Warum setzen sich Männerrechtler eigentlich kaum für nicht-konforme Männer ein? Oder auch: Wie die Männerrechtsbewegung die Privilegientheorie stützt

Betrachtet man sich die aktuelle Männrechtsbewegung, fällt immer wieder eines auf: Es gibt kaum Unterstützung oder Rückhalt für nicht-konforme Männer. Seien es Hausmänner; schwule Männer; Männer, die für die Familie Arbeitszeit reduzieren; alleinerziehende Männer; Männer, die lange Elternzeit nehmen; Männer, die „weibliche“ Berufe ergreifen oder ergreifen möchten; Männer und Jungen, die gerne Rosa oder „weibliche“ Kleidung tragen oder ansonsten als „weiblich“ definiertes Verhalten zeigen oder zeigen möchten;  Männer, die einen Angehörigen pflegen; männliche Transvestiten oder gar Sub-Männer.

Mit anderen Worten: Männer und Jungen, die die traditionelle Rolle von Männlichkeit eben nicht (vollständig) ausfüllen oder ausfüllen möchten.

Ganz im Gegenteil sogar: Statt auf Unterstützung und Rückhalt, wird eher auf Antifeminismus und Traditionalismus gesetzt, während sich nicht-konforme Männer eher im Feminismus zu Hause fühlen, weil sie dort vielfach den Rückhalt bekommen, den ihnen die Männerrechtsbewegung verwehrt.

Und auch „ganz simple“ Dinge wie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden von anderen gesellschaftlichen Gruppierungen, darunter feministischen vorangetrieben und eben gerade nicht von maskulistischen.

Die Aufbrechung traditioneller Vorstellungen von Männlichkeit ist insofern nur bei sehr wenigen Maskulisten Thema.

Das ist schade, weil Feminismus eben doch eine auf Frauen spezialisierte Bewegung ist, die „nicht-konforme“ Männer zwar unterstützt, aber von ihrem Selbstverständnis her nicht ihr Hauptaugenmerk auf sie legt. Die Unterstützung nicht-konformer Männer, wäre eigentlich eine originäre Aufgabe des Maskulismus (gerne mit Unterstützung durch den Feminimus in diesem Sinne).

Das ist aber auch insofern sehr interessant, als sich der Feminimus bereits sehr früh und sehr vehement für das Aufbrechen der traditionellen weiblichen Rolle engagiert hat. Frauenrechtlerinnen haben sich immer dafür eingesetzt, dass Frauen ihre traditionelle Rolle hinter sich lassen können und ihnen die traditionelle männliche Rolle und all ihre Teilaspekte als Möglichkeit eröffnet wird. Aus diesem Grunde stehen Frauen heute eine größere Zahl an Möglichkeiten offen als Männern.

Was vielen Maskulisten dabei offenbar gar nicht auffällt: Unbewusst stützen sie damit die von ihnen häufig so scharf kritisierte Privilegientheorie.

Denn wenn die gesellschaftliche Gruppe A zwar nach dem Aufbrechen ihrer Rolle und in Richtung der Rolle von Gruppe B strebt, Gruppe B ihrerseits in ihrer Mehrheit aber offenbar keinerlei Interesse am Aufbrechen ihrer Rolle zeigt und von der Rolle der Gruppe A nichts wissen möchte, dann bedeutet das: Die gesellschaftliche Rolle von Gruppe B scheint die erstrebenswertere zu sein, die von Gruppe A dagegen die deutlich unattraktivere.

Warum das so ist, möchte ich hier gerne zur Diskussion stellen.

 

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Signal fatal: Ein paar Gedanken zu Clausnitz

Clausnitz also. Ein Mob brüllender, drohender Menschen steht um einen Bus voller Flüchtlinge. Dass diese den Bus nicht verlassen wollen, ist angesichts dieser Situation nun wirklich nicht verwunderlich. Die Polizei zwingt sie zum Aussteigen, teilwiese äußerst grob, darunter auch ein offenbar verängstigtes 10-Jähriges Kind. Die Polizei verteilt Platzverweise, die aber nur lachend ignoriert werden.


Wirklich ärgerlich finde ich die öffentlichen Reaktionen nun in der Aufarbeitung des Vorfalles: Sowohl die von Polizei-Verantwortlichen wie auch die unseres Innenministers.

Die Reaktion der Polizei wäre „angemessen“ gewesen, so liest man oder auch, die Polizei habe das Richtige getan, weil ansonsten ja die Fremdenfeinde „gewonnen“ hätten.


Bitte? Mehr als 100 Menschen, die die öffentliche Ordnung empfindlich stören widersetzen sich der Staatsgewalt und man wendet wiederum staatlicherseits Gewalt lieber den Bedrohten gegenüber an?

Ich war in meiner Jugend so auf einigen Demos, auch gegen NPD-Stände und Versammlungen, und wenn da „von links“ einer schief guckte, konnte es ihm (oder ihr) schon passieren, dass er sich plötzlich auf dem Boden wiederfand, auf ihm zwei bis drei schwarzgekleidete Beamten einer Sondereinheit. Personalien wurden meist schon vorbeugend genommen. Gefilmt andauernd.


Und nun war es angeblich nicht möglich, gegen diejenigen vorzugehen, die die öffentliche Ordnung ganz sichtbar gefährdeten? Die deutliche Anweisungen von Polizeibeamten ignorierten und die Beamten sogar auslachten? Ist die Polizei tatsächlich nicht in der Lage, in so einem Fall akuter Bedrohung Verstärkung anzufordern, uns dann entsprechend gegen die Störer vorzugehen?

Lieber wird Gewalt gegen die angewendet, die man beschützen soll, als hart gegen die Störer durchzugreifen? Ernsthaft?

Was soll denn das bitteschön für eine Logik sein? „Weil wir bedroht und ignoriert wurden, mussten wir leider Gewalt gegen unsere Schutzbefohlenen anwenden, es ging nicht anders …“


Ich bin nun wahrlich niemand, der prinzipiell gegen staatliches Eingreifen ist, wenn angebracht. Und ja, Polizisten machen einen schweren Job und müssen oft unter Stress entscheiden. Aber das?

Signal: „Hey, wir tun euch nichts, wir sind eine freundliche Truppe, die sich von rechts auf der Nase rumtanzen lässt. Und wenn wir euch was sagen, müsst ihr das nicht wirklich ernst nehmen, wir meinens doch gar nicht so. Lieber zerren wir vor euren Augen ein Kind mit Gewalt aus dem Bus, als euch was zu tun.“

Mit anderen Worten: Signal fatal. Die agressiven rechten Störer und Bedroher, die dort standen, können sich ins Fäustchen lachen. Ihnen ist ja nichts passiert, die Polizei hat sogar vor ihnen gekuscht. Und Anzeigen gibt es jetzt noch für die Flüchtlinge.

1 a-Leistung, um fortan ernstgenommen zu werden. Wie ein Innenminister so etwas gutheißen kann, ist mir nicht wirklich klar. Es sei denn, er will die Autorität seiner Behörde und der ihr letztlich unterstellten Beamten untergraben.

In eigener Sache: Nochmal Kommentarbereich

Öfter wurde mir nun schon mitgeteilt, 3 Tage wären zu kurz, um Themen vernünftig besprechen / diskutieren zu können. Sehe ich auch durchaus ein.

Klammheimlich hatte ich auch bereits die Kommentarfunktion auf 5 Tage verlängert, aber 5 Tage scheinen ebenfalls eher kurz. Nach umfangreichen Studien 😉 zur Dauer von Onlinediskussionen scheint mir nun, dass sie kaum mal länger als einige Tage, maximal eine Woche dauern. Und insofern werde ich die Kommentarfunktion fortan auf 7 Tage einstellen und hoffe, so ist allen gedient.

Schöne Grüße

Margret

Kalorien zählen

O. g wurde mir nun bereits zum dritten Mal als das absolute Ultimum zum Gewichthalten / Gewicht reduzieren angepriesen. Auch Nadja / erzählmirnix hat damit ja super Erfahrungen gemacht. So weit, so gut. Klar wirkt es. Ist nur, seien wir ehrlich, extrem ätzend.


Kalorien zählen erinnert mich frappierend an die Studentenzeiten, als ich mit so wenig Geld auskommen musste, dass ich noch die Preise von einzelnen Jogurts verglichen habe. Geht noch ein zweiter oder muss ich mit dem einen auskommen? Und Kartoffeln. Und Reis. Und … Rechnen, rechnen, rechnen, zählen, vergleichen, rechnen, rechnen, rechnen, zählen, vergleichen … Ist die Breze bei der Konkurrenz vielleicht billiger? Geht überhaupt eine? Kann ich mir die Äpfel noch leisten? Butter oder Margarine? Mehl oder Kartoffeln? Pur oder geht noch was an Gemüse?


Es ist nun nicht so, dass ich bei größeren Anschaffungen nicht noch immer zählen und rechnen würde, aber, verdammte sch***** was war ich froh, als das verdammte Rechnen und Vergleichen wegen jedem Semmerl endlich vorbei war. Und nun soll das wieder losgehen? Ehrlich?


Ein halber Teelöffel Zucker in den Earl Grey? Rechnen! 2 Karottenschnitzel und 1 Stück Kohlrabi beim Gemüseschneiden verdrückt? Zählen! Rechnen! Ein Schluck Milch in den Kaffee? Vielleicht doch lieber Magermilch? Wiegen! Rechnen! Vergleichen! Reis, den ich mir aus dem Familientopf zum Mittagessen nehme? Wiegen! Rechnen! Vergleichen!


Nochmal ehrlich? Das wirkt schon allein deshalb, weil man dann eh keinen Bock mehr auf Essen und Trinken hat. Zumindest ich. Nostalgie ist ja gut und schön, aber so schön waren die „armen Zeiten“ nun echt nicht., dass ich das zwangsläufig wiederholen müsste.

Allenfalls über einen begrenzten Zeitraum wie damals zu Studentenzeiten, aber für immer in der Rechnen-/Vergleichen-Hölle? Dann lieber immer wieder mal Fasten.

 

 

Gebt den Jungs Liebe!

Neulich traf ich in einer Buchhandlung Vater und Sohn, die ich vom Sehen her kannte. Der Vater sprach mit der Buchhändlerin und auf einmal legte der Junge, er ist etwa 13, den Kopf mit der größten Selbstverständlichkeit vertraulich auf die Schulter seines Vaters. Wobei Legen vielleicht das falsche Wort ist, er schmiegte ihn eher an den Hals des Vaters, der wiederum mit ebenso großer Selbstverständlichkeit mit der Hand über den Kopf seines Sohnes strich.


Ich muss zugeben, dass ich das im ersten Augenblick befremdlich fand. So ein großer Bub, das geht doch nicht. Als ich das dachte, hätte ich mir ehrlich gesagt noch im selben Augenblick am liebsten selbst vor den Kopf geschlagen. „Ein Junge weint doch nicht“, „Ach geh, so ein großer Bub und heult“, „Na, willst ein Mamasöhnchen werden?“, „Stell dich nicht an wie ein Mädchen.“ Das ist nur eine kleine Auswahl der Dinge, die man als Mutter eines Buben so mitanhört. Und der Junge hört sie sicherlich noch viel öfter. Es ist interessant, wie viele solcher Sätze man selbst im Kopf hat, immer abrufbar, teilweise nur halbbewusst.


Und da frage ich mich wieder mal: Was ist das eigentlich immer noch in unserer Gesellschaft, das Jungen Härte, das Unemotionale und den einsamen Wolf antrainieren möchte? Warum soll es denn komisch sein, wenn ein „großer Junge“ noch Kuschelbedürfnis hat und die Nähe vertrauter Menschen sucht? Mädchen gestehen wir das doch auch zu. Warum sollte ein Junge nicht ein Bedürfnis nach Trost, Halt und Liebe haben, selbst wenn er dem Kindergarten schon entwachsen ist? Gerade dann ist es doch verwirrend genug in der Welt.


Nein verdammt, der Junge in der Buchhandlung und sein Vater haben genau richtig reagiert. Gebt den Jungs Liebe! Gebt ihnen so viel Liebe, wie sie brauchen. Und gebt einen feuchten Kehricht auf dumme Kommentare. Das ist leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber sie haben Liebe und Zuwendung verdient. Ganz genauso wie die Mädchen. Und Liebe muss beileibe nicht heißen, einen Jungen zu einem harten Hund zu trainieren.

Stinkt Rosa?

Immer wieder mal höre ich von Bekannten, der Feminismus wäre ihnen prinzipiell schon irgendwie sympathisch, zumindest Teile davon. Wenn nur, ja wenn nur nicht jene Ablehnung des „Femininen“ wäre. Das Ganze gipfelt dann oft in der Aussage „also ich mag ja Rosa und Glitzer, das will ich mir nicht verbieten lassen“ oder auch „meine Tochter mag eben Rosa, soll ich es ihr verbieten?“


Wenn ich dann genauer nachfrage, kommt fast immer heraus, dass es sich bei dieser Vorstellung um eine Mischung aus gängigen Vorurteilen gegenüber Feministinnen (tragen alle nur Jeans und Holzfällerhemd und schminken sich nicht) und diverser Überschriften diverser Zeitungsartikel handelt, gekrönt von der Feststellung, da gäbe es doch „irgendwie diese Gruppe, und die heißt doch ‚Pinkstinks‘, also ‚Rosa stinkt‘ „. Nun hat Pinkstinks ja zu der Rosafrage eine recht differenzierte Einstellung, wie man z. B. diesem Artikel entnehmen kann, aber leider kommt anscheinend bei Personen, die sich allenfalls sehr oberflächlich mit dem Thema Feminismus beschäftigen letzten Endes an, dass „der Feminismus“ Rosa, Glitzer, süße Dinge, Küchlein, Flitter und ähnliches kategorisch ablehnen würde oder allenfalls für Jungen und Männer adäquat fände.


Ist das so? Im Feminismus der 70er bis 80er Jahre gab es diese Tendenz im Sinne einer Auflösung von Rollen durchaus. Damals ging es dann aber auch eher darum, Kinder generell möglichst bunt zu kleiden, Mädchen wie Jungen und nicht um eine Verkehrung der Geschlechter. Das ist aber nun einige Zeit her. Ist Rosa aber im heutigen Feminismus tatsächlich „schlecht“, sozusagen the ultimative evil?


Ganz ehrlich? Die Frage ist genauso sinnig wie die Frage „ist Grün schlecht?“ Rosa ist erstmal nur eine Farbe. Problematisch wird es erst, wenn diese spezielle Farbe mit anderen Attributen vermischt wird (niedlichen Tieren, Blümchen, Schleifchen etc.) UND (!!!) dieses ganze Paket dann einem Geschlecht als obligatorisch zugewiesen wird, während es dem anderen quasi verboten wird. Das allein ist der Kasus Knacktus. Nicht die Farbe, nicht das Glitzer, nicht die süßen Tierchen für sich, sondern die Aussage „Wer rosa trägt, ist süß und niedlich und klein … und selbstverständlich ein Mädchen.“ Ich wiederhole mich, ab dann und erst DANN wird es problematisch. Wenn mit einer Farbe bestimmte Charaktereigenschaften verbunden werden und diese dann dem einen Geschlecht zugeschrieben UND dem anderen gleichzeitig verboten werden. Nein, nicht verboten in dem Sinne einer gesetzlichen Regelung. Sondern verboten in dem Sinne, dass bereits kleine Jungs mit rosa Sandalen kritisch beäugt werden – „SO lässt du ihn raus?“ Dass irgendwie eine „Verschwulung“ durch ein simples rosa Shirt an einem Jungen befürchtet wird (und warum eigentlich wäre das derart schlimm?). Dass schon die Verkäuferin im Laden sagt „Das sind aber Mädchensandalen, die sind nichts für dich.“


Es sind Fragen nach sterotypen Vorstellungen von Geschlecht, die sich der moderne Feminismus stellt. Und deshalb ist Rosa nicht schlecht und Glitzer nicht schlecht. Rosa ist eine Farbe. Eine hübsche Farbe, wenn man mich fragt (und auch die Leute von Pink stinks, so nebenbei). Glitzer finden fast alle Kinder toll – ich sage deswegen Kinder, weil ich noch kaum einen Jungen erlebt habe, der nicht jede „legale“ Möglichkeit zum Beglitzern nutzt – das Weltraumthema ist da sehr beliebt.


Also zieht Rosa an, so viel ihr wollt. Tragt Glitzerschmuck und esst süße Cupcakes – no problem at all. Aber verdammt nochmal erzählt einem Mädchen nicht, dass es ohne Rosa „kein richtiges Mädchen“ wäre oder einem Jungen nicht, dass mit ihm irgendwas nicht stimmt, weil er das rosa Shirt viel besser findet als das graue.

Ach, und übrigens: Ein rosa Shirt mit nem Hai drauf wäre mal so richtig cool. Warum eigentlich nicht?


Fazit: Muss ich mich laut Feminismus dafür schämen, Rosa zu mögen und „feminines“ Verhalten zu zeigen? Natürlich nicht! Muss ich mich laut Feminismus dafür schämen, andere Menschen oder gar Kinder anzugreifen und maßzuregeln, weil sie sich nicht rollentypisch verhalten? Muss ich mich dafür schämen, solchen Menschen (und seien es die eigenen Kinder) zu vermitteln, dass mit ihnen „etwas nicht stimmt“? Aber Holla die Waldfee – ja, natürlich!