Freundschaft in Zeiten von facebook und Co.

Heute ist ein sehr interessanter, nachdenkenswerter Artikel in Der Zeit erschienen. Dabei geht es darum, wie Freundschaft sich wandelt und zwar von einem „füreinander Einstehen“ und „sich gegenseitig Helfen“ hin zu einem „Hey, lasst uns miteinander unverbindlich Spaß haben“.


Das Beschriebene entspricht, v. a. je älter ich werde, genau meinen Erfahrungen. Früher mit einem recht großen Freundschaftskreis gesegnet, habe ich diesen in den letzten beiden Jahren absichtlich deutlich reduziert. Weil ich gemerkt habe, wie wenig Sinn  „Freundschaften“ machen, in denen man zwar gemeinsam ins Kino geht oder essen, aber auf die man sich nicht verlassen kann, noch nicht einmal Probleme besprechen kann. Und ins Kino gehen oder Essen kann ich genauso gut auch mit meinem Mann oder den „echten Freunden“, so viel Zeit hat man dann ja auch nicht mehr.


Ausschlaggebend für diese Einstellungsänderung war die schwere Krankheit einer guten Freundin. Wer die „echten Freunde“ waren, sah man plötzlich recht schnell. Obwohl auf ihren Geburtstagen oft genug bis zu 100 Personen waren, waren es noch genau 3, die sich dann um sie kümmerten. Und die Familie. Die ist nämlich gar nicht so ein Auslaufmodell, wie viele denken.

Denn kommt es hart auf hart, ist es meist immer noch die Familie, auf die man sich verlassen kann.

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3 Gedanken zu “Freundschaft in Zeiten von facebook und Co.

  1. Daher bezeichne ich in Facebook diese „Freundschaft“ immer für mich als Kontakt. In Google+ ist das näher der Realität. Dort sind es offiziell nur Kontakte, die man in Kreise sammeln sollte aufgrund des Bezugs zur Wirklichkeit, Freundeskreis, Familienkreis, Arbeitskreis, jeweiliger Hobbykreis, Bekanntenkreis usw. Aber wer nutzt G+ schon? Und wenn, dann in dieser Weise?

    Mir sagte mal jemand „Ich kann mit einem Menschen online eine ebenso vertrauensvolle Freundschaft aufbauen, wie wenn ich ihn persönlich treffen würde“. Ich sage: „Nein“. Damals war ich mir nicht sicher. Jetzt nach einigen Jahren sozialer Medienexistenz bin ich sicher.
    Was sehr viele bei Facebook und Co. vergessen. Viele der eigenen 500 „Freunde“ haben selbst 500 „Freunde“. Der Beitrag mit dem man nach Hilfe schreit, erscheint oft gar nicht bei den meisten, weil Facebook findet, der ist zu wenig relevant für die Hauptbeiträge. Wer schaltet schon auf die chronologische Anzeige um? 500 „Freunde“ die jeder nur einen Beitrag posten pro Tag, macht bereits 500 Beiträge zum durchschauen. Bei zwei Beiträgen sind es schon 1000. Hat irgendwer diese Zeit jeden Tag?

    Ich habe aber langsam das Gefühl, die nächste Generation die gerade erwachsen wird, hat das schon kapiert und sieht FB viel realistischer als es die jetzige noch tut. Und auch ich @gleichheitunddifferenz habe nur wenige Freunde, die ich so nenne. Die kenne ich alle persönlich. In Jahrzehnten gesammelt. In Not und großen Schwierigkeiten bewährt. Meine Freunde. Und ich ihrer auf den sie bauen können. Alles andere sind Bekannte. Nähere und Fernere. Aber nicht mehr.

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  2. Ja, diese Einteilung in Bekannte und Freunde nehme ich mittlerweile auch vor. Aber früher, wenn ich mit jemandem öfter mal aus war, fiel das für mich unter „Freund“. Nun nicht mehr. Ein Freund ist jemand, den ich anrufen kann, wenn es mir schlecht geht. Und der selbstverständlich mich anrufen kann, wenn es ihm schlecht geht. Bei facebook war ich zum Glück ja nie.

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  3. Ja. Bekanntschaft entsteht durch Begegnung und Zusammensein, ob im Netz oder im realen Leben ist egal. Und Freundschaft ist für mich, sich gegenseitig zu helfen, weil man sich mag und persönlich kennt. Ohne Vorleistung und ohne Erwartung auf eine besondere Entlohnung. Daraus entsteht für mich Freundschaft. Wenn es mehr als nur mögen ist und wenn man dann bereit ist, etwas für den andern aufzugeben oder sich im Notfall für den anderen zu opfern, dann ist es Liebe.
    Alles andere zählt nicht 🙂

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