Lillifee und das rosa Mathemonster

Auf Spiegel wird Sybille Bergs aktuelle Kolumne zum Thema Mädchen, MINT-Fächer, rosa Prinzessinen und Einhörner ja gerade heiß diskutiert.

Ich bin ja jemand, der die Ansicht vertritt, das Kind weitgehend (aber auch nicht nur) selbst entscheiden zu lassen, was es tragen will oder mit was es spielen mag. Andererseits stößt diese Einstellung schon manchmal sehr an ihre Grenzen, wenn eindeutig nur noch Freunde bzw. Freundinnen imitiert werden und das ganze nichts „Eigenes“ mehr hat. Meist beginnt diese starke Beeinflussung durch die Peer Group im zweiten Kindergartenjahr, also so mit 4. Und, ich gebe es zu, ich finde das überhaupt nicht einfach.

So habe ich prinzipiell – bei beiden Geschlechtern – wenig gegen Rosa, Glitzer und Einhörner. Schlimm finde ich es allerdings, wenn es völlig überhand nimmt und einseitig klischeemäßig wird. Es erklärte z. B. meine Kleine nach mehreren Folgen Lillifee im Brustton der Überzeugung „Wenn ich mal groß bin, will ich Prinzessin, Fee und Ballerina werden, oder wenigstens eins von den Dreien“. Da musste ich schon schlucken. Sehr zukunftsträchtige Berufe, das ^^.

Oder dasselbe Kind verweigerte im Winter jedwede Hose, weil ihre Freundinnen angeblich nur Kleider tragen würden. Interessanterweise sah sie dabei nur das Vorbild der beiden Freundinnen, die sehr klischeemäßig auftraten und nicht das Vorbild der beiden Freundinnen, die durchaus auch Hosen und Fußballshirts trugen. Sie hatte dann eine handfeste Erkältung, trotz dicker Strumpfhose und ich hätte mich in den Allerwertesten beißen können, weil ich dem Unsinn nachgegeben habe.

Als sehr problematisch erachte ich übrigens eigentlich nicht das Glitzer, das Rosa und die Pferdchen, sondern die Tatsache, dass viele Eltern nicht einmal versuchen, ihre Mädchen für MINT-Fächer zu interessieren (warum sollten sich Mathe und Glitzer denn eigentlich widersprechen?) und viele Serien und Bücher für Mädchen genau das unterstützen. Nach dem Motto „interessiert sie ja eh nicht, ist ja ein Mädchen“. Das ist dann, als würden Eltern ihr Kind von klein auf vor die Glotze packen, es nie an die frische Luft lassen, ihm den ganzen Tag Fastfood zu futtern geben und sich hinterher darüber wundern, warum um alles in der Welt das Kind so dick ist und unsportlich noch dazu und außerdem kein Gemüse mag.

Wie wäre es mal mit „Lillifee und das rosa Mathemonster“? Das dürfen dann gerne auch Jungs lesen ;-).

 

Mehr zum Thema: „Stinkt rosa?“

 

 

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53 Gedanken zu “Lillifee und das rosa Mathemonster

  1. Es widerspricht sich nicht, Glitzrig und trotzdem starkes toughes Mädchen zu sein, genausowenig wie bei einem Jungen auch mal Glitzer und Glanz sein kann, ohne das er seine Jungenhaftigkeit nicht ausleben kann. Mein Grosser ging mit 4 Jahren völlig überzeugt eine Woche lang mit Rock und Strumpfhose in den Kindergarten, weil er das schick fand. Und er hatte ein Erzieherin,die mitspielte, falls er ausgelacht würde. Er wurde nicht ausgelacht, denn er hatte genug Selbstbewusstsein. Es liegt immer daran, was Eltern vorleben und wie sie auch mit glanz und rosa glitzer umgehen und auch Alternativen aufzeigen. Interessante Diskussionauf alle Fälle. Liebe Grüsse Kat.

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    1. Nein, es widerspricht sich nicht. Aber wenn es eben dazu kommt, dass ein bestimmtes Feld (nämlich MINT-Fächer) völlig brachliegt, dann ist das schade. Man nimmt dem Kind bei so einer einseitigen Erziehung einen Teil Zukunftsperspektiven. Wobei das sogar weniger am Rosa liegt als an dem „Paket“, das dazu geliefert wird. Wie gesagt, warum nicht mal „Lillifee und das rosa Mathemonster“ :-)? Das dürfen dann gern auch Jungs lesen (wie übrigens alles andere auch).

      Ich hatte übrigens schonmal einen Artikel zum Thema rosa.

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  2. Natürlich widerspricht sich Mathe und Glitzer nicht.

    Der Fehler liegt darin, dass der Mensch eben nicht beliebig formbar ist und Frauen/Mädchen im Schnitt Mathe noch uninteressanter finden als die meisten Jungs.

    http://www.human.cornell.edu/hd/loader.cfm?csModule=security/getfile&PageID=55945

    Despite impressive employment gains in many fields of science, women remain underrepresented in fields requiring intensive use of mathematics. Here we discuss three potential explanations for women’s underrepresentation: (a) male–female mathematical and spatial ability gaps, (b) sex discrimination, and (c) sex differences in career preferences and lifestyle choices. Synthesizing findings from psychology, endocrinology, sociology, economics, and education leads to the conclusion that, among a combination of interrelated factors, preferences and choices—both freely made and constrained—are the most significant cause of women’s underrepresentation.

    Der Stereotyp-Thread ist gerade in der wissenschaft allgemein stark angeschlagen, weil die Studien nicht replizierbar sind.

    Dazu auch:

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    1. In deinem Link steht eindeutig, dass soziale Komponenten ebenfalls eine Rolle spielen. Insofern wäre es durchaus möglich, einen bestimmten Prozentsatz von Mädchen für MINT-Fächer zu interessieren. Nur gibt es kaum Anstrengungen in die Richtung, wenn man sich einredet, „ist sowieso alles genetisch, da kann man nichts machen“.

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      1. es gibt jede Menge Anstrengungen. Alle sind überzeugt, dass Mädchen das machen sollten. Wo es abweicht ist, wenn sie die Vorlieben ihres Mädchens betrachten. Dass hat eben andere Talente und möchte lieber was mit Sprachen machen.

        Und das ist eben bei den allermeisten Mädchen so und merkwürdigerweise meint keine von denen, dass sie eben die Zähne zusammenbeißen muss und etwas studieren muss, zu dem sie weniger Lust hat, nur damit die Gruppe der Mädchen da besser vertreten ist.

        Eine Form des Allmendeproblems: Alle wollen gerne, dass die Gruppe bestmöglich abschneidet, aber keiner hat eben Lust deswegen „Opfer“ zu bringen.

        Aus meiner Sicht ist das Spielzeug da auch recht egal. Mathe ist nicht cool, es sei denn man hat ein Talent dafür.

        Eher müssten sich die Leute hinsetzen und den Mädchen in der Schule eine besondere Förderung geben, etwa Ingeneurinnen etc die Mathe nachhilfe geben, damit die Mädchen da besser abschneiden und es ihnen dann auch mehr Spass macht. Aber das wird eben ein hartes Brot: den allermeisten Mädchen werden eher andere Sachen Spass machen

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      2. Es geht nicht nur um Mathe, es geht um alle MINT-Fächer. Warum machen ihnen andere Sachen mehr Spaß? Eventuell auch (ich kann das einfach so für mich bestätigen), weil die MINT-Fächer den Stempel „für Jungs“ tragen und man sich alleine fühlt, wenn man sich als Mädchen dafür interessiert. Das hat auch viel mit Gruppendynamik und frühkindlicher Erziehung zu tun. Meine Kinder gehen schon lange in eine Forschergruppe. Die Leiterin achtet sehr darauf, dass eben auch mit Glitzer und „Mädchenzeugs“ experimentiert wird bzw. können die Kinder sich Entsprechendes ausssuchen. Anfangs hatte sie fast nur Jungs dort, mittlerweile ist das Verhältnis nahezu 50/50. Die Mädchen kommen jetzt auch, weil eben nicht mehr einsam ein Mädchen neben 9 Jungen sitzt, sondern da 4 bis 5 Mädchen pro Gruppe sind. Kinder interessieren sich auch nicht aus dem Nichts heraus für bestimmte Dinge, sie brauchen Vorbilder, Gleichaltrige, kindgerechte, eventuell auch gendergerechte Vermittlungsweisen.

        „es gibt jede Menge Anstrengungen.“

        Die meisten davon sind aber sehr gestellt und „grau“. Das muss eigentlich von Anfang an auch in den Familien erfolgen. Und da ist es tatsächlich so, dass viele Eltern diesen Bereich ihren Mädchen vorenthalten, ausschließlich Prinzessinenkram kaufen und sich hinterher darüber wundern, warum das Mädchen sich nicht für MINT-Fächer interessiert, um sich schließlich in ihrem Vorurteil bestätigt zu fühlen, dass das „halt nichts für Mädchen ist“. Welche Programme hast du denn konkret im Auge? Ich kenne z. B. von den Bibliotheken das Leseprogramm „Nur für Jungs“, da wird viel über Wissenschaft, Dinos, wilde Tiere … gelesen, oft fast schon zu klischeemäßig. Gibt es etwas Vergleichbares für Mädchen?

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      3. „Warum machen ihnen andere Sachen mehr Spaß?“

        Weil Frauen evolutionär auf Kinder bekommen und Aufziehen selektiert worden sind. Nicht auf das Erkennen und Entdecken der Welt.

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      4. Ich schließe das aus der Realität. Erfindungen und Innovationen gehen auch im Westen fast ausschließlich von Männern aus. Frauen sind durchschnittlich, zeigen weder besonderen Ehrgeiz, noch besondere Entdeckerfreude noch besondere Intelligenz. Sie interessieren sich auch nur für das, was sie unmittelbar nutzbringend für sich verwenden können.

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      5. Oh. Adrian erzählt wieder mal aus seinem Fundus reichhaltiger Erfahrungen aus Asi-TV und „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“. Hochinteressant.

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  3. Frei nach Albert Einstein: Es ist einfacher, ein Atom zu spalten, als Stereotypen aus der Welt zu schaffen.

    Eine Anekdote aus meiner Kindheit Mitte der 1970er Jahre. Ich habe auf einem Spielplatz einen Puppenwagen gefunden, wahrscheinlich von einem Kind vergessen. Ich habe meinen Stoffhund in diesem Puppenwagen zum Entsetzen meines wertkonservativen Wohnumfelds durch die Gegend gefahren. Mir war das total egal. Durch meine schulterlangen blonden Haare ging ich eher als Mädchen denn als Junge durch. Und hat’s mich „geschädigt“ in meinen männlichen Selbstbild? Nein!

    Vor kurzem habe ich an dem Auto einer Freundschaft die Lampen gewechselt. Fragt mich ein kleines Mädchen interessiert, was ich da mache. Ich habe es ihm erklärt und nicht etwa weggeschickt nach dem Motto „das ist nichts für Mädchen“. Solche Haltungen sind mit dafür verantwortlich, wenn Mädchen das Interesse an technischen Dingen verlieren, weil man ihnen mit überkommenden Stereotypen eine Rolle zuweisen will.

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  4. Kleine Kinder sind kleine Kinder, keine kleinen Erwachsenen. Wenn die Kleine „Wenn ich mal groß bin, will ich Prinzessin, Fee und Ballerina werden, oder wenigstens eins von den Dreien“ sagt, dann ist das eine kindliche Aussage. Hier Erwachsenenmaßstäbe anzulegen (d.h. darüber nachdenken ob/wie zukunftsträchtig diese Berufe sind, ev. mit dem Kind darüber diskutieren usw.) halte ich für verfehlt. Ein wesentlicher Bestandteil der Kindheit ist eben, dass man ein Kind ist, mit allem was dazugehört. Prinzessin spielen, Astronaut sein, Drachen besiegen, Königshochzeit im Puppenhaus.
    In einigen Bereichen ist es ok wenn das Kind Verantwortung übernimmt, in anderen halte ich es für unangebracht. Kind sein bedeutet, dass jemand da ist der für mich Verantwortung übernimmt (die Eltern). Das Kind muss (und soll!) sich nicht darum kümmern, dass der Kühlschrank gefüllt, das Haus warm und das Auto aufgetankt ist. Solches von einem Kind zu erwarten halte ich für verkehrt. Und dazu gehört ebenso selbstverständlich der Wunsch des Kindergartenkindes später einmal Prinzessin oder Astronaut zu werden. Ich würde mir da nichts dabei denken. Kinder sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen!

    Kinder interessieren sich auch nicht aus dem Nichts heraus für bestimmte Dinge, sie brauchen Vorbilder, Gleichaltrige, kindgerechte, eventuell auch gendergerechte Vermittlungsweisen.

    Alles schön und gut, aber wozu? Damit wir eine schöne 50/50 Verteilung in der Gesamtbevölkerung haben? Das ist doch pures social engineering, das wird nie funktionieren.

    In deinem Link steht eindeutig, dass soziale Komponenten ebenfalls eine Rolle spielen.

    Es wäre zuallererst einmal festzustellen, wie stark dieser Einfluss ist. Vorher ist eine Diskussion eigentlich müßig. Mithilfe der modernen Chaostheorie kann ich auch „nachweisen“, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Berlin einen Orkan in Australien auslöst…

    Eine einfache Beobachtung: Wenn der Einfluss der Erziehung so stark ist wie hier angenommen, wenn es so wichtig für Kinder ist dass sie entsprechende Vorbilder haben, wenn sie gendergerechte Vermittlungsweisen brauchen, wie erklärt sich dann folgendes: In Indien, wo es alle diese wichtigen Dinge nicht gibt, wo Kinder eine aus unserer Sicht „völlig traditionelle, veraltete, klischeehafte“ Erziehung/Sozialisation durchlaufen, in diesem patriarchalen Land welches für Frauen nur den Platz am Herd und als Mutter vorsieht, dort studieren mehr Frauen MINT Fächer als in Deutschland, Österreich usw.

    Wie passt das zusammen?

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    1. „dann ist das eine kindliche Aussage“

      Kinder werden zu Erwachsenen. Das ist ein Mensch, nicht zwei verschiedene. Kindliche Erfahrungen beeinflussen den erwachsenen Menschen.

      „Damit wir eine schöne 50/50 Verteilung in der Gesamtbevölkerung haben?“

      Damit Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können. Und weil, so sehr ich die Geisteswissenschaften liebe, diese leider meist ziemlich brotlos sind.

      „In Indien, wo es alle diese wichtigen Dinge nicht gibt, wo Kinder eine aus unserer Sicht „völlig traditionelle, veraltete, klischeehafte“ Erziehung/Sozialisation durchlaufen, in diesem patriarchalen Land welches für Frauen nur den Platz am Herd und als Mutter vorsieht, dort studieren mehr Frauen MINT Fächer als in Deutschland, Österreich usw. “

      Die Frage kann ich dir, da ich Indien sehr verbunden bin, denke ich, beantworten. MINT-Fächer haben in Indien einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Viel höher als hierzulande. Es gibt Mathe-Wettbewerbe, Chemie-Wettbewerbe, Programmier-Wettbewerbe, schulintern und auch zwischen Schulen. MINT-Fächer gelten direkt als cool und auf jeden Fall als erstrebenswert. Auch für Mädchen. Und in Familien, die nach Bildung streben, was v. a. für Familien der Mittelschichten zutrifft, wirkt sich dieser hohe Stellenwert aus. Dort passiert genau das, was ich oben meinte: Den Mädchen dieser Familien wird, wie den Jungen vermittelt, wie enorm wichtig MINT-Fächer sind, wie sehr der Status (auch der Status der Familie, das ist uns recht fremd) durch so ein Studium steigt. Ähnliches gilt übrigens für den Iran. Ein geisteswissenschaftliches Studium ist, wenn, dann etwas für Mädchen aus den Oberschichten, die ohnehin bereits Status und Geld besitzen und die dann eher „was für Mädchen“ studieren sollen.

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      1. Kinder werden zu Erwachsenen.

        Eben. Kinder sind keine Erwachsenen, sie sind Kinder. Deshalb, ich habe es oben bereits geschrieben, halte ich es für falsch an Kinder Erwachsenenmaßstäbe anzulegen. Und eine rationale Auseinandersetzung mit den Zukunftschancen eines Berufs, mit seinen Einkommensmöglichkeiten etc. ist ein Paradebeispiel für einen Erwachsenenmaßstab. Ein Kind käme nicht auf die Idee über sowas nachzudenken. Die wollen einfach nur Prinzessin oder Autorennfahrer sein.

        Das ist ein Mensch, nicht zwei verschiedene. Kindliche Erfahrungen beeinflussen den erwachsenen Menschen.

        Auch hier habe ich oben bereits geschrieben, es wäre zuerst einmal festzustellen wie stark der Einfluss ist. Du weißt bestimmt, dass in der Pubertät das Gehirn regelrecht umgebaut wird. Vor allem werden da auch eine Menge Verbindungen aus der Kindheit gekappt, siehe z.b.
        http://www.wdr.de/tv/werwolf/themen/wolfman_hilft/Veraenderungen_im_Gehirn.php5
        http://www.sueddeutsche.de/wissen/pubertaet-grossbaustelle-gehirn-1.1833081
        https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/welchen-zweck-hat-der-umbau-des-gehirns-in-der-pubertaet
        Insofern wäre es also gar nicht so verkehrt, tatsächlich von zwei verschiedenen Menschen (im übertragenen Sinn natürlich) zu sprechen.

        MINT-Fächer haben in Indien einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Viel höher als hierzulande. […] MINT-Fächer gelten direkt als cool und auf jeden Fall als erstrebenswert.

        Eben. Wie du selbst ganz richtig schreibst, ist das kein Genderthema. Es ist nicht so, dass MINT Fächer für Jungs als cool, für Mädchen als uncool gelten. In Indien ist das Ansehen von MINT insgesamt anders als bei uns.
        Wenn das ein erstrebenswerter Zustand ist, der auch bei uns erreicht werden soll, dann sind genderspezifische Maßnahmen genau der verkehrte Zugang. Genderspezifische Maßnahmen werden immer den Unterschied zwischen den Geschlechtern betonen. Indem man Jungs und Mädchen „gerndergerecht“ unterschiedlich behandelt, unterstreicht man nur die Andersartigkeit. Die Annahme, Mädchen würden sich mehr für Mathe interessieren wenn der Satz des Pythagoras von Glitzer-Lilifee präsentiert wird, bewirkt keine Reduktion von Rollenklischees. Eine solche Annahmen verstärkt und produziert Rollenklischees. Nicht ohne Grund sind die Genderfeministinnen oftmals die größten Sexisten. Wie man mit einem solchen System von „gendergerechter Wissensvermittlung“ und genderspezifischen Maßnahmen ausgerechnet einen gender-egalitären Zustand erreichen soll ist mir schleierhaft.

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      2. „Eben. Kinder sind keine Erwachsenen, sie sind Kinder.“

        Und Kinder werden zu Erwachsenen und nehmen von dort wichtige Erfahrungen mit http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-02/trauma-kindheit-folgen-studie. Was Du verlinkt hast, zeigt, dass sich das Gehirn in der Pubertät ändert, ja. Aber dennoch machen wir wichtige Grunderfahrungen darüber, wie die Welt funktioniert in der Kindheit. https://www.zdf.de/gesellschaft/sonntags/unsere-kindheit-schluessel-zum-leben-100.html

        „Ein Kind käme nicht auf die Idee über sowas nachzudenken. Die wollen einfach nur Prinzessin oder Autorennfahrer sein.“

        Nein. Aber wie gesagt die Kindheit beeinflusst den erwachsenen Menschen. Und offenbar ist Lillifee tatsächlich in der Lage, auf ein Kind so einzuwirken, dass es diese „Perspektive“ entwickelt.

        „Wie man mit einem solchen System von „gendergerechter Wissensvermittlung“ und genderspezifischen Maßnahmen ausgerechnet einen gender-egalitären Zustand erreichen soll ist mir schleierhaft.“

        Ich bin Gleichheitsfeministin und insofern wäre ich tendenziell natürlich dafür, einen eher geschlechtsneutralen Ansatz zu wählen. Auf der anderen Seite existieren diese Rollenklischees nunmal und die allermeisten Kinder denken in Mädchenwelt /Jungswelt-Schemata. Da wäre es nicht verkehrt in die „Mädchenwelt“ auch MINT-Themen einzubauen und in die „Jungswelt“ z. B. Lesekompetenz. Dann wäre quasi nur noch der „Anstrich“ anders, das was drin ist, zumindest ähnlich.

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      1. Demografisch: Weil die Förderung der Berufstätigkeit Frauen in ihren fruchtbarsten Jahren von der Konzentration auf Nachwuchs ablenkt. Kaum eine westliche Gesellschaft reproduziert sich mehr selbst.

        Volkswirtschaftlich: Weil Frauen irgendwann dann doch ihre 1,4 Kinder bekommen. Sie fallen dann beruflich aus. Die Kosten für Ausbildung und die Unternehmen stehen dann in keinem Verhältnis zu ihrer Berufstätigkeit.

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      2. „Demografisch: Weil die Förderung der Berufstätigkeit Frauen in ihren fruchtbarsten Jahren von der Konzentration auf Nachwuchs ablenkt. Kaum eine westliche Gesellschaft reproduziert sich mehr selbst.“

        Waswaswas? Eben wurde sich doch noch darüber beschwert, dass Frauen zu wenig arbeiten würden und nun plötzlich zuviel … Hmmm. Würdest Du dich eventuell mal entscheiden?

        „Volkswirtschaftlich: Weil Frauen irgendwann dann doch ihre 1,4 Kinder bekommen. Sie fallen dann beruflich aus. Die Kosten für Ausbildung und die Unternehmen stehen dann in keinem Verhältnis zu ihrer Berufstätigkeit. “

        Eigentlich sagen alle mir bekannten Studien aus, dass es volkswirtschaftlich Sinn macht, wenn Frauen und Mütter arbeiten (vielleicht guckst Du mal in die Familienberichte), aber Du wirst es wahrscheinlich besser wissen … Übrigens fallen auch die wenigsten Mütter mittlerweile „aus“, die meisten arbeiten weiter, zumindest in Teilzeit.

        Was ist dann eigentlich mit Frauen, die keine Kinder bekommen, sollen die besser auch nicht arbeiten, weil sie ja theoretisch Kinder bekommen könnten?

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      3. Ich beschwere mich nicht, dass Frauen weniger arbeiten. Sondern darüber, dass sie weniger arbeiten und dann beklagen, dass sie im Schnitt weniger verdienen als Männer.

        Berufstätigkeit der Frau führt momentan zu geringerer Kinderzahl. Es gibt dafür nur zwei Lösungen. Entweder der Staat finanziert Kindergärten oder er fördert die Mutterolle. Mir ist es gleich. Das krampfhafte Bemühen Frauen in Karriere zu bringen scheint aber wenig zu bringen. Frauen setzen weiterhin bevorzugt auf Teilzeit und Familie. Was ihrem biologischen und psychischem Wesen offenbar ganz gut bekommt.

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      4. „Entweder der Staat finanziert Kindergärten oder er fördert die Mutterolle. “

        Väter übernehmen vermehrt die Kinderbetreuung? Halbe/Halbe? Teilzeitmodelle für beide Elternteile?

        „oder er fördert die Mutterolle.“

        Würde de facto bedeuten, „ein Kind gehört zur Mutter“ à la Eva Herman und ganz sicher die Wiedereinführung des Ehegattenunterhalts. Da möchte ich mal den Aufschrei aus dem maskulistischen Lager hören.

        „Was ihrem biologischen und psychischem Wesen offenbar ganz gut bekommt. “

        Es ist der traditionelle Weg und damit der Weg der geringeren Widerstände.

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      5. Zahlen? Wenn immer mehr Leute nur die Hälfte arbeiten geht die Produktivität zurück.

        „Wenn es insgesamt zu mehr Zufriedenheit führen würde?“

        Dann mach es doch.

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      6. „Zahlen? Wenn immer mehr Leute nur die Hälfte arbeiten geht die Produktivität zurück.“

        Das ist Quatsch. Arbeit entwickelt sich. Und derzeit ist es so, dass immer mehr Arbeitsfelder wegfallen, da sie ganz oder teilweise automatisiert werden können. Und es wäre ja dann auch möglich, dass viele Menschen, die derzeit daheim arbeiten (also Hausfrauen und Hausmänner) sowie Arbeitslose, Teilzeit arbeiten.

        „Dann mach es doch.“

        Danke. Machen wir schon lange. Es geht aber mehr um ein gesamtgesellschaftliches Konzept und insgesamt mehr Zufriedenheit z. B. auch für Väter, die seit Jahren in vielen Befragungen angeben, dass sie mehr Zeit für die Familie haben möchten.

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      7. „Es ist der traditionelle Weg und damit der Weg der geringeren Widerstände.“

        Es ist der Weg der der Bequemlichkeit der Frau und ihrem Brutpflegtrieb am Besten bekommt.

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      8. Bequemlichkeit insofern, als es immer einfacher ist, den Weg der geringsten Widerstände zu wählen. Wenn Männer seit Jahren angeben, sie wünschen sich mehr Zeit für die Familie, faktisch aber wenig an ihrer Situation ändern, ist das auch „Bequemlichkeit“, wenn Du so willst.

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      9. Also Kinder müssen nicht, obwohl wir irgendwie aussterben und man da schon was tun muss, und Kinderversorgung muss ja auch nicht (sterben lassen?) aber finanzielle Versorgung der undankbaren Ehefrau muss? Da wird der Arme mit vorgehaltener Waffe zu gezwungen? Deine Logik ist … sagen mir mal … interessant.

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      10. „aber finanzielle Versorgung der undankbaren Ehefrau muss?“

        Muss nicht. Gewöhnliche Prostituierte wären billiger, klar. Aber wenn Mann so dumm ist zu heiraten bleibt ihm halt nichts übrig.

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      11. Dann hätten wir also eine ähnliche Situation für beide. Mann fühlt sich verpflichtet, finanziell zu versorgen und arbeitet deshalb viel außerhäusig, Frau fühlt sich verpflichtet, den größten Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen und arbeitet deshalb mehr innerhäusig und weniger außerhäusig. Und damit wären wir genau bei den von mir erwähnten „eingetretenen Pfaden“.

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  5. …Die meisten davon sind aber sehr gestellt und „grau“. Das muss eigentlich von Anfang an auch in den Familien erfolgen. Und da ist es tatsächlich so, dass viele Eltern diesen Bereich ihren Mädchen vorenthalten, ausschließlich Prinzessinenkram kaufen und sich hinterher darüber wundern…

    Das scheint mir etwas kurzsichtig gedacht. Der „Prinzessinenkram“ wird ja doch meist auf Wunsch der Mädchen gekauft.

    Wichtig ist doch vor allem, was die „großen“ Frauen in einer Familie vorleben. Was macht die Mutter, wenn die Fahrradkette kaputt ist?
    Repariert sie selbst, oder spielt sie die Prinzessin und delegiert?

    Was ist mit dem Bohrloch in der Wand? Spachtelt sie das ganz selbstverständlich selbst zu?

    Welches Verhältnis lebt sie zu Zahlen, zum Rechnen, zum logischen Denken vor?
    Rechnet sie mal den Stromverbrauch und die voraussichtliche Nachzahlung aus? Spielt sie vielleicht Schach?
    Macht sie vielleicht mal an der VHS einen Auffrischungskurs in Mathematik und setzt sich dann zu Hause mit Freude an ihre Hausarbeiten?

    Wenn ihre Kinder Zahlen verstehen, kann sie ihnen dann erklären, was eine Dreieckszahl oder eine Primzahl ist?

    Spaß am abstrakten Denken, am logischen Denken, am selbstverständlichen Umgang mit Zahlen ist unabdingbare Voraussetzung für die MINT-Berufe. Ohne den wird in diesen Berufen niemand glücklich.

    Interessanter Weise stellen Denkspiele wie Schach oder Go ganz ähnliche Anforderungen. Wenn sich Kinder also für Schach oder Go begeistern können, können sie durchaus auch Interesse an Mathematik und Informatik entwickeln.

    Auch das kann also durchaus fördern.

    In jüngeren Jahren sind hier aber tatsächlich vor allem die Mütter in der Pflicht. Sie haben eine Musterfunktion. Wenn dieses Muster ein neugieriges Interesse an Technik, an Zahlen, an Logik vorlebt, werden die Mädchen zumindest dazu motiviert, sich solche Bereiche mit positiven Erwartungen genauer anzuschauen.

    Mehr kann man da wohl kaum erreichen.

    Die letztendliche Berufsentscheidung muss ja letztlich jeder selbst treffen.

    „Lillifee und das rosa Mathemonster“ würde jedenfalls nichts ändern.

    Die Mädchen identifizieren sich ja mit der Prinzessin und nicht mit dem Mathemonster, auch wenn es rosa ist.

    Typisch für eine Prinzesssin ist, dass sie nichts machen muss, was irgendwie anstrengend ist. Wenn das Fahrrad quietscht, klatscht sie in die Hände und ruft: „Man richte mir mein Fahrrad“.

    Genauso machen es dann ja auch viele erwachsene Frauen, die in so einem Falle nach ihrem Mann rufen.

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      1. Allerdings gebe ich dir insofern Recht, als viele Eltern überraschend wenig dafür tun, dass ihre Mädchen sich für MINT interessieren. Das beschreibe ich ja oben im Text sehr ausführlich. Meiner Ansicht nach wären da aber nicht nur die Mütter gefragt (die natürlich auch) sondern stark auch die Väter, bei denen in vielen Familien eben diese Kompetenzen liegen. Sie müssten das dann entsprechend an ihre Kinder (und nicht nur die Jungs) weitertragen.

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