Leseempfehlung „AfD-Logik überwinden“ von erzählmirnix

Ich möchte quasi als Ergänzung und Erweiterung zu meinem gestrigen Artikel auf einen sehr guten Beitrag von erzählmirnix verweisen: Afd-Logik überwinden. Erzählmirnix stellt dort auf sehr klare und gleichzeitig differenzierte Art und Weise dar, wie eine bestimmte Form von PC dazu geeignet ist, Menschen zu verschrecken, die eigentlich dem eigenen Thema gegenüber aufgeschlossen wären und damit Populisten in die Hände zu spielen. Gleichzeitig zeigt sie auch auf, wie Populisten diesen Mechanismus sehr gut für sich zu nutzen wissen, indem sie gezielt provozieren und beleidigen, sich dann als Opfer inszenieren und bei Menschen, die ungewollt etwas „Falsches“ gesagt haben und dafür ungerechtfertigt angegriffen wurden, entsprechend auf Verständnis hoffen.

Es entspricht auch meiner Erfahrung, dass rechtspopulistische Parteien auf diese Art und Weise Mitglieder, Wähler und Sympathisanten gewinnen. Und es sind durchaus etablierte Parteien, die durch eher willkürliches Ausschließen von Menschen vom Diskurs dazu beitragen, diese Wähler und Sympathisanten erst zu erzeugen.

Im Dialog bleiben

Immer wieder liest man in letzter Zeit, dass man mit „denen“ sowieso nicht reden könne und, noch wichtiger, es auch nicht solle. Gemeint sind damit üblicherweise Anhänger von AfD und Pegida oder auch FPÖ, gerne aber auch Menschen, die aus irgendwelchen Gründen im Verdacht stehen mit der AfD oder der FPÖ zu tun zu haben.

Ich persönlich halte das für, vorsichtig ausgedrückt, die falscheste Strategie auf Erden. Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass es ein fast todsicherer Weg ist, Rechtspopulisten stark zu machen.

Denn, ganz ehrlich, viele Menschen, die es in Betracht ziehen, die AfD oder die FPÖ zu wählen, sind nicht irgendwie stramm rechts eingestellt oder identifizieren sich tatsächlich mit weiten Teilen des Parteiprogramms rechtspopulistischer Parteien. Ein guter Anteil von ihnen hat Angst oder tatsächlich Sorgen (ja!), und dazu den Eindruck, in dieser Angst nicht ernstgenommen zu werden. – Eine fatale Mischung.

Denn wenn Angst und Sorgen von den Volksparteien nicht ernstgenommen, von rechtspopulisten Parteien aber aufgegriffen werden, dann wird genau das dazu führen, dass rechtspopulistische Parteien erstarken. Weil der Eindruck entsteht: Nur die nehmen uns ernst!

Es ginge aber darum, Ängste zu zerstreuen und, wo sie berechtigt sind, nach Lösungen zu suchen.

Wenn Menschen befürchten, dass unter Flüchtlingen vermehrt frauenfeindliche, homophobe und antisemitische Einstellungen vertreten sind, dann sollte man das ernstnehmen und nach Lösungen suchen, statt abzublocken und diejenigen, oft sogar mehr links denn rechts eingestellen Personen, vom gesellschaftlichen Dialog auszuschließen. Das erst treibt sie in die Arme von Rechtspopulisten.

Im Dialog bleiben sehe ich als wirksamstes und quasi einziges Mittel, den Einzug der Rechtspoulisten zu stoppen.

„Ich bin bi – hihi“ – Warum ich verstehen kann, dass uns lesbische Frauen oft nicht leiden können

Ich sag es gleich zu Anfang: Der Artikel wird bitterböse und stellenweise gemein. Mea Culpa.

Aber beginnen wir ganz von vorn: Kürzlich hat sich eine gute Bekannte vor mir geoutet. Für mich war die Frage, wen sie liebt, selbstverständlich kein großes Thema (zumal es mir ohnehin schon länger klar gewesen war). Es stellte sich aber heraus, dass sie große Angst gehabt hatte, mir von ihrer Freundin zu erzählen, da ich religiös bin und religiöse Menschen oft schon negativ reagiert hatten. Konnte ich verstehen. Sie war dann sehr erleichtert, dass ich positiv reagiert habe.

Und ich überlegte kurz, ob jetzt vielleicht der Zeitpunkt gekommen wäre, mich ebenfalls zu outen. Soldidarisch. Um ihr zu vermitteln, dass sie von mir nichts zu befürchten hat. Ich hab’s dann gelassen. Grund: Das grottenschlechte Image von bisexuellen Frauen bei lesbischen Frauen.

So wie sie Angst hatte, dass ich sie gleich mit Weihwasser besprenkle und „Weiche von mir, Satan“ schreie (nein, nicht wirklich, aber ihr wisst, was ich meine), hatte ich Angst, dass sie stante pede einen halben Meter zurückspringt und sich nie wieder meldet, weil sie befürchtet, dass ich ihr einen Dreier aufdrängen will.

Denn das Problem sind … sie. Also die Dreier-Bis.

Dreier-Bis sind Frauen, die noch nie eine Beziehung mit einer Frau hatten, noch nie in eine verliebt waren und das auch gar nicht wollen („Irgendwie stand ich schonmal bissel auf meine BF, so rein optisch – hihihi“). Sie haben ausschließlich Beziehungen mit Männern. Warum sie sich trotzdem bi nennen (aber bloß nicht zuviel!)? Weil sie Dreier „irgendwie schick“ finden. Ab und an rennen sie dann noch auf ebenso todschicke „Bi-Partys“. Wer sich nun fragt, was genau das sein soll, der lese gerne hier nach. Jup. Der fleischgewordene Hetero-Mainstream-Porno-Traum. Lauter geile wilde Weiber, natürlich allesamt ganz wunderherrlich und eigentlich doch hetero und in festen Beziehungen mit Männern und so, aber schon auch irgendwie bi, nur so im sexuellen Sinne und nur so bisschen, bloß nicht zuviel, versteht sich, und alle mit mindestens C-Körbchen und so, die gemeinsam mal die Sau rauslassen – mit Vibrator und Strapsen etc. (wird das eigentlich gleich live ins Netz übertragen?).Der geneigte Leser fragt sich, ob da irgendeine(r) deutlich zuviel Beate Uhse Pornos gesehen hat. Aber lassen wir das.

Dreier-Bis flöten Sätze wie „Ich will mal meine lesbische Seite entdecken“. Ihre Motivation bewegt sich irgendwo zwischen „Mein Freund findets geil“ und „Mein Mann wird eifersüchtig, wenn ich mit nem Kerl fremdgehe, aber bei einer Frau steht er drauf („Darf er mal zugucken?“)“.

Dreier-Bis sind sich nicht zu blöd, lesbische Frauen nach einem Dreier zu fragen oder zumindest nach besagtem“Zugucken“ („Das wär ja dann schon eher mit mir, er hält sich dann mehr im Hintergrund“).

Dreier-Bis denken, bi zu sein, besteht hauptsächlich darin, es unbedingt mit einem Mann und einer Frau gleichzeitig treiben zu wollen. In ihrer Vorstellungswelt gibt es gar keine Bisexuellen, die nicht auf Dreier stehen („Aber dann bist Du doch nicht bi!“).

Sie sagen verständnisvolle (*hust*) Sätze wie „Wenn ich sie (also Frauen, Anm. der Redaktion^^) anspreche, haben viele das Gefühl, nur für einen Dreier benutzt zu werden. Natürlich wünsche ich mir Dreier, aber alle sollen daran Spaß haben.“ (Quelle)

Bis vor kurzem fanden die meisten Dreier-Bis Lesbensex noch „irgendwie eklig“, aber seit sie regelmäßiger Pornos gucken, haben sie verstanden, dass das grad in sein muss.

Einer persönlichen Feldstudie zufolge sind Dreier-Bis nahezu deckungsgleich mit der Gruppe Frauen, die noch vor ein paar Jahren bei Second Hand laustark „Igitt“ brüllten, es aber total cool finden, seit „Vintage“ draufsteht. Vermutlich würden sie sich auch eine grünkarierte Tennissocke auf den Kopf setzen, wenn’s angesagt wäre.

Mit anderen Worten: Dreier-Bis sind unglaublich nervig. Und unglaublich laut. Und unglaublich lästig. Und der Grund dafür, warum viele Bis sich Homosexuellen gegenüber gar nicht mehr outen wollen. Wer will schon ernsthaft mit denen (also den Dreier-Bis) verwechselt werden?

Wenn alte feministische Forderungen von Männerrechtlern übernommen werden (und man dabei so tut, als habe man das Rad neu erfunden)

Stichwort Kinderbetreuung: Hier ist auffällig, dass Teile der Männerrechtsbewegung v. a. Väterrechtler in letzter Zeit vehement eine gerechte Aufteilung fordern. Dabei tun sie oft so, als wäre diese Forderung etwas revolutionär Neues, nie Dagewesenes, quasi ein Tabubruch. Teilweise wird sogar so getan, als gäbe es da erheblichen Widerstand von feministischer Seite, dem sich die Väterrechtler mutig entgegenstellen müssen – eine moderne Heldensaga.

Ich muss da ja immer ziemlich schmunzeln.

Denn tatsächlich ist eine Aufteilung von Kinderbetreuung und Haushalt sowie entsprechend eine Aufteilung der Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern ein Grundpfeiler des Gleichheitsfeminismus. Gleichheitsfeministinnen wurden für diese Ideen jahrelang übel beschimpft und angefeindet, als „Gleichmacherinnen“, „Kinderfeinde“, „unweiblich“, „Mannweiber“ und ähnliche Freundlichkeiten mehr.

Es gab immer und gibt noch heute differenzfeministische Strömungen, die dem Traditionalismus sehr nahe stehen und entsprechend auch eher ein traditionalistisches Familienbild vertreten. Die Mehrzahl war das nie.

Tatsächlich sind es eher konservativ-reaktionäre Kreise, die sich keine solche Aufteilung vorstellen können und entsprechend dagegen sind.

(Mein Eindruck ist ja übrigens eher, dass man mit dem Erzählen der modernen Heldensaga vom „Drachentöter“ vor den antifeministischen Kumpels aus dem Männerrechtlerlager verschleiern möchte, dass man tatsächlich alte feministische Forderungen gutheißt und vertritt – da muss dann rasch eine Legende her).

Hass auf Alleinerziehende

Liest man im Netz einen Artikel über Alleinerziehende v. a. über alleinerziehende Mütter, versammeln sich darunter immer auch fast zwangsläufig eine Reihe unsachlicher, hasserfüllter Kommentare. Auch im RL habe ich solche Kommentare bereits gehört – von Männern wie von Frauen.

Auffällig ist, dass diese Kommentare ganz häufig mit der geschilderten Situation kaum etwas zu tun haben, sondern irgendwelche Einstellungen unterstellt werden – z. B. Verbitterung, selbst wenn die Alleinerziehende sehr lebensfroh ist oder Sozial-Schmarotzertum, selbst wenn die Alleinerziehende Vollzeit arbeitet. Auffällig ist auch, dass die Betreffenden Alleinerziehende v. a. alleinerziehde Frauen offenbar generell ablehnen.

Sie hat ihren Partner verlassen? – Sie hat die Familie zerstört, wie widerlich!

Sie wurde verlassen? – Sie muss so ein Drache sein, dass er nicht anders konnte!

Der Vater sieht die Mutter oft, die Eltern teilen sich eventuell sogar die Zeit mit den Kindern? – Faules Stück, lädt die Kinder beim Vater ab, weil sie sich nicht kümmern will!

Der Vater sieht die Kinder nicht oft? – Kindesentzug! Und zwar ganz egal, wie die Umstände sind. Selbst wenn der Vater die Kinder nicht sehen will, ist ganz bestimmt die Mutter schuld, weil sie …. wahlweise: a) Vater und Kinder entfremdet hat b) so ein Drache ist c) sich so einen Mann ausgesucht hat!

Sie arbeitet Vollzeit? – Rabenmutter! Vernachlässigt ihre Kinder!

Sie arbeitet Teilzeit? – Miststück, hockt dem Vater und/ oder dem Staat auf der Tasche und macht sich einen faulen Lenz!

Sie arbeitet Teilzeit und erhält gar keinen Unterhalt? -Miststück, weil sie so faul ist, muss das Kind auf alles verzichten!

Beim Thema Alleinerziehende erhält man wirklich den Eindruck, dass es da eine bestimmte Klientel gibt, die so hasserfüllt ist, dass es die Alleinerziehende unter gar keinen Umständen recht machen kann.

Das erschreckt mich wirklich.

 

 

Das Ding mit den „natürlichen Konsequenzen“

Eben habe ich auf Mollys Blog einen interessanten Beitrag zu Strafen und Konsequenzen gelesen. Und das erinnerte mich wieder an meine Zeit als ganz junge Mutter. Man war ja hochmotiviert. Wollte alles richtig machen. Und dann kamen SIE: Die Verfechter der „natürlichen Konsequenzen“. Heißt, Strafen darf man nicht. Kinder lernen ausschließlich aus den natürlichen Folgen ihres Handels. Hört sich in der Theorie ganz klasse an. In der Praxis sieht das dann so aus:

Ausgangssituation: Muttern muss zum Arzt und das Kind muss mangels Betreuungsperson mit. Leider sieht das Kind überhaupt keine Notwendigkeit, mit zum Arzt zu kommen.

Mutter: „Schätzchen, wir müssen los, bitte zieh dir Schuhe und Jacke an.“

Kind: schweigt und baut einen Legoturm.

Mutter: „Ich muss zum Arzt. Zieh dich bitte an.“

Kind: „Ich will nicht zum Arzt.“

Mutter: „Nein, aber ich muss zum Arzt und Du musst mit, weil keiner auf dich aufpassen kann. Zieh dich jetzt an.“

Kind: „Ich will aber lieber Lego bauen.“

Mutter: „Ja, das kannst Du ja danach gleich wieder, aber jetzt müssen wir los, sonst komm ich zu spät.“

Kind: „Brüllllllllllll. Ich will nicht zum blöden Arzt. Ich will keine blöde Jacke anziehen.“

Mutter verliert mit Blick auf die Uhr die Nerven und steckt das Kind in Jacke und Schuhe. BlingBlingBling – die „böse Mutter“-Alarmanlage schaltet sich an. Eigentlich sollte man ja nicht … Hat nicht die Frau im Kurs gesagt? Und die Mutter vom Alvin? NATÜRLICHE KONSEQUENZEN.

Kind strampelt und schreit und will nicht laufen. Als wir endlich endlich beim Arzt ankommen, ist es 10 Minuten zu spät. Arzthelferin schimpft … mich. Klar. Natürliche Konsequenzen für das Kind? 0. Schimpfen, sauer sein? Fällt unter die verwerflichen „Strafen“, da ja keine natürliche Konsequenz.

Ehrlich gesagt habe ich mich nach solcherlei Erfahrungen gefragt, wie genau Menschen, die angeblich ausschließlich auf natürliche Konsequenzen setzen, ihre Kinder erziehen. Real kenne ich ein paar Leute, die sagen, sie würden … Und naja … tatsächlich … Strafen die meisten davon aber durchaus. Oder, das gibt es auch, die Kinder sind wirklich nahezu unaushaltbar. Alles in allem scheint mir das in der Theorie gut und in der Praxis nicht wirklich konsequent umsetzbar.

Was meint ihr dazu? Wie bekommt ihr das hin?

 

Die besten Halloween-Trickfilme (für Kinder und Erwachsene)

Mein Verhältnnis zu Halloween ist ja etwas zwiespältig. Einserseits war ich schon sehr früh fasziniert von dieser Art „Anti-Party“, wo Gruseliges, Hässliches und Morbides endlich gefeiert wird (Österreichern und speziell Wienern wird ja ohnehin ein gewisses fast schon freundschaftliches Verhältnis zum Morbiden und zum Tod nachgesagt). Andererseits bin ich absolut keine Anhängerin von klassischem Horror und Splatter. Ich liebe Filme wie „The Others“ und hasse Filme, bei denen Blut und Körperteile durch die Gegend spritzen und Angst und Schrecken regieren. Mir gefällt an Halloween vor allen Dingen, dass das Angstmachende und andere eine Nacht lang eben gerade aus dieser „Angstecke“ gezogen wird.

Darum ist mir der mexikanische Dia de los Muertos mit seinem morbid-schönen Charme und der Verbindung zwischen Lebendigen und Toten nochmal ein Stück weit näher.

Schon lange bin ich daher ein Fan von schrägen Trickfilmen mit leichtem Gruselfaktor à la Tim Burton (wobei es bessere Filme gibt als die vom Großmeister). Für Halloween (und den Dia de los Muertos) stelle ich darum hier mal die besten vor. Ich habe sie nach Alterstauglichkeit sortiert, möchte aber dazu sagen, dass natürlich alle etwas gruselig sind und wenn ihr sehr ängstliche Kinder haben solltet, alle durchaus Angst machen können. Wir haben allerdings (bis auf eine Ausnahme, die ich auch selbst schlecht finde) nur gute Erfahrungen gemacht. Kinder sind meist fasziniert vom Tod und vom Mystischen.

  • Die Melodie des Meeres (FSK 0, etwa ab 4 geeignet): Ben lebt mit seiner stummen Schwester Saoirse und seinem Vater in einem alten Leuchtturm. Ben hasst Saoirse, da er sie für das Verschwinden der Mutter verantwortlich macht. Aber Saoirse ist, wie auch die Mutter der Kinder, mehr als ein Mensch. Als an Halloween die Oma der beiden kommt und sie weg von ihrem geliebten Leuchtturm und mit in die Stadt nimmt, wird alles anders.

Dieser irische Film ist wunderschön poetisch gezeichnet und beschäftigt sich mit der irisch-keltischen Mythologie. Besonders schön ist, dass sich die Geschichte der mythischen Figuren und die der Familie schließlich vermischen und die Handlungen aller Figuren so nachvollziehbar werden, auch wenn sie zunächst grausam oder falsch erscheinen. Die Eulenhexe ist schon etwas gruselig, aber nicht eigentlich böse, meine Kinder fanden den Film in jeder Hinsicht toll.

  • Manolo und das Buch des Lebens (FSK 6, würde ich auch ab diesem Alter empfehlen): Die beiden Jungen Manolo und Joaquín und das Mädchen Maria leben in einem kleinen Ort in Mexiko und sind befreundet. Das mythische Ehepaar des Totenreichs, die bunte La Muerte (Herrin des Reichs der erinnerten Toten) und der finstere Xibalbá (Herr des Reichs der vergessenen Toten), befinden sich im Dauerstreit. Sie wetten, wer von den beiden Jungen schließlich Marias Herz erobern wird, wobei La Muerte auf den sanften Manolo und Xibalbá auf den wilderen Joaquín setzt. Jahre später erst setzt sich der Wettstreit fort. Joaquín ist mittlerweile ein strammer Soldat, Manolo Stierkämpfer wider Willen – er wäre lieber Musiker. Durch eine List Xibalbás landet Manolo im Totenreich und muss sich dort bewähren.

Der Film dreht sich sich um die mexikanische Totenmythologie rund um den Dia de los Muertos und ist entsprechend bunt und fröhlich. Es gibt einige dramatische Szenen, aber die sind alles in allem gut aushaltbar. Für Erwachsene ist die teils witzige Hassliebe der beiden Götter ein Highlight.

  • Corpse Bride (FSK 6, ich würde sagen ab 8): Victor lebt im reichlich düsteren viktorianischen England. Er soll mit Victoria verheiratet werden. Trotz der arrangierten Ehe verlieben sich die beiden. Als Victor im Wald sein Eheversprechen übt und dabei einem „Stöckchen“ den Ring übertreift, erweckt er eine Totenbraut zum Leben, denn das vermeintliche Stöckchen ist in Wahrheit ihr Finger. Die tote Braut ist begeistert und nimmt ihn mit in ihr Reich der Toten, das sich als bunter, lebensfroher und lebendiger herausstellt als die Welt der Lebenden. Victor ist hin- und hergerissen und kommt schließlich der tragischen Geschichte der Totenbraut auf die Spur.

Ein typischer Tim Burton: skuril, bunt, voller sympathischer Gestalten und nichts ist, wie es erst scheint.

  • The one and only ParaNorman (FSK 12, ich finde ihn aber nicht so übel, Coraline ist ab 6 und viel härter, ich würde ihn 8- oder 9-Jährigen schon zutrauen, guckt ihn aber erst selbst und entscheidet dann). Norman ist 11 und kann Tote sehen und mit ihnen sprechen. Leider glaubt ihm das keiner, außer sein Freund Neil, und so gilt Norman allen als Freak, sogar seiner Familie. Das ändert sich erst, als eine alte Legende aus der Geschichte der Stadt Wirklichkeit zu werden droht und Geister, Hexen und Untote ihr Unwesen treiben. Norman ist der einzige, der nach und nach versteht, um was es geht.

ParaNorman ist der wohl beste Film dieser Auswahl. Ich kann kaum beschreiben, wie tiefgründig und zugleich witzig der Film ist. Findet es also selbst heraus. Wie gesagt, die FSK Einschätzung halte ich in dem Fall für überhöht, es gibt eben leider nichts zwischen FSK 6 und FSK 12. Auch hier ist aber (Achtung Spoiler!), niemand wirklich böse, auch wenn einige durchaus erschreckend aussehen. Es sind schreckliche Dinge geschehen, aber im Laufe des Film tastet sich Norman (unterstützt von Neil) langsam an die Beweggründe aller Figuren heran. Schaut ihn erstmal selbst, ihr kennt eure Kinder am besten.

  • Coraline (FSK 6, das ist aber komplett verfehlt, der Film geht frühestens ab 9 oder eher 10): Coraline zieht mit ihren Eltern in ein altes Haus und lernt dessen skurile Bewohner kennen. Sie ist sauer auf ihre Eltern, die wenig Zeit haben. Hinter einer verschlossenen Tür, die tagsüber zugemauert ist, findet sie den Eingang in eine andere Welt. Dort ist alles wie daheim und doch ganz anders. Bunt, schön, leuchtend und fantasievoll, die Mutter kocht und ist plötzlich zuckersüß, der Vater gärtnert in einem grandiosen Garten, die Nachbarn geben Zirkusvorführungen, ihr Spielzeug wird lebendig … und alle tragen Knopfaugen. Coraline kommt erst langsam hinter das Geheimnis der anderen Welt und ihrer „anderen Mutter“. Und da ist es fast schon zu spät. Coraline muss buchstäblich um ihr Leben spielen. Zum Glück hat sie neue Freunde gefunden, ihren Nachbarsjungen und einen alten Kater.

Der Film ist großartig. Coraline ist liebenswert schräg, die „andere Welt“ grandios, zauberhaft und gerade darum irgendwie die ganze Zeit unterschwellig bedrohlich, die Geschichte spannend bis zum Schluss. Der Haken: Dieser Film ist absolut nicht FSK 6. Denn anders als bei ParaNorman gibt es hier eine wirklich, wirklich bitterböse und schreckliche Figur, die ebenso bitterböse Dinge tut. Gerade das Umschwingen der vertrauten schönen Welt in puren Schrecken kann auf Kinder sehr verstörend wirken. Insofern rate ich auch hier dazu, ihn unbedingt vorher selbst einmal anzusehen.

  • The Nightmare before Christmas (FSK 6, ich finde aber, er geht erst ab 10). Der Klassiker unter den gruseligen Trickfilmen. Jack Skellington ist der König des Halloween-Landes. Durch einen Zufall findet er heraus, dass auch die anderen Feste im Jahreskreis ihr eigenes Reich haben. Und so landet der schon lange unglückliche Jack im Land des Weihnachtsmanns – und beschließt, diesen einmal abzulösen und dieses Jahr selbst als „Nikki-Graus“ die Kinder zu beschenken. Mit unabsehbaren Folgen.

Super Film, schon alleine die Scherenschnittechnik lohnt. Ich habe länger überlegt, ob ich „Coraline“ oder „Nightmare“ ans Ende dieser Liste setze. Letzten Endes hat Nightmare before Christmas aber noch mehr klassische Gruseleffekte und insofern würde ich ihn erst ab 10 empfehlen. Gerade der Oogie Boogie, der schwarze Mann, ist ein richtiger Kinderschreck, der zudem auch noch zeitweise die sympathische Gruselpuppe Sally und den Weihnachtsmann quält.

Falls sich jetzt jemand fragt: „Verdammt, wo ist eigentlich „Boxtrolls“?“ muss ich leider sagen, dass das genau der eingangs erwähnte schlechte Film ist. Hier werden Skurilität und gewollt düstere Stimmung auf eine Art und Weise übertrieben, die tatsächlich lächerlich wirkt. Es war auch der einzige Film, den ich bei meinen Kindern jemals vor Schluss ausmachen musste, weil sie ihn grauenhaft fanden. Konnte ich absolut nachvollziehen. Unsympathische Figuren, lächerliche, teils ekelhafte Story. Nope, muss nicht sein.

Und zum Schluss noch ein Sondertipp außer der Reihe: Die Doku „Es lebe der Zentralfriedhof“, die sich auf typisch wienerische morbid-schöne Weise mit dem Leben und Sterben auf einem der größten und schönsten Friedhöfe der Welt auseinandersetzt. Wer oder was lebt auf so einem Friedhof, was passiert nachts und was geschieht eigentlich mit einem toten Meerschweinchen? Für Kinder ab 6 Jahren interessant.

Viel Spaß und ein schaurig-schönes Halloween (oder Tag der Toten)!

 

P: S. Und ich lade jeden ein, diese Liste zu ergänzen. Würde mich freuen!