Die Angst von Minderheiten in Flüchtlingsheimen

In meinem letzten Artikel ging es um Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen. Dort erwähnte ich bereits, dass es auch anderen religiösen Minderheiten (also religiösen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen) ähnlich ergeht.

Daraufhin wurde ich auf diesen Vorfall hingewiesen (wobei ich den Ausdruck „Schlägerei“ für den offenbar erfolgten gezielten Angriff ziemlich euphemistisch finde).

Kurzzusammenfassung: Eine Gruppe teschetschenischer Flüchtlinge ging mit Waffen wie Messern und Stöcken auf eine Gruppe jesidischer Flüchtlinge los. Der Streit eskalierte daraufhin. Jesidische Frauen und Kinder campierten daraufhin die ganze Nacht im Freien. Die jesidischen Familien weigerten sich, wieder in die Flüchtlingsunterkunft zurückzukehren.

Besonders berührend fand ich die verzweifelte Aussage einer jesidischen Frau „Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen. alles ist ungewiss, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, hier wie in meiner Heimat bin ich den gleichen Gefahren und Verfolgungen ausgesetzt“.

Warum lassen wir zu, dass sich Menschen in Europa, wo sie eigentlich in Sicherheit sein sollten, wegen ihrer Religion verfolgt und massiv bedroht fühlen?

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15 Gedanken zu “Die Angst von Minderheiten in Flüchtlingsheimen

  1. Wenn von Waffen und Eisenstangen die Rede ist, sind für gewöhnlich Männer Opfer von Gewalt. Findet das Beachtung? Es scheint nicht besonders zu berühren.

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    1. Es ist durchaus ein interessanter Aspekt, dass physische Gewalt meist zwischen Männern stattfindet. Das bedeutet, sowohl Täter als auch Opfer von Gewalt v. a. von Gewalt im öffentlichen Raum, sind meist männlich. Das ist allerdings hier nicht Hauptthema, auch wenn es hier durchaus so zu sein scheint – zumindest in der ersten Gruppe.

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      1. Es geht um den Konflikt zwischen Gruppen. Daher geht es um die Natur des Konflikts, den Prozess, seine Ursachen, und seine Konsequenzen. Was sollte also das Hauptthema sein?

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      2. In diesem Fall der Konflikt zwischen Religionen und Ethnien. Die jesidischen jungen Männer wurden in erster Linie angegriffen, weil sie Jesiden sind. Wären Sie sunnitisch-muslimische junge Männer, wären sie nicht angegriffen worden. Also ist hier die relevante Kategorie „Religion und Ethnie“.

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      3. In-group v. out-group. Die Frage ist, wie groß sich die Gruppen gestalten lassen. Religionen sind wohl nicht der ultimative Grund, kein Selbstzweck. Sie dienen dem Zusammenhalt einer Gruppe. Und Gruppen konkurrieren grundsätzlich mit anderen Gruppen. Gerade diese Konkurrenz ist auch Grund für die Notwendigkeit des Zusammenhalts. Wenn eine Gruppe schlecht zusammenhält, wird sie von einer darin überlegenen Gruppe bezwungen, oft durch Gewalt. — Nochmals, die Frage ist nicht ob es konkurrierende Gruppen gibt, sondern wie groß die sein können. In jedem Fall sind Männer die Waffen und Verteidigung aller Gruppen. Religion bedingt Gruppen. Ebenso Kultur, derer sie ein Teil ist. Und Ethnie.

        By the way: http://nautil.us/issue/35/boundaries/no-you-cant-feel-sorry-for-everyone

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    1. Naja, auch von denjenigen, die dann in Flüchtlingslagern Flüchtlinge anderer Religionen (oder auch Konfessionen, es gibt ja auch innerhalb des Islams starke Spannungen) oder Ethnien angreifen, haben die meisten ja durchaus Fluchtgründe: Krieg, eine schlechte Sicherheitslage, Verfolgung aufgrund ihrer Überzeugung, prekäre Lebensverhältnisse. Das sind alles Fluchtgründe, die absolut nachzuvollziehen sind. Allerdings suchen sie dann eben nicht automatisch nach Demokratie und gleichen Rechten für alle. Das ist, so habe ich oft den Eindruck, eine sehr idealisierte Einstellung zu Flüchtlingen: Der aufrechte Demokrat, der verfolgt wird, weil er für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit eintritt. Natürlich gibt es solche Flüchtlinge, sogar einige, viele aus dem Iran, immer mehr auch aus der Türkei und aus diversen afrikanischen Staaten, teils auch aus Afghanistan. Aber Fluchtgründe zu haben, ist eben nicht gleichbedeutend mit „ich vertrete demokratische Werte“. Und da fangen dann die Probleme an. Es ist schlicht immer noch nicht geklärt, wie man mit Menschen umgeht, die in ein demokratisches Land flüchten, aber hier „nur“ Sichherheit und z. B. eine gute medizinische Versorgung suchen, für unsere zentralen Werte aber nichts als Verachtung übrig haben. Das vor allem wollte ich auch schon in meinem letzten Beitrag diskutieren.

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      1. Genau das kann ich einfach nicht verstehen: Diese Muslime verachten Christen und Jesiden, weil diese in ihren Augen „Ungläubige“ sind. Aber es sind zum größten Teil diese sogenannten Ungläubigen, die ihnen nun Zuflucht und Schutz bieten, sie medizinisch versorgen und finanziell unterstützen. Das ist doch von Seiten dieser konservativen Muslimen heuchlerisch und total dreist.

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      2. @stephibas: „Genau das kann ich einfach nicht verstehen: Diese Muslime …“

        Ich habe ziemlich viele gute Bekannte aus Syrien, Jordanien und dem Iran und mit denen natürlich in letzter Zeit immer wieder über die Flüchtlinge geredet. Die kennen ihre ehemalige Heimat ziemlich gut (und besser als alle Deutschen, die sich nur über SZ, TAZ usw. „informieren“). Einige Highlights aus Sicht meiner Bekannten, warum wir die Flüchtlinge nicht verstehen und die – aus deren Sicht extreme – Gefährlichkeit dieser Masseneinwanderung so unterschätzen:

        1. Bildung: Wir sind trotz aller Lamentis ein Land mit sehr hohen Bildungsstandards. Abi ist normal, Hauptschule ist die Ausnahme, erst recht Leute ohne Schulabschluß. Unter den Flüchtlingen haben mit hoher Sicherheit mehr als die Hälfte einen Bildungsstand unter unserem Hauptschulabschluß bis hin zu Analphabetentum. Dieses Ausmaß an – aus unserer Sicht – Unbildung können wir uns nicht mehr vorstellen, das zeigt sich an Aussagen wie

        „Das ist doch von Seiten dieser konservativen Muslimen heuchlerisch und total dreist.“

        „heuchlerisch“ unterstellt ein Bildungsniveau, wo ich auch andere Kulturen kenne, mit meiner eigenen vergleichen kann, mich von meiner eigenen Kultur sogar etwas emanzipiere … komplette Fehlanzeige. Leute auf diesem Bildungsstand und IQ im Bereich 70 – 90 führen keine derartigen intellektuellen Diskurse. Bei rechtsradikalen Dumpfköpfen („dieses Land gehört uns! [faust auf tisch]“) fällt uns die Hirnlosigkeit sofort auf und es ist politisch korrekt, das scharf anzuprangern. Flüchtlinge stehen aber auf der Opferstatuspypramide ganz weit oben und sind sozusagen heilige Kühe. Das führt hier bei uns zur perversen Situation, daß wir Leute, die [Margret:] „für unsere zentralen Werte aber nichts als Verachtung übrig haben“ hofieren.

        Zu Falscheinschätzung trägt bei, daß wir in der Vergangenheit fast nur „Bildungsflüchtlinge“ aus diesen Ländern kennengelernt haben, also Personen aus dem oberen Viertel der Bildungsverteilung, die genau wegen der allgemeinen Unbildung und dem religiösen Fanatismus ihr Land verlassen haben. Von diesen Bildungsflüchtlingen wird unzulässig auf alle Flüchtlinge verallgemeinert.

        2. Glaube: Wir zerbrechen uns immer wieder den Kopf, was nun im Koran steht und ob es das Gegenteil dessen bedeutet, was da wörtlich steht (Männer sollen Frauen, die nicht spuren, verprügeln, etc.). Eine Syrerin hat mir einmal ausführlich dargestellt, daß es keine Rolle spielt, was im Koran steht, denn die meisten Muslime können gar nicht lesen oder nicht arabisch lesen oder haben gar keine Zeit, die ellenlangen Texte zu lesen und zu versuchen, einen Sinn zu extrahieren. Die meisten haben als einzige Informationsquelle ihren lokalen Imam oder eine ähnliche Autorität, und das sind regelmäßig Haßprediger.

        3. „Was wollen diese muslimischen Flüchtlinge eigentlich hier!?“ Letztes Jahr habe ich irgendwo eine Reportage über eine Gruppe Flüchtlinge auf ihrer Flucht gelesen, in einer Szene, irgendwo in Deutschland, kam die Frage hoch, ob man hier bleibt oder besser nach Schweden zieht. Schweden hat gewonnen, nach kurzer Debatte. Keine tiefschürfenden soziologisch-geographischen Analysen.
        Margret hat ja hier schon genügend Gründe genannt, warum Europa ein Paradies im Vergleich zu den Verhältnissen im nahen Osten ist. Daß die Leute dort die falsche Religion haben, ist das kleinste Problem, dafür gibt es die Taqiyya, und wenn man etwas sucht, findet man auch in D islamische Monokulturen, wo man ungestört unter sich ist.

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      3. Sorry, war im Spamordner gelandet, wahrscheinlich wegen Links. Ich würde dir allerdings widersprechen. Zunehmend radikalisieren sich ja auch hochgebildete junge Muslime. Das war gerade beim Pariser „Bombenbauer“ wieder der Fall und bereits bei den Attentätern vom 11. September. Warum das so ist, darüber lässt soch derzeit nur spekulieren. Ich vermute aber, dass eine starke Zerissenheit zwischen zwei Wertesystemen dazu führen kann, dass man sich irgendwann dem einen radikal zuwendet.

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  2. Das ist nicht merkwürdig.
    Das ist der normale Pragmatismus dieser Moslems in der Fremde. Solange in der Minderheit, wird auf Minderheitenschutz gepocht. Sobald ein relevanter Bevölkerungsanteil erreicht wird, wird gefordert das Gesetze und Gesellschaft dem Islam /Scharia) angepasst werden soll und wenn dann in der Mehrheit, wird islamisches Gesetz rigoros durchgesetzt und Minderheiten so sie nicht Buchgläubige (Christen und Juden) anerkannt werden, wie verfolgt.
    Da der Islam eine politische Religion ist, die untrennbar (solange es nicht zu einer Reform kommt) mit einem eigenen Rechtssystem für das Zusammenleben verbunden ist, ist dies auch kein Wunder. Zudem werden Christen hier bei uns gar nicht als Gläubige betrachtet, da sie keinerlei echtes Glaubensleben (sie beten nicht am Tag, sie gehen nicht in die Kirche usw.) erkennen lassen.

    Hier in unseren Staaten herrscht eine unglaubliche Unwissenheit über das Wesen und die Gefährlichkeit des heutigen politischen Islams. Und das trotzdem, dass sich die Auswirkungen in jedem Land zeigen, in dem dieser Islam in großer Zahl zuwandert. Man glaubt den Beteuerungen „Das hat doch mit Islam nichts zu tun“ oder dem Vergleich von Klu-Klux-Klan mit IS. Leider ist das eine sehr naive Sicht. Der IS beruft sich auf nicht s weniger als auf das Leben von Mohammed, der als Kriegsherr genauso grausam agiert hat. Und solange der Islam, das Sunnat (das exkakte Nachahmen des Lebens des Propheten) als gleichwertig zum Koran ansieht, wird es weiterhin äußerst merkwürdig auf uns wirken und wir die unser Leben in sehr einschränkender Form ändernde Wirkung erst sehr spät erkennen.
    Das z.B: Frauen und Männer in einzelnen Bädern bereits getrennt werden, damit es nicht zu Belästigungen kommt ist kein Auswuchs. Es ist in islamischen Ländern Normalität. Das Frauen sich am Abend nicht mehr auf die Straße wagen ohne männliche Begleitung, ist kein Missbrauch dieses Islams, es ist die konsequente Umsetzung des darin gepflegten Männer- und Frauenbilds.

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      1. Ja das ist richtig. Es würde einen islamischen Luther brauchen, eine Person die den Traditonsteil aus dem Islam abstreift, die kritische Auseinandersetzung mit dem Sunnat erlauben würde und den Quoran als einzige Glaubensquelle durchsetzt.
        Damit würde eine ähnliche Reformation in dieser Religion durchgeführt wie es im Christentum war, als man die Tradition der Katholischen Kirche die bis zum Exzess des Ablass und der wilden Ausschweifungen und Grausamkeiten der Päpste geführt hatte, in Deutschland und vielen anderen Ländern beendete.
        Diese Reformkraft kann aber nur aus dem Islam selbst kommen und darauf muss man auch warten, das gebietet der Respekt vor dem anderen Glauben. Bis zu dieser Zeit aber, sollte man sich klar sein, dass man hier eine ähnliche fanatische Glaubensbewegung vor sich hat, wie es der Katholizismus im 15en und 16en Jahrhundert war. Und ebenso klar wie man die Schuld der Kirche in jenen Jahrhunderten benannt hat, ist auch die Schuld der Imame und Glaubenslehrer im Islam, die immer nur behaupten „Morden gehört nicht zum Islam“, „Gewalt gehört nicht zum Islam“ ohne aber gleichzeitig die Wurzel, die Grundlage des IS, die Berufung auf das Leben Mohammeds und seines gewalt- und grausamen Umgangs mit Ungläubigen, abzutrennen.

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      2. Gab es den „aufgeklärten“ Islam nur, weil Gegenkräfte ihn in „aufgeklärten“ Grenzen gehalten haben? Anders gewendet, ist unter dem Nimbus der totalen Toleranz die Begrenzung aufgehoben worden? Womöglich ist es nicht von Vorteil, „national-konservative“ Einflüsse zu beseitigen. Die „Perfektion“ des Gleichheitsdogmas ist ziemlich problematisch. Sie gibt kein Equilibrium her.

        Wie gut ist dein Englisch, kannst du mit Text oder Ton etwas anfangen?

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