Typ). Danach, das war so von 16 bis 22, habe ich mir eingeredet, ich hätte sowas wie „ne Phase“. Ich verliebte mich, wie es in dem Alter eben so ist, öfter mal, in Frauen wie Männer. Und während meine Kommilitoninnen reihenweise für irgendwelche Proffs schwärmten (ja, ehrlich), verliebte ich mich als junge Studentin sehr ernsthaft in eine Professorin** (Himmel, irgendwie puchert es noch heute, wenn ich was von ihr lese). Ich habe damals dann ziemlich viel mit schwulen Männern zum Thema geredet und eigentlich alle bestärkten mich darin, dass ich mich halt „noch finden“ müsse. Irgendwie kam niemand auf die Idee, dass das „so bleibt“. Ist es aber.


Als klar wurde, dass das mit meinem jetzigen Man ne ernste Sache ist, hab ich das Thema innerlich für mich erst mal abgeschrieben. Ich war ja jetzt „hetero“ – zumindest in der Wahrnehmung meiner Umwelt. Ein durchaus angenehmer Zustand. So „normal“ eben. Aber dann kam die „Homo-Ehe“ und in Diskussionen darüber die andauernde provozierende Frage „Könntest du dir denn ernsthaft vorstellen, mit einer Frau zusammen zu leben?“. Habe ich erst nur ausweichend geantwortet, ist meine Antwort mittlerweile ein klares „Ja!“. Das verschreckt viele, v. a. christlich orientierte Personen und das ist ein Scheiß-Gefühl, wenn man es sich in seinem „Hetero-Leben“ schon so schön kuschelig eingerichtet hatte.


V. a. weil keins der Klischees, die dann regelmäßig auf mich einprasseln, auf mich jemals getroffen hat. Ich kann nur mit Menschen ins Bett, die ich liebe. Ich führe ausschließlich längere Beziehungen. Das soll jetzt ausdrücklich KEIN Abwerten promiskuitiver Lebensweisen sein, auf gar keinen Fall. Aber ich bin bi. Und auf mich, wie auf viele andere, trifft das Klischee nicht. Es schränkt mich vielmehr ein. So einfach eben. Und ich bin todfroh um Frauen wie Cara Delevigne, die zeigen, dass wir einfach ganz normale Menschen sind, mit völlig unterschiedlichen Lebensweisen. Nur bi eben. So what?


So, der Artikel ist doch recht lang geworden, und das an einem Mittwoch. Eigentlich wollte ich hier noch was über bisexuelle Männer schreiben, das bekommt ihr dann aber am Sonntag zu lesen.


*In letzter Zeit wird immer häufiger das Wort „pansexuell“ verwendet, um zu zeigen, dass man eben nicht zwangsläufig nur auf männliche oder weibliche Personen steht, sondern auch z. B. auf intersexuelle Personen. Ich gebe zu, der Ausdruck ist mir noch fremd und dabei bleibe ich schlicht beim „alten“.

** Für unsere Klatschherren vom antifeministischen Kaffeekränzchen sei hier noch gesagt „Nein, es war nicht Frau Allmendinger.“ Ich habe tatsächlich nicht nur ein Fach studiert ^^.