Die Situation für Frauen in Saudi-Arabien

Man lernt ja so einiges auf maskulistischen Seiten. Gerade erst wieder, dass die Situation in Saudi-Arabien doch gar nicht so schlimm für Frauen ist, wie man gemeinhin so dachte ^^.

Denn:

„Männer üben Macht über Frauen aus, Frauen über Frauen, Frauen über Männer und Männer über Männer. Das nennt sich gesellschaftliche Konventionen, die vom Großteil eines Kulturkreises getragen werden und für beide Seiten Einschränkungen, aber auch Privilegien bieten. Die Kritik an solchen Konventionen mit der vorgeblichen Macht einer Teilgruppe zu begründen ist absurd.“ (HansG auf geschlechterallerlei)

Frauen seien  in Saudi-Arabien keinesfalls rechtlos, denn „In Saudi-Arabien wurden gerade erst mindestens vier Frauen in Regionalparlamente gewählt.“

Na dann ist ja alles in Butter, oder?

Und sooooo schlimm ist es doch eigentlich gar nicht „Auch wenn es dort genug zu kritisieren gibt muss man deshalb noch lange nicht so schamlos übertreiben.“

Betrachten wir uns doch einfach mal die rechtliche Situation in Saudi-Arabien:

Dort gibt es bis heute die bis Ende des 19. Jahrhunderts auch in Europa übliche „Geschlechtsvormundschaft“ – allerdings unter verschärften Bedingungen. Jede Frau, egal welchen Alters und welchen Familienstandes, benötigt dort einen männlichen Vormund, nämlich jemanden, der so eng mit ihr verwandt ist, dass sie ihn nicht heiraten kann bzw. ihren Ehemann (mahram). Üblicherweise ist dies der Vater und später der Ehemann. Gibt es keinen Ehemann oder ist dieser bereits tot, fällt die Vormundschaft an einen anderen engen männlichen Verwandten, z. B. den Sohn der Frau. Was dann konkret bedeutet, dass der Sohn der Vormund der Person ist, die ihn aufgezogen hat, eine Konstellation, die in Europa nur bei Fällen von schwerer Demenz oder Geisteskrankheit möglich ist.

Dieser Vormund fällt die Entscheidung über alle Belange der Frau: Ob sie reisen darf, ob sie einen Pass besitzen darf, ob und wohin sie zur Schule oder zur Universität gehen darf, ob und bei wem sie sich ärztlich behandeln lassen darf.

Verträge aller Art dürfen so und so nur mit Einwilligung des Vormundes getätigt werden, sogar Handyverträge.

Gerade die ärztliche Versorgung ist extremst problematisch, weil in Notfällen viele Frauen nicht von Männern versorgt werden dürfen, weibliche Ärzte und Sanitäter aber nicht im öffentlichen Raum sondern nur in speziellen geschützen Räumen z. B. in bestimmten Frauen-Bereichen von Krankenhäusern arbeiten dürfen. Dies führt immer wieder zum eigentlich vermeidbaren Tod weiblicher Notfallpatienten.

Frauen haben nur mit Zustimmung ihres Ehemannes die Möglichkeit, das Haus zu verlassen, denn Autofahren dürfen sie nicht (es wird ihnen kein Führerschein ausgestellt), Radfahren selbstredend nicht, unter fremden, also nichtverwandten, Männern sein ebenso nicht (Taxis sind theoretisch möglich, aber wegen der Einschränkung des Zusammenseins mit nicht-verandten Männern eigentlich doch wieder nicht). Allenfalls zum Einkaufen und dann unter Begleitung können sie sich halbwegs „frei“ im öffentlichen Raum bewegen, selbstverständlich verschleiert (gilt nicht für Frauen aus dem Ausland). Sie sind auf spezielle „Frauenräume“ (Frauenuniversität o. ä.) angewiesen, um sich außerhalb des eigenen Hauses bewegen zu dürfen.

Über Belange ihrer Kinder dürfen Mütter nicht entscheiden, Vormund der Kinder ist alleine der Vater.

Ob und inwieweit sie sich am öffentlichen Leben beteiligen dürfen und beispielsweise arbeiten oder eben auch (siehe Beispiel oben) sich politisch engagieren, entscheidet alleine ihr mahram, also ihr männlicher Vormund.

Unter diesen Vorzeichen schlage ich die Aussage „Männer üben Macht über Frauen aus, Frauen über Frauen, Frauen über Männer und Männer über Männer. Das nennt sich gesellschaftliche Konventionen, die vom Großteil eines Kulturkreises getragen werden und für beide Seiten Einschränkungen, aber auch Privilegien bieten. Die Kritik an solchen Konventionen mit der vorgeblichen Macht einer Teilgruppe zu begründen ist absurd“ für den Euphemismus des Jahres vor.

 

Zum Einstieg:

Krank in Saudi-Arabien

Was es bedeutet, unter Vormundschaft zu stehen

Frauen in Saudi Arabien

 

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3 Gedanken zu “Die Situation für Frauen in Saudi-Arabien

  1. „Männer üben Macht über Frauen aus, Frauen über Frauen, Frauen über Männer und Männer über Männer.“

    Da frage ich mich, wo saudi-arabische Frauen in bitteschön Macht über Männer ausüben? Ich hätte da sehr gerne ein Beispiel dafür, denn so wie es aussieht ist Saudi-Arabien noch viel partriachaler als es in Deutschland jemals konnte. Das ist definitiv Frauenunterdrückung, und diese Unterdrückung wird so vehemend durchgesetzt, dass sogar der Tod von Frauen und Kindern in Kauf genommen wird. Eine Freundin von mir kennt aus ihrem sozialen Umfeld eine Frau, die ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht auf die Toilette gehen durfte, und war daher gezwungen mit drückender Blase auf die Heimkehr ihres herren zu warten. Als es doch mal getan hat, gab es Schläge für sie. Wie krank ist das denn bitte?

    Und dann fällt diversen Maskuslisten nichts besseres ein als zu sagen, dass es den Männern mindestens genauso schlecht geht bei dieser Geschlechter-Hierarchie, weil der Besitz der Vormundschaft eine sooo große Belastung ist. Aber eine alleinerziehende Mutter zu sein ist ein Privileg, nicht wahr? Aber da wir schon beim Thema sind:

    „In Saudi-Arabien wurden gerade erst mindestens vier Frauen in Regionalparlamente gewählt.”

    Und in Deutschland steigt die zahl alleinerziehender Väter, deswegen kann die Behauptung seitens Maskulisten, dass Väter diskriminiert werden, ja gar nicht stimmen, und Vormundschaft ist ja sowieso Plackerei. (*Ironie-off*)

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  2. Warum verlinkst du denjenigen nicht, der das so sieht? Wenn du ihm keinen bei Google aufwertend wirkenden „Linkjuice“ gönnen willst, (was ich verstehe!), könntest du http://www.donotlink.com/ nutzen.

    Ich hab diesen Post in meinem aktuellen Diary-Beitrag zitiert und stimme voll und ganz zu.

    Man kann es gar nicht anders als als schiere Frauenfeindlichkeit verstehen, wenn jemand klar unterdrückerische Verhältnisse relativiert, gar ABSTREITET, dass es den Frauen da deutlich mieser geht als Männern.

    Solche Leute kann ich dann auch mit gelegentlich legitimen Interessen (=einige Forderungen von Männerrechtlern finde ich durchaus berechtigt) nicht mehr ernst nehmen! Denn sie nehmen ja auch uns nicht ernst, wenn wir Frauenunterdrückung anprangern.

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    1. Hallo Claudia,

      das fand sich in den Kommentaren zu dem Plan-Artikel auf geschlechterallerlei. Und in den Kommentaren waren so viele Beleidigungen, dass ich tatsächlich nicht verlinken wollte. Wobei ich sagen muss, dass HansG eigentlich auf der Seite der differenzierteste Kommentator ist, der auch nicht beleidigend wird. Umso mehr hat es mich erschreckt, dass auch er (die meisten anderen dort so und so) solche Ansichten zu Staaten, in denen Frauen ganz eindeutig nicht gleichberechtigt bis fast rechtlos sind, vertritt.

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