Die gespaltene Gesellschaft

Die Vorfälle an Silvester in Köln sind schon als vieles bezeichnet worden: Als Zäsur, als Wendepunkt, als Katastrophe, als Marginalie, als Ausnahmesituation und als Normalfall. Mit scheint aber, dass sich in der darauf folgenden gesellschaftlichen Diskussion, die sich bald von Köln zum Flüchtlingsthema allgemein wandelte, vor allem eines gezeigt hat: Wie tief gespalten unsere Gesellschaft mittlerweile ist.


Konservative und Linke stehen sich fast unversöhnlich gegenüber, wobei mancher Alt-Linke sich in der Flüchtlingsfrage unversehens im konservativen Lager wiederfindet und mancher konservative Ordensmann plötzlich im linken Lager.


Nun mag man einwenden, dass das alles so Neues nichts ist und eine Spaltung der Gesellschaft schon häufig vorkam. Das stimmt. Nur ist das kein erstrebenswerter Zustand. Wer immer in den 70ern in Folge des RAF-Terrors die Spaltung der Gesellschaft erlebt hat, berichtet, wie erleichternd es war, als sich die Lage in den 80ern langsam normalisierte. Und, auch wenn das nun manchem hochgestapelt vorkommen mag, den meisten kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten paar 100 Jahre ging eine tief gespaltene Gesellschaft voraus.


Ich selbst sah und sehe mich in beiden Lagern nicht klar positioniert, habe in den vergangenen Monaten mit vielen Personen gesprochen und viel dazu gelesen. Was ich nachfolgend schreibe, basiert also auf meinen subjektiven Eindrücken.


Personen mit eher konservativer Grundeinstellung sind irritiert. Jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang wurden sie von eben dem anderen „Lager“ scharf angegriffen, kritisiert für allzu traditionalistische Vorstellungen, für ein Hochhalten der Ehe als einzige Lebens- bzw. Familienform, für eine enge Moral und starre Religiosität, für die Ablehnung der Homo-Ehe, für Homophobie und Rückwärtsgewandtheit.


Konservative, auch das muss man sehen, haben sich in ihrer Mehrheit bewegt in diesen Fragen. Bis auf schmale extreme Ränder finden sich, auch wenn das nun wie eine Selbstverständlichkeit klingt, in unserer Gesellschaft kaum noch Personen, die etwa Schwule und Lesben, Transfrauen und -männer körperlich angreifen, brutal beschimpfen, als „Schande für die Familie“ o. ä. bezeichnen. Und gibt es sie, so geraten sie, anders als in anderen Gesellschaften, schnell in die Defensive (und das völlig zu Recht!). Dass „Frauen an den Herd gehören“ und „Männer raus ins Leben“ liest man zwar öfter noch, aber meist immerhin bereits in abgeschwächter Form. Patchworkfamilien müssen sich nicht mehr verstecken, Geschiedenen haftet kein Stigma mehr an und uneheliche Kinder werden schon lange nicht mehr ausgelacht. Es gibt eine vergleichsweise hohe Akzeptanz für andere Religionen als das Christentum und selbstverständlich auch für Menschen ohne Bekenntnis.


Die Mitte einer Gesellschaft konstituiert sich von ihren Rändern her und diese Ränder sind in unserer Gesellschaft bisher, nach jahrzehntelanger Arbeit, weitaus weniger extrem gewesen als andernorts, wo es oft quasi als „normal“ gilt, Menschen anderer Religionen bzw. ohne Religion zumindest misstrauisch zu beäugen, zu diskriminieren, ledige Mütter und deren Kinder zu beschimpfen, Schwule und Lesben für krank zu halten, Transmenschen auf offener Straße anzugreifen oder Menschen, die sich nicht geschlechtsspezifisch kleiden oder geben, anzufeinden und auszuschließen.


Insofern, so mein Eindruck, sind Konservative sehr irritiert, wenn nun Menschen, die sie jahrelang für o. g Positionen kritisiert und diese bekämpft haben, auf einmal frenetischen Applaus spenden für Menschen, die aus Gesellschaften kommen, die in ihrer Mitte weit radikaler und konservativer denken, als erstere es jemals getan haben. Da sich Konservative hierzulande in den meisten Fragen bewegt haben, denken sie in fast allen Fällen z. B. in der Frage von LGBT-Lebensstilen weniger konservativ als viele Menschen aus Russland, Syrien, dem Irak, dem Kosovo, der Ukraine …


Darum, und eben darum, irritiert sie die Willkommenskultur so derart. Natürlich gibt es auch Menschen mit rassistischer Haltung, aber in den meisten Fällen sind mir in den letzten Monaten Menschen begegnet, die zutiefst verunsichert darüber waren, dass plötzlich eine wesentlich konservativere Haltung als ihre eigene Fuß fasst oder sie das zumindest befürchten.


Auf der anderen Seite sind Menschen mit eher linker Grundeinstellung irritiert. Dieselben Menschen, die jahrzehntelang konservative Positionen verteidigt haben, Werte wie Familie und Religion hochgehalten haben, sie ausgelacht, politisch bekämpft oder gar beschimpft haben, gerieren sich nun als Vorkämpfer für „linke“ Werte?


Menschen, die das diffamierende Wort „Gutmenschen“ für sie geprägt haben, wollen auf einmal die Rechte von Homosexuellen, Frauen, anderen Religionen, Religionslosen verteidigen?
Eigentlich müssten Personen mit konservativer Grundeinstellung doch glücklich sein über konservative Einstellungen bei Migranten und Flüchtlingen? Warum also sind sie es nicht?


Schnell schleicht sich da der Verdacht ein, die tieferliegenden Gründe müssten eigentlich in der konservativen Grundeinstellung der betreffenden Personen liegen und damit in Rassismus, denn bisher haben mitnichten die Personen, die sich jetzt dafür einsetzen, solche Werte verteidigt. Im Gegenteil, man selbst wurde teils wüst angegriffen für den Einsatz für Religionsfreiheit, verschiedene Familienformen, die Rechte von Frauen und LGBT-Menschen.


Sie fürchten zudem, wenn sie die Argumente „der anderen“ aufgreifen oder Verständnis dafür zeigen, könnte das Fremdenfeindlichkeit und Rassismus Tür und Tor öffnen.


Und so werfen sich beide Gruppen Doppelmoral vor, toben die Grabenkämpfe, wütet man gegeneinander, ohne je wirklich miteinander zu reden. Ein Kampf der, so scheint mir zumindest, eigentlich auf einem tiefen Missverständnis und vielen, teils sehr alten, Wunden beruht.


Es wäre, scheint mir, an der Zeit, dass beide Lager aufeinander zugehen, sich Fehler eingestehen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten.


Konservative müssten vielleicht zugestehen, dass ihnen verschiedene „linke“ Werte ans Herz gewachsen sind, dass offenbar „die anderen“ in der Vergangenheit mit einigen Dingen so unrecht nicht hatten. Dass eine pluralistische, freiheitliche Gesellschaft das ist, was sie offenbar auch wollen. Eine Gesellschaft, in der konservative Werte ihren Platz haben, aber diese nicht die einzig mögliche, „seligmachende“ Lebensform sind.


Linke dagegen sollten sich wohl vom generellen Rassismusvorwurf lösen, er trifft eben vielfach nicht zu und zugestehen, dass es tatsächlich Probleme mit sehr konservativen, manchmal unserer Gesellschaft und unseren Werten gegenüber feindlichen Positionen bei Migrantengruppen gibt, die unserer freiheitlichen-demokratischen Wertordnung entgegenstehen. Und das nicht als Rassismus begreifen, sondern als Problemstellung, die es zu lösen gilt (was natürlich nicht dedeutet, dass man sich tatsächlich rassistischen Positionen anschließen soll).


Zudem sollten beide Gruppen sich im Gespräch immer deutlich von radikalen Positionen distanzieren: Die einen von rechtsradikalen und allzu radikal-konservatistischen, die anderen von islamistischen sowie von linksradikalen Positionen. Vielfach habe ich gehört und gelesen, das „verstünde sich ja von selbst“. Aber so ist es nicht. Wenn man sich von den radikalen Ausprägungen der jeweils anderen Gruppe distanziert, sollte man sich immer auch deutlich von denen distanzieren, die im eigenen Meinungsspektrum vorkommen. Das erleichtert das gegenseitige Verständnis einfach sehr und entschärft die Diskussion.


Nicht mehr miteinander zu reden dagegen, das Gespräch zu blocken, sich gegenseitig Doppelmoral vorzuwerfen, führt nur zu einer weiteren Vertiefung der Gräben, und dazu, dass die radikalen Ränder immer mehr Zulauf finden. Weil keinerlei gegenseitiges Verständnis mehr stattfindet und der „Austausch“ sich auf Beschimpfungen und Schuldzuweisungen beschränkt.


Ich bezweifle, dass es das ist, was die meisten von uns wollen und vermute eher, dass letztlich eine freiheitliche, friedliche Gesellschaft das ist, was gewünscht ist. Verständnis füreinander zu haben, wäre der erste Schritt dazu.


Und schließlich: Wir haben in den letzten Jahrzehnten als Gesellschaft unheimlich viel erreicht. Das mag jetzt kitschig klingen, aber letztlich war es eine Gemeinschaftsarbeit, die sich durchaus auch aus dem Widerstreit und aus dem immer wieder „Aufeinander Zugehen“ ergeben hat. Es war und ist eine Gesellschaft, in der es sich zu leben lohnt. Sicher noch verbesserungswürdig, aber im Großen und Ganzen ein „gelungenes Projekt“. Und darauf können wir stolz sein und sollten das nicht kaputt machen.

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23 Gedanken zu “Die gespaltene Gesellschaft

  1. „Und darauf können wir stolz sein und sollten das nicht kaputt machen.“

    Mal schauen. Vielleicht wird Deutschland irgendwann wie der Nahe Osten und das war’s dann.

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  2. Ja, dass die Gesellschaft tief gespalten ist macht mir mittlerweile auch Sorgen. Und es geht in einigen Fällen sogar so weit, dass sogar Freundschaften daran zerbrechen. Ich habe zwei Freunde, die auch auf Facebook aktiv sind, und wenn ich sehe, was sie in ihrer Chronik posten, muss ich feststellen, dass es wohl nur noch noch eine Frage der Zeit ist, bis es zwischen den beiden richtig knallt. Was natürlich prekär wäre, weil die beiden Schwanger und Schwägerin in spe sind. Ich sehe mich jedenfalls nicht in einer beiden Lagern positioniert, und ich finde, dass sich auch keiner dazu nötigen lassen muss, sich entweder auf der linken oder rechten Seite zu stellen. Es scheint ja nur noch zwei Sorten von Menschen in Deutschland zu geben: Auf der einen Seite der sogenannte „Neonazi“, auf der anderen Seite der sogenannte „Gutmensch“.

    Was mich von linker Seite total stört, ist die Bezeichnung „besorgter Bürger“, die natürlich absichtlich in Gänsefüßchen gesetzt wird, um zu verdeutlichen, dass es nur ein euphemistische Bezeichnung für Rechtsradikale ist. Es gibt in der deutschen Bevölkerung rasstische Arschlöcher, die für Flüchtlinge und Migranten eine Gefahr darstellen, die Volksverhetzung betreiben und nachts Asyl-Häuser abfackeln. Diese Leute zu verachten und zu verfolgen ist demnach natürlich richtig. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass unter den Flüchtlingen und Migranten ebenfalls Arschlöcher gibt, die für uns gefährlich sind, Beispiel Köln. Und ich lass mich bestimmt von niemanden als „besorgter Bürger“ beschimpfen, wenn ich meine Besorgnis darüber äußere, dass scharenweise arabische und afrikanische Hinterwäldler zu uns rüber kommen, die in ihrer Kultur gelernt haben, dass wir Frauen nur Nutzvieh ohne Rechte sind.

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    1. So sehe ich das auch. Ich halte mich aus solchen Diskussionen völlig raus. Ich like auf Facebook keine Beiträge zu dem Thema, ich enthalte mich so weit ich kann irgendwelcher Meinungsäußerungen und ich stelle mich auf keine Seite.
      Zumal beide Seiten derart irrational sind, dass ich mich damit überhaupt nicht identifizieren kann.
      Auf der einen Seite scheinen diejenigen zu stehen, die sich in Weltuntergangsfantasien ergehen und aber genau dazu beitragen, indem sie gutgläubig rechtsradikale Parteien wählen (und es ihnen völlig egal ist, was die noch so im Wahlprogramm haben), und die anderen sind zwar in einer Hinsicht blind wie kopflose Hühner, andererseits wittern sie aber überall Wiederbetätigung und haben Panik vor dem 3. Reich Version 2 (als würde die Mehrheit der „Besorgten Bürger“ jemals wieder eine solche „Regierung“ wollen, in der sie sich früher oder später selber davor fürchten muss, in den Rücken geschossen zu werden).
      Wenigstens scheinen zumindest in Österreich langsam auch die mittigen und linken Parteien zu kapieren, dass ihnen mit „Willkommenskultur“ um jeden Preis scharenweise die Wähler davonrennen, und entweder gar nicht wählen gehen, oder sich eben diesen primitiven rechten Parteien zuwenden.

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  3. Traurigerweise sieht es für mich so aus als ob Hass etwas ist auf das die Menschen kaum verzichten können. Die Richtung mag zwar von Person zu Person unterschiedlich sein, aber am Ende ist er fast immer irgendwie da. In den meisten Fällen natürlich gegen Leute die jemand anderen hassen. Bevorzugt einen selbst, aber das ist natürlich keine Grundvoraussetzung. Je extremer man ist umso leichter kann man dann auch eigenes Fehlverhalten übersehen oder rechtfertigen. Dabei kann man sich dann sogar noch super fühlen, schließlich richtet sich das gegen die Bösen. Die haben es verdient so behandelt zu werden, wie sie andere (angeblich) behandeln. Die Gegenseite denkt natürlich genauso und entsprechend können dann beide Seiten zu Mitteln greifen die ihrer Meinung nach die anderen nicht zu stehen sollten. Entsprechend ist das mit den aufeinanderzugehen ein netter Gedanke, aber wie viele wollen das wirklich? Kompromisse und Entgegenkommen sind schließlich Schwächen oder bedeuten das man die andere Wange hinhalten soll. Da ist es besser seinen Feind zu besiegen und „Punkte“ für die eigene Seite zu machen.

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      1. Da wäre ich mir nicht so sicher. Eine gewalttätige Revolution ist etwas was sich durchaus welche zu wünschen scheinen. Wenn man zu tiefst davon überzeugt ist auf der „richtigen“ Seite zu sein, dann gibt es so ziemlich kein Mittel das zu weit geht. Die alte Welt niederbrennen um darauf eine neue bessere zu bauen ist dann auch völlig legitim. Dazu gehört auch die „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“-Attitüde. Die Spaltung ist eigentlich dabei nicht das Problem. Die Tatsache das Gegenposition allgemein kaum noch ertragen werden können ist die Wurzel des Übels. Einigkeit wollen die meisten, damit ist aber eigentlich nichts anderes gemeint als das man keinen Widerspruch möchte.

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      2. Schwer zusagen, vielleicht in diesem extremen Ausmaß noch nicht. Im kleinen jedoch scheint es das schon recht häufig zu geben. Wenn man jemanden widerspricht und dann jeder Satz den man von sich gibt auf eine Weise verdreht wird die nichts mehr mit der ursprünglichen Form zu tun hat. Oder wenn man eine alternative Erklärung für ein bestimmtes Verhalten hat und der Kommentar dann nicht freigeschaltet wird, weil dies die akutellen Vorurteile in Frage stellen würde. Das dann auch noch bei Leuten von den man gedacht hat sie sein eigentlich noch recht vernüftig. Wie soll da welche aufeinander zugehen? Das verlangt eine Offenheit welche zwar viele meinen zu haben, die aber von den meisten nur die Dinge betrifft die sie selbst schon akzeptiert haben. Da geht man nur auf jemand anderen zu um ihn auf die eine oder andere Art niederzuwalzen. Sind halt keine richtige Menschen mehr sondern Feinde. Gibt keinen kürzeren und effektiveren Weg um Leute zu entmenschlichen.

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      3. @Resolute nuss: wie gut ich dich verstehe! Habe ja schon öfter mitbekommen, wie du das erlebst und wie geduldig du argumentierst – aber wenn der Wille zum Verstehen einer anderen Position nicht vorhanden ist, ist alles umsonst.

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  4. Hi Margret,

    „Zudem sollten beide Gruppen sich im Gespräch immer deutlich von radikalen Positionen distanzieren: Die einen von rechtsradikalen und allzu radikal-konservatistischen, die anderen von islamistischen (…) Positionen.“

    Nicht nur islamistische, schon orthodox-konservativ-islamische Positionen sind leider mit Menschenrechten und Demokratie nicht vereinbar.
    Nur eine aufgeklärte/liberale Islam-Interpretation ist mit Menschenrechten und Demokratie vereinbar. Ein aufgeklärter/liberaler Islam existiert als Minderheitenströmung. Natürlich steht zu wünschen, dass diese langfristig dazu beitragen wird, die islamische Welt zu modernisieren und humanisieren.

    Der konservativ-orthodoxe Islam ist hingegen eine vormodern-autoritäre Ideologie mit menschenrechtswidrigen Inhalten, die autoritäre Sozialisationsformen begünstigt, denn die islamischen Länder haben die Aufklärung als Phase der kulturellen Evolution noch vor sich. (Wobei es in der Vergangenheit, im Zeitraum zwischen 800 -1100, bereits eine Welle der Aufklärung in der islamisch geprägten Kultur gegeben hatte, die aber leider wieder rückgängig gemacht wurde.)

    Daher ist es keineswegs per se konservativ oder gar rassistisch, eine Masseneinwanderung von orthodox-konservativ sozialisierten Muslimen nach Deutschland abzulehnen, vielmehr gibt es dafür m.E. gute – linke und liberale – Gründe:

    1. sind orthodox-konservative Muslime in der Regel schwer integrierbar. Der langfristige Fortbestand einer auf Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie beruhenden Gesellschaft hängt aber wesentlich davon ab, dass nicht zu viele Gesellschaftsmitglieder einem stark davon abweichenden Werte-, Normen- und Glaubenssystem anhängen.
    2. hat eine mißlungene Integration von Muslimen potentiell schwerwiegendere Folgekosten als eine mißlungene Integration anderer Gruppen, da der orthodoxe Islam (im Gegensatz zu liberalen Islam-Interpretationen, die es zum Glück auch gibt, die sich aber bisher noch nicht durchgesetzt haben) Elemente enthält, die bei mißlungener Integration in westlichen Aufnahmegesellschaften eine stark problematische selektive und radikalisierte Islaminterpretation als dsyfunktionale individuelle Bewältigungsstrategie bei dafür anfälligen Individuen ermöglicht.
    3. Je mehr desintegrierte Muslime es in einer westlichen Aufnahmegesellschaft gibt und umso größere negative soziale Folgen dies nach sich zieht, desto größer ist das Risiko, dass sich zunehmend mehr Teile der einheimischen Bevölkerung bei fortgesetztem Ausbleiben angemessener, realistischer und wirkungsvoller Reaktionen seitens linker, liberaler und gemäßigt-konservativer politischer Kräfte auf diese Probleme sich stattdessen rechtspopulistischen oder rechtsradikalen Gruppen/Parteien zuwenden.
    4. Indem durch die irrationale Flüchtlings- und Migrationspolitik Konflikte zwischen Flüchtlings-/Migrantengruppen untereinander sowie zwischen Flüchtlings-/Migrantengruppen und Einheimischen sowie zwischen verschiedenen Gruppen unter den Einheimischen zunehmen, wird gemäß dem Prinzip „teile und herrsche“ die Gesellschaft gespalten. Gemeinsamer solidarischer Widerstand gegen die herrschende Klasse wird erschwert.
    5. Im Falle eines Anstiegs der Kriminalität durch desintegrierte islamische Flüchtlinge/Migranten und erst Recht im Falle terroristischer Anschläge wird ein autoritärer Staatsumbau begünstigt.

    „sowie von linksradikalen Positionen.“

    Ich bin linksradikal (traditioneller libertärer Sozialist) und sehe in keiner Weise, warum ich mich von meiner politischen und sozialphilosophischen Weltsicht distanzieren müsste. Ein radikaler Linker kann potentiell eine humanistische, menschenrechtliche und (basis)demokratische Weltsicht haben (z.B. libertärer Sozialismus, Neo-Marxismus, Syndikalismus, Rätekommunismus) oder aber eine autoritäre und antidemokratische Weltsicht (z.B. Leninismus, Stalinismus, Maoismus, politisch korrekter (Vulgär-)Poststrukturalismus). Ein radikaler Rechter hat hingegen niemals eine humanistische, menschenrechtliche und demokratische Weltsicht.
    Ein konservativer Humanismus ist potentiell möglich, ein rechtsradikaler Humanismus nicht, ein linksradikaler Humanismus aber sehr wohl. Linksradikal zu sein muss nicht bedeuten besonders einseitig, dogmatisch, fanatisch oder gar antidemokratisch zu sein, es kann ebenso bedeuten einen basisdemokratischen, libertären radikalen Humanismus von links zu vertreten.

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    1. Vermutlich habe ich mich unklar ausgedrückt: Mit linksradikal meinte ich eine auf Zerstörung des demokratischen (Werte-)systems ausgerichtete Denk- und Handlungsweise, die auch gewaltsame Aspekte beinhaltet. Ich sehe da z. B. Teile der Antifa sowie Teile der „Anarchistischen Bewegung“ (in Anführungszeichen deshalb, weil ich da oft mehr Hang zu Krawall als tatsächliche politische Überzeugung erkenne). Generell meine ich jede Gruppierung, die sich abschottet und Andersdenkende nicht tolerieren kann, sondern lediglich auf die Auslöschung aller „Gegner“ fixiert ist.

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      1. „Daher ist es keineswegs per se konservativ oder gar rassistisch, eine Masseneinwanderung von orthodox-konservativ sozialisierten Muslimen nach Deutschland abzulehnen, vielmehr gibt es dafür m.E. gute – linke und liberale – Gründe“

        Deshalb schrieb ich ja oben, dass die wenigsten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, tatsächlich rassistisch sind und sich auch so manche „Linke“ plötzlich im „anderen Lager“ wiederfinden. Manche haben einfach nur eher diffuse Ängste, manche (wie du) sehr konkrete. Mich z. B. treibt als Christin natürlich der Gedanke um, wie mit meinen Brüdern und Schwestern in islamisch geprägten Ländern umgegangen wird. Und die Realitäten dort schüren bei mir entsprechend Angst.

        Dennoch halte ich es für elementar für den Fortbestand unserer Gesellschaft, dass deren Teilgruppen im Gespräch miteinander bleiben.

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      2. „Dennoch halte ich es für elementar für den Fortbestand unserer Gesellschaft, dass deren Teilgruppen im Gespräch miteinander bleiben.“

        Es gibt aber kein Gespräch. Niemand hat die Bevölkerung in Deutschland gefragt, ob sie Masseneinwanderung aus islamischen Ländern wünscht. Niemand sagt ihnen, wie lange, wieviel, welceh Kosten entstehen und welchen Plan man für Integration hat. Wird alles beiseite gewischt, wir schaffen das, und wer Bedenken anmerkt ist rechtsradikal.
        Dieser Staat gibt keine Antworten,lässt einen mit Bedenken und Ängsten allein. Warum sollte man ihm vertrauen?

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      3. @ Margret

        „Vermutlich habe ich mich unklar ausgedrückt: Mit linksradikal meinte ich eine auf Zerstörung des demokratischen (Werte-)systems ausgerichtete Denk- und Handlungsweise, die auch gewaltsame Aspekte beinhaltet. Ich sehe da z. B. Teile der Antifa sowie Teile der “Anarchistischen Bewegung” (in Anführungszeichen deshalb, weil ich da oft mehr Hang zu Krawall als tatsächliche politische Überzeugung erkenne).“

        Das sehe ich als libertärer Sozialist in der Tradition des Sozial-Anarchismus erwartungsgemäß anders.
        Selbst der Verfassungsschutz und die sogenannte Linksextremismus“forschung“, von denen ja normalerweise, was ihr wissenschaftliches Niveau angeht, gerade beim Thema Anarchismus nicht viel zu halten ist, differenziert – und da haben sie zur Abwechslung auch Recht – klar zwischen den Autonomen (zu denen u.a. der größte Teil der Antifa-Szene gehört) einerseits und dem traditionellen Anarchismus andererseits.

        Will man irrationales, verantwortungsloses und asoziales Gewalthandeln seitens Personen aus dem Spektrum der Autonomen kritisch analysieren, muss man als einen wesentlichen Aspekt in einem multifaktoriellen Modell dabei berücksichtigen, dass es sich in jugendsoziologischer Perspektive bei den Autonomen – zwar nicht ausschließlich, aber doch zu größeren Teilen – um eine linke Jugendsubkultur handelt. Mangelnde theoretische Reflektion, unverantwortlicher Aktionismus bis hin zu gewalttätigen Handlungen sowie Rechthaberei, Dogmatismus und gruppeninterner Konformismus, die in Teilen des autonomen Spektrums auftreten können, resultieren also auch – aber nicht nur – aus einem Mangel an entwicklungspsychologischer Reife, viele wachsen aber zum Glück in einem späteren Alter über solche Einstellungen und Verhaltensweisen hinaus.
        Natürlich gibt es davon abgesehen bei den Autonomen aber auch nicht wenige Personen, bei denen sich solche kritikwürdigen Einstellungen und Verhaltensweisen nicht oder nur in stark abgeschwächter Form finden, man findet bei den Autonomen natürlich ganz verschiedene Persönlichkeiten.

        Der traditionelle Anarchismus ist dagegen keine Jugendsubkultur, sondern beinhaltet ein breites Spektrum von Personen unterschiedlichen Alters, er fußt auf einer langen Tradition an Theorie und Praxis, sucht Anschluss an die normale Bevölkerung und ihre sozialen Problemlagen und die in Teilen des autonomen Spektrums zu Recht kritisierten Aspekte finden sich bei traditionellen Anarchisten im Regelfall nicht.

        Was z.B. die Gewaltfrage angeht, gibt es bei der großen Mehrheit traditioneller Anarchisten in der Regel zwei Positionen – und keine von beiden hat irgendetwas mit irrationalen Krawallen oder mit Angriffen auf Andersdenkende oder auf Polizisten zu tun. Vielmehr geht es im Kontext anarchistischer Diskussionen zur Gewaltfrage wesentlich darum, ob und inwieweit eine – in der Gegenwart gar nicht zur Disposition stehende – potentielle zukünftige, von breiten Teilen der Bevölkerung getragene soziale Revolution vollständig gewaltfrei durchgeführt werden kann oder ob diesbezüglich der Grundsatz gelten sollte „So viel Gewalt wie für den Sieg nötig, aber keinen Millimeter mehr“ – eine Diskussion, die übrigens lange in die anarchistische Ideengeschichte zurückreicht.

        Die Anarchisten der gewaltfreien Aktionsgruppen um die gewaltfrei-anarchistische Zeitung Graswurzelrevolution vertreten z.B. einen vollständig gewaltfreies Revolutionskonzept. (Auch die meisten Vertreter der Strömung des christlichen Anarchismus sind übrigens dieser Position zuzuordnen.)
        Dagegen sind viele Anarchisten aus dem Spektrum des klassenkämpferischen Anarchismus eher der Ansicht, dass es unrealistisch (und vielleicht sogar moralisch fragwürdig) sei von einer revoltierenden Bevölkerung zu erwarten, dass sie auch dann vollständig gewaltlos (re)agieren solle, falls es zu Situationen käme, bei denen sich ihnen gewaltbereite konterrevolutionäre Kräfte entgegenstellen. Dementsprechend wird in dieser Position argumentiert, dass revolutionäres Gewalthandeln in einer solchen Situation u.U. pragmatisch unvermeidbar und ethisch gerechtfertigt sein kann, sich aber auf das für den Sieg absolut Notwendige beschränken muss.
        Beide Positionen zur Gewaltfrage stimmen aber darin überein, dass eine gewaltfreie Revolution das Wünschenswerteste wäre.
        Und im Kontext der politischen und gewerkschaftlichen Arbeit der Gegenwart agieren die Vertreter beider Positionen gewaltlos.
        (Leider bezieht die Graswurzelrevolution aktuell hinsichtlich der Diskussion über das Flüchtlingsthema eine unkritisch politisch korrekte Position, die sich von meiner deutlich unterscheidet.)

        Nebenbei sei übrigens angemerkt, dass wohl keine andere politische Gruppierung in Deutschland so viel dafür getan hat gewaltfreie Aktionsformen in den verschiedensten sozialen Bewegungen bekannt zu machen und zu verbreiten wie traditionelle Anarchisten dies in den letzten Jahrzehnten getan haben.

        In diesem Sinne fände ich es eine gute Sache, wenn du deine Anarchisten-abwertende Haltung etwas überdenken würdest. Diese ist übrigens auch unsolidarisch gegenüber deinen christlichen Schwestern und Brüdern aus der Strömung des christlichen Anarchismus. Ich persönlich bin ja Agnostiker und mit 16 Jahren aus Überzeugung aus der Kirche ausgetreten, aber ich sehe christliche Anarchisten ganz selbstverständlich als Genossen an (solange sie nicht zwanghaft versuchen mich zu bekehren), das Gleiche gilt natürlich auch für jüdische Anarchisten, islamische Anarchisten, hinduistische Anarchisten, buddhistische Anarchisten etc..

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      4. Eine generell feindliche Haltung gegenüber dem Anarchismus habe ich gar nicht. ich kann zwar nicht viel mit deren Theorien anfangen, ich halte sie weitgehend für unrealisierbar, aber ich schrieb ja „Ich sehe da z. B. Teile der Antifa sowie Teile der “Anarchistischen Bewegung”“ und verwies auf die untheoretischen Krwallmacher.

        „Anarchistische Bewegung habe ich in Anführungszeichen gesetzt und extra „Teile“ geschrieben, weil ich eben auch nur Teile davon meine. Und zwar jene, die Du auch ansprichst: Aus dem autonomen-anarchistischen Übergangsbereich. Mir gingen diese, oft durchaus harmlosen, aber manchmal auch gewaltbereiten Jugendlichen in den Demos (und Vorbereitungen) früher immer total auf den Zeiger. Immer diese Hetze, immer dieses „Scheiß-Bullen“-Gegröhle, das war total unfruchtbar und gefährlich für alle anderen Demo-Teilnehmer, wenn die zum X. ten Mal die Polizei provoziert haben (die sich natürlich auch, sehr unprofessionell, provozieren ließ). Das waren wirklich oft genug „Krawallmacher“, mit Lust an Provokation und Zerstörung, wie man sie auf der „rechten Seite“ ja noch mehr findet.

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    2. Ich stimme Leszek in allen Punkten zu und bin positiv überrascht, dass sich ein selbsternannter Linksradikaler sich auf diese Weise kritisch äußert. Sehe ich leider selten.

      Es ist meiner Erfahrung nach wie vor bei den Großteil der Linken so, wie ich schon in Onyx‘ Blog schrieb: Wenn Migranten und Flüchtlinge sich feindseelig gegenüber uns Deutsche verhalten, sich verächtlich gegenüber unsere Kultur, unsere Religion und Bräuche äußern, vielleicht auch noch gewalttätig werden, heißt es immer als erstes: „Aber man darf doch nicht alle über einen Kamm scheren!“ Dabei ist das jedoch kein Problem, das man unterschätzen sollte. Wenn Publizist Hamed Abdel-Samad aufgrund seiner Islamkritik auf Polizeischutz angewiesen ist, oder die amerikanische Comicautorin Molly Norris ihre Identität ändern musste, nachdem sie wegen zensierter Southpark-Folgen protestierend zum „Malt-alle-Mohammed-Tag“ aufgerufen hat, dann läuft in der islamischen Welt definitiv etwas falsch.

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  5. Am schlimmsten geht es vermutlich Waris Dirie, die mittlerweile versteckt in den USA leben muss. Das meine ich ja. Ich finde, die Linke macht es sich mit einem generellen „Rassismus“-Vorwurf oft zu einfach. Und treibt damit die Menschen auch in die Arme rechter Parteien.

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    1. „Unter den Flüchtlingen gibts viele, denen Religion egal ist, es gibt “normale Muslime”, die so weltlich leben wie die meisten hiesigen Christen, es gibt Shiiten, Sunniten, Aleviten, Christen und Jesiden und und und… Vor allem fliehen wirklich viele vor Krieg und den Zuständen in vom IS beherrschten oder von ASSAD bebomten Gegenden.“

      Zweifellos. Aber dass es z. B. in Syrien (aber nicht nur dort) recht normal ist, Homosexualität als Krankheit zu betrachten, und es z. B. auch sehr normal ist, dass Frauen (auch viele Männer) bis zur Heirat bei den Eltern leben und eine Frau schnell „einen Ruf“ hat, ist eben so. Es ist ein sehr anderer kultureller Hintergrund, mit vielen Einschränkungen, die wir auch vielfach bereits überwunden hatten. Und da finde ich, man kann das Argument nicht einfach so zur Seite wischen, dass das zu Problemen führen kann. Das berichten ja auch homosexuelle Menschen sowie Menschen anderer Religionen, die in Flüchtlingsunterkünften leben. Ich kenne recht viele Christen, auch irakische Christen und gegen die gibt es immer wieder sehr offenen Hass. Wie begegnet man dem? Das sind Fragen, denen man sich stellen muss und für die man Lösungen finden muss. Augen zu, wird schon irgendwie gutgehen, halte ich für keine. Blinden Hass auch nicht.

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  6. Natürich kann man sich Sorgen über alles Mögliche machen, wenn so viele Menschen wie letztes Jahr auf einmal kommen, noch dazu aus fremden Kulturen.
    Auch ich hab mir schon Sorgen gemacht, ohne Frage!

    Was ich aber nicht mittragen kann, ist ein Umgang mit diesen Ängsten, der darauf hinaus läuft, einfach alle Flüchtlinge draußen halten zu wollen,

    Dieses vorwurfsvolle „wir wurden aber nicht gefragt“ kommt mir z.B. äußerst naiv vor in einem Land, das seit Jahrzehnten eine repräsentative Demokratie ist und nicht etwa eine direkte.
    Ein Land, das ein Asylrecht (zwangsläufig ohne Obergrenze) hat und zudem bestimmten internationalen Konventionen zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen beigetreten ist.

    Das kann man doch nicht einfach negieren und so tun, als lebten wir in einem Regime, das ständig über alles seine Bürger fragt. Das macht ja nicht einmal die Schweiz, der direktdemokratische Leuchtturm.

    Auch dass nun wahrlich nicht alle Flüchtlinge problematisch sind, die Mehrheit dankbar und friedlich ist, kann man doch nicht einfach wegwischen. Warum sollen all diese Menschen darunter leiden, dass es auch Kriminelle und Islamisten unter ihnen gibt?

    Unter den Flüchtlingen gibts viele, denen Religion egal ist, es gibt „normale Muslime“, die so weltlich leben wie die meisten hiesigen Christen, es gibt Shiiten, Sunniten, Aleviten, Christen und Jesiden und und und… Vor allem fliehen wirklich viele vor Krieg und den Zuständen in vom IS beherrschten oder von ASSAD bebomten Gegenden.

    Auch wer wegen katastrophaler Armut und Perspektivlosigkeit kommt, ist ein Mensch und kein Hass-Objekt, finde ich. Würden wir „in ihren Schuhen“ wandern, hätten viele von uns sich ebenso aufgemacht!

    Dieses Aufschaukeln zu Hass-Wallungen gegen alle – ich kanns nicht nachvollziehen, in den seltensten Fällen sind die Hassenden ja selbst irgendwie von einer Straftat betroffen.

    Derzeit verfolge ich mit Interesse das Blog connection.de – früher war das ein Spiri-Magazin und Verlag mit Seminarhaus. Seit ein paar Wochen wohnen dort Flüchtlinge und Wolf Schneider berichtet regelmäßig aus dem Leben mit ihnen und auch von den Konflikten – spannend!

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  7. Dieses vorwurfsvolle “wir wurden aber nicht gefragt” kommt mir z.B. äußerst naiv vor in einem Land, das seit Jahrzehnten eine repräsentative Demokratie ist und nicht etwa eine direkte.
    Ein Land, das ein Asylrecht (zwangsläufig ohne Obergrenze) hat und zudem bestimmten internationalen Konventionen zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen beigetreten ist.

    Ich finde es interessant, dass du von „Naivität“ sprichst, während dein Posting sehr gut genau die Naivität widerspiegelt, die das ganze Thema so groß und die Debatte so schwierig gemacht hat.

    Zum einen ist es in einer repräsentativen Demokratie nicht üblich, dass eine Regierung in einer derart bedeutsamen Sache, die, wie sie selbst sagt, das Bild und die Anstrengungen der Republiik auf Jahrzehnte hin prägen wird, am Volk vorbeientscheidet.
    Ja, die Regierung hat sich sehr wohl _entschieden_ eine Million (+open end) Migranten aufzunehmen und ohne Grenzkontrolle jedem ein kostspieliges und langwieriges Asylverfahren zu ermöglichen, dabei jedem Bewerber denselben Lebensstandard (plus Zusatzleistungen) zuzusichern, den ein einheimischer Arbeitsloser nach einem Jahr Arbeitslosigkeit bekommt, selbst wenn er jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat.
    Diese Entscheidung hätte man weiß Gott nicht treffen müssen. Man hätte nicht die bestehenden Dublin-Verträge brechen müssen. 25 andere europäische Länder haben es relativ problemlos geschafft, NICHT so viele illegale Einwanderer aufzunehmen.

    Selbstverständlich bin ich dafür, dass man syrische Kriegsflüchlinge in Europa aufnimmt.
    Allerdings tust du so, als würden diese die Mehrheit unter den „Flüchtlingen“ stellen. Das ist nicht der Fall. Mehr als die Hälfte der Einwanderer nutzt das Asylverfahren nur aus, ohne jedoch einen Asylgrund zu haben. Die meisten von ihnen „vergessen“ absichtlich ihren Pass und werden dennoch nach Europa gelassen.

    Wenn sie irgendwo kurzfristig von Grenzen aufgehalten werden – Grenzen, die weltweit selbstverständlich zwischen Nationalstaaten bestehen und deren Übertritt von jeder Bananenrepublik kontrolliert und ggf. verweigert wird – reagieren sie zu großen Teilen mit Gewalt!

    Pauschal von „Flüchtlingen“ zu sprechen, ist falsch, wenn es nicht einmal auf die Hälfte zutrifft.
    Auch die oft beschworene „Perspektivlosigkeit“ ist für mich ein Zeichen von Naivität.
    Gemessen an dem, was wir westlichen Bildungsbürger als „Perspektive“ bezeichnen, sind 90% aller Menschen wohl „perspektivlos“. Die Perspektive in Tunesien ist für einen gesunden jungen Mann nicht schlechter als irgendwo sonst. Es ist seine eigene Aufgabe und die seines Landes, ihm eine zu schaffen, nicht die von mir und anderen deutschen Steuerzahlern.

    Wer Migration objektiv betrachtet, darf nicht nur Push-, sondern muss auch Pull-Faktoren betrachten. Diese sind gerade bei der Masseneinwanderung nach Deutschland oder auch Schweden jedem klar Denkenden (und Zuhörenden) völlig offensichtlich die Hauptfaktoren dafür, dass sich so viele Menschen auf den Weg gemacht haben.

    Dass unter den Flüchtlingen „viele“ areligiös seien und so weltlich leben würden wie Einheimische, halte ich für ebenso naiv und realitätsfremd wie die Annahme, die große Mehrheit der Menschen sei außerordentlich dankbar und unproblematisch.

    Diesen Eindruck gewinnt man natürlich, wenn man sich nur über die öffentlich-rechtlichen Medien und diverse linkslastige Publikationen/Blogs über das Thema informiert und jeweils deren schöne Vorzeigebeispiele an gebildeten, integrationswilligen Flüchtlingen im Gedächtnis hat.

    Wenn man viele Kontakte zu ehrenamtlichen Helfern, Behörden, Lehrern und Ärzten hat, die viele Erfahrungen mit der Klientel gesammelt hat, sieht man das wesentlich realistischer.
    Ich gehe an der Stelle mal nicht in die Details, aber das Anspruchsdenken gepaart mit mangelnder Bereitschaft/Fähigkeit zur Gegenleistung spottet bei einem sehr großen Teil leider jeder Beschreibung.

    Mein Eindruck ist, dass gerade die typische gutbürgerliche Akademikerin, die den Zuzug am meisten begrüßt, das geringste Verständnis hat, die geringste Erfahrung mit der Lebenswelt und Mentalität dieser Menschen.
    Deren (Männer-)Welt erschließt sich gerade deutschen Akademiker-Frauen nicht, weil sie nur miminale Möglichkeiten haben, darin einzutauchen.
    Als Mann ist das etwas einfacher, sowohl was das Reisen in islamische Länder angeht, als auch der Zugang (teilweise auch Konfrontation) mit länger hier lebenden Männern aus diesem Kulturkreis, die ja ihre Frauen eher von jedem Austausch abschotten.
    Ich selbst habe einige muslimische Länder bereist und zudem einen kurdischen sowie einen afghanischen Kollegen (gebildet und lange integriert), welche die Herangehensweise unserer Regierung an das Problem für katastrophal und weltfremd halten.

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    1. „reagieren sie zu großen Teilen mit Gewalt!“

      Hast du da mal eine Quelle? Das ist mir doch ziemlich neu. Einzelfälle, ja. Aber „zu großen Teilen“?

      Was die Zusaammensetzung der Flüchtlinge betrifft, habe ich in den letzten Monaten sehr unterschiedliche Zahlen gelesen. Auf jeden fall finde ich es nicht richtig, Griechenland jetzt mit der Unterbringung alleine zu lassen. Da würde ich eine kontrollierte Einwanderung nach kanadischem Vorbild und zudem eine großzügige Unterstützung von Flüchtlingscamps in den Staaten der EU-Grenzen absolut gutheißen.

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