Spezialisierung verboten!? Kritik an der Kritik an Plan Deutschland

Auf dem Blog Geschlechterallerlei hat Gerhard eine Kritik an der Hilfsorganisation Plan veröffentlicht, die ich so nicht stehen lassen kann.


Seine Kritik bezieht sich dabei im Wesentlichen auf zwei Punkte:
1. „(…)“Plan International Deutschland e.V.” (ist) ein Verein, der sich vorgeblich um benachteiligte Kinder in der dritten Welt kümmert, tatsächlich aber gerne mit Aktionen und Werbung auffällt, die fast ausschließlich Mädchen im Fokus haben.“
2. Der zweite Punkt wirft PLAN vor, ein Konzept von „toxischer Männlichkeit“ zu vertreten und macht das an einem Antwortschreiben von Plan fest, in dem zu lesen ist:
„Viele Jungen lernen während ihrer Sozialisation, was von ihnen erwartet wird, um später als „richtiger Mann“ in der Gesellschaft anerkannt zu werden. So wird ihnen zum Beispiel vermittelt, dass sie keine Schwäche oder Gefühle zeigen sollen, dass Mädchen und Frauen weniger wert seien als sie selbst, und dass sie als Jungen und Männer Macht über sie haben. Dabei haben diese stereotypen Rollen oft wenig mit den eigentlichen Interessen der Jungen zu tun und halten viele von ihnen davon ab, ihr volles Potential zu entfalten.
Mehr Gleichberechtigung trägt hingegen dazu bei, dass sich Jungen von überholten Männlichkeitsrollen verabschieden dürfen. Wird es ihnen beispielsweise erlaubt, auch ihre Gefühle, Zweifel und Unsicherheiten auszudrücken, dann wirkt sich dies meist positiv auf ihre Beziehungen zu anderen aus.“


Ich möchte zunächst auf Punkt 1 eingehen, den Vorwurf „fast ausschließlich Mädchen im Fokus“ zu haben. Tatsächlich hat sich Plan, das ist offensichtlich, in einigen Bereichen (v. a. Bildung) auf Mädchenprojekte spezialisiert. Nur möchte ich an dieser Stelle fragen „und weiter?“


Alle, ja tatsächlich alle Hilfsorganisationen sind spezialisiert. Die einen auf alte Menschen, die anderen auf Kinder in Peru, China oder Indien, die dritten auf Menschen mit Down-Syndrom. Die einen bauen ein Krankenhaus in einer Stadt in Afrika, die anderen Brunnen in einer Wüstenregion. Die einen betreuen alte Menschen in Polen, die anderen setzen sich für die Vergabe von Mikrokrediten an Bauern in Indien ein. Von den Tier-Projekten, die sich für Straßenhunde in Bulgarien oder Griechenland oder gegen Stierkampf in Spanien einsetzen, ganz zu schweigen.


„Und weiter?“, also. Möchte man all diesen Organisationen vorwerfen, sich spezialisiert zu haben?

„Warum alte Menschen, jungen Menschen geht es auch schlecht! Ihr seid feindlich gegenüber jungen Menschen!“ „Warum bitte nur Ostafrika? Hallo, Menschen in Asien geht es auch schlecht! Rassisten!“ „Ein Krankenhaus für Stadt A wo in Stadt B doch auch eins fehlt? Typisch!“ „Was, ihr setzt euch für Kinder ein, wo es Alten doch ebenso mies geht? Altenfeindlich!“ „Hallo, Tierschutz? In Afrika verhungern Kinder und ihr habt was gegen Tiertransporte? Geht‘s noch? Menschenfeindlich!“


Die Spezialisierung auf ein Geschlecht ist, betrachtet man die Geschichte westlicher Hilfsorganisationen, sogar eher die Regel als die Ausnahme. Gerade im kirchlichen Kontext, von dem die Hilfe in der sogenannten „3. Welt“ ursprünglich ausgeht, ist eine solche Spezialisierung Usus. Frauenorden, wie die Armen Schulschwestern oder die Schwestern vom guten Hirten, kümmern sich eher um Mädchenbildung und Frauenprojekte, Männerorden, wie die Salesianer oder die Jesuiten, eher um Jungenbildung und um Männerprojekte.


Es ist also gelinde gesagt, albern, Plan Deutschland die Spezialisierung auf Mädchen vorzuwerfen. Interessant in diesem Kontext: Da erregen sich Männerrechtler. Nicht Humanisten, nicht Menschenrechtler, nicht Lebensrechtler. Öhm. Was nun? Spezialisierung ist schon okay, aber bitte nicht auf Mädchen?


Kommen wir zu Punkt zwei: Die Aufregung um die Antwort von Plan Deutschland und das angeblich darin vertrene Konzept einer „toxischen Männlichkeit“. Finde ich sehr interessant. Denn gerade Männerrechtler erklären ja oft, wie sehr ihnen traditionelle Männlichkeitsvorstellungen schaden würden (z. B. im Kontext Wehrpflicht). Das spricht Plan an. Und weiter? Im Folgenden wird dann sogar thematisiert, dass Jungen bei der Kinderarbeit den größeren Anteil stellen, was eben genau mit tradierten Männlichkeitsvorstellungen zu tun hat (der Mann sorgt für die Ernährung der Familie, die Frau für Haushalt und Kinder). Trotzdem unterstellt man einfach pauschal Männerfeindlichkeit. Dabei sagt Plan im obigen Zitat letzten Endes genau das, was auch Männerrechtler sagen: Traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit) können zur Benachteiligung von Jungen und Männern (sowie Frauen und Mädchen) führen.


In diesem Zusammenhang gibt es dann auch Kritik an folgender Aussage von Plan „Mädchen stehen in vielen Ländern dieser Welt immer noch immer im Hintergrund. Sie werden benachteiligt, diskriminiert und sind Gewalt oft schutzlos ausgeliefert.“
Und schon wieder möchte ich fragen „Und weiter?“ Was genau ist nun skandalös an dieser Aussage? Dass Frauen und Mädchen in vielen Ländern weltweit tatsächlich nicht gleichberechtigt sind, dass Mädchen vielerorts Bildung vorenthalten wird, weil bei niedrigen Ressourcen diese lieber in die Bildung der Söhne investiert wird, dass weibliche Föten abgetrieben bzw. weibliche Babys und Kleinkinder getötet werden und weiblichen Kindern Nahrung sowie ärztliche Versorgung (z. B. Indien, Afghanistan) vorenthalten wird, dass sie häufiger von Kinderprostitution betroffen sind, all das ist bekannt. Was genau soll falsch daran sein, eben dies anzusprechen und sich dagegen zu engagieren?


Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: In den Kommentaren meldete sich eine offenbar interessierte Frau mit einigen Fragen und Anmerkungen. U. a. fragte sie, als ihr die höheren männlichen Opferzahlen vorgehalten wurden, nach dem Geschlecht der Täter. Daraufhin erfolgte diese Reaktion „Wenn es Dir also um Menschenrechte geht, geht es Dir auch um diese Opfer. In diesem Zusammenhang nach dem Tätergeschlecht zu fragen ist ziemlich kontraproduktiv und wird Dir entsprechende Gegenreaktionen einbringen.“


Aha. Das Opfergeschlecht ist also relevant, das Tätergeschlecht dagegen nicht. Man sollte doch meinen, wenn es nur um „Menschen“ geht, dass dann auch das Geschlecht der Opfer nicht relevant wäre. Oder, wenn die Kriminalstatistiken eben doch nach Geschlecht differenziert gelesen werden, die Frage nach den Tätern keine unerhebliche ist.


Ich sehe hier ein großes und bekanntes Problem der maskulistischen Bewegung (fällt auch beim Thema Gewalt versus häusliche Gewalt immer wieder auf): Eine nach Geschlecht differenzierte Haltung wird immer nur genau dann gefordert, wenn diese Männer positiv und Frauen negativ herausstellt. Ist es dagegen umgekehrt, findet man das Geschlecht plötzlich „unwichtig“ und man solle sich doch bitte auf Menschen und nicht auf Geschlecht beziehen.


Alles in allem: much ado about nothing. Ein leider undifferenzierter, einseitiger und anscheinend unüberlegter Artikel.

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20 Gedanken zu “Spezialisierung verboten!? Kritik an der Kritik an Plan Deutschland

  1. Die Art und Weise, wie auf die benannte Kommentatorin reagiert wird, finde ich feindselig, herablassend, unterstellend, typisch antifeministisch und absolut unwürdig.

    Ja, so lockt man potentiell Interessierte an und überzeugt sie von der eigenen Agenda.

    Und die Krönung: Nachdem sich die Dame wieder verabschiedet (verständlicherweise), kommen nur große erstaunte Augen. „Was hast du denn???“

    Ach Leute… ^^

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  2. Ich halte die Schärfe von Gerhards Artikel teilweise für überzogen, allerdings die hier geäußerte Kritik für deutlich fragwürdiger. Im Einzelnen:

    1. „Es ist also gelinde gesagt, albern, Plan Deutschland die Spezialisierung auf Mädchen vorzuwerfen.“

    Strohmann. Gerhards Text behandelt die Frage, wie Projekte zu bewerten sind, die aufgrund ihrer speziellen Natur sich ausschließlich an Mädchen richten können (z.B. Schwangerschaftsvorsorge o.ä.) überhaupt nicht. Plan Deutschland ist keineswegs auf Problemkreise spezialisiert, die nur Mädchen betreffen können, vielmehr unterstützt Plan Deutschland offiziell ALLE Kinder. Dabei sieht der Verein aber offenbar ausschließlich Mädchen als unterstützungsbedürftig an, während Jungen nur in den „Genuss“ einer Umerziehung kommen sollen. Und DIESE Ungleichbehandlung ist es, was Gerhard (m.E. völlig zurecht) kritisiert.

    2. „sagt Plan im obigen Zitat letzten Endes genau das, was auch Männerrechtler sagen: Traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit) können zur Benachteiligung von Jungen und Männer (sowie Frauen und Mädchen) führen.“

    Soweit und in dieser allgemeinen Form sicherlich korrekt. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Das, was die Männerrechtler kritisieren, bezieht sich auf gesamtgesellschaftliche Rollenbilder (die nicht zuletzt auch von Frauen aufrechterhalten werden), während Plan Deutschland die Kinder selbst umerziehen will.
    Hand aufs Herz, GuD – glaubst du wirklich, das Aberziehen tradierter Rollenvorstellungen im Kindesalter schützt die Jungen vor den von dir erwähnten Problemen Kinderarbeit und Wehrpflicht??

    3. „…all das ist bekannt. Was genau soll falsch daran sein, eben dies anzusprechen und sich dagegen zu engagieren?“

    Strohmann. Niemand kritisiert, dass Probleme von Mädchen angesprochen und bekämpft werden. Kritisiert wird vielmehr, dass dieses Engagement unter bewusster Negierung der Probleme von Jungen erfolgt.

    4. „Man sollte doch meinen, wenn es nur um „Menschen“ geht, dass dann auch das Geschlecht der Opfer nicht relevant wäre.“

    Absolut korrekt. GENAU DAS fordern die Männerrechtler. Und genau das wird eben NICHT berücksichtigt, wenn nur weibliche Opfer zählen und männliche Opfer ignoriert werden, gern auch mit dem in diesem Zusammenhang völlig irrelevanten Hinweis auf männliche Täterschaft.

    5. „Eine nach Geschlecht differenzierte Haltung wird [von Männerrechtlern] immer nur genau dann gefordert, wenn dies Männer positiv und Frauen negativ herausstellt.“

    Diese Behauptung ist, soweit ich es beurteilen kann, schlicht falsch. Tatsächlich ist es genau andersherum. Gegenwärtig wird feministischerseits (aber auch gesamtgesellschaftlich) streng nach Geschlecht getrennt, bei den Opfern sind idR nur Frauen relevant, bei den Tätern idR nur Männer.

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    1. zu 1. Nein, kein Strohmann. Gerhard beklagt die Spezialisierung auf Mädchen und das ganz explizit. Das ist ganz genau so, wie sich darüber zu beklagen, dass Hilfsorganisation A ein Krankenhaus in Tirbukistan baut aber keins in Turkmenistan. Oder dass die Salesianer eine Jungenschule in Ostanatolien bauen. Zumal bei genauem Durchsehen der Projekte von Plan zwei sehr explizit auf Mädchen gemünzt sind, der Rest eher auf Familien und Dorfgemeinschaften (Brunnenbau, Wassertanks, Impfprojekte, Unterstützung bei Feldbau, HIV-Prävention …). Dass sie sich gerade beim Thema Bildung auf Mädchen spezialisiert haben, hat den sehr einfachen Grund, dass Bildung tatsächlich, außer in den westlichen Staaten und einigen asiatischen, Mädchen sehr viel häufiger Bildung vorenthalten wird als Jungen.

      Viel eher baust du hier einen Strohman auf, indem Du behauptest, spezielle Probleme von Frauen und Mädchen könnten sich ausschließlich auf Fragen von Schwangerschaft und Geburt beziehen. Das ist, als würde ich behaupten, Jungenprobleme könnten nur irgendwas mit Samenerguss und vielleicht noch Hodenkrebs zu tun haben.

      zu 2. „glaubst du wirklich, das Aberziehen tradierter Rollenvorstellungen im Kindesalter schützt die Jungen vor den von dir erwähnten Problemen Kinderarbeit und Wehrpflicht??“
      Womit Du zugegeben hast, dass man Rollenbilder an- oder aberziehen kann. Und insofern ja, ich glaube, wenn man weniger auf tradierte Rollenvorstellungen hinerziehen würde (als Zwang und Selbstverständlichkeit) hätte das für beide Geschlechter Vorteile beispielsweise auch in Fragen von Wehrpflicht und außerhäuslicher Versorgerrolle.

      3. „Niemand kritisiert, dass Probleme von Mädchen angesprochen und bekämpft werden.“ Doch. Gerhard in dem Artikel. „Kritisiert wird vielmehr, dass dieses Engagement unter bewusster Negierung der Probleme von Jungen erfolgt.“ Das wäre nur dann der Fall, wenn Plan leugnen würde, dass es jungenspezifische Probleme gibt. Tun sie aber nicht. Der Rest ist das Wesen von Spezialisierung. Ein Kinderschutzverein kümmert sich zunächst mal nicht um alte Leute. Das bedeutet nicht, dass sie deren Problematik abstreiten.

      zu 4 und 5) Tatsache ist, dass devote Romantikerin erst die männlichen männlichen Opferzahlen unter die Nase gerieben wurden und dann behauptet wurde, die Täterzahlen wären aber irrelevant. Da fragt sich der geneigte Leser dann schon, was nun richtig sein soll.

      „Gegenwärtig wird feministischerseits (aber auch gesamtgesellschaftlich) streng nach Geschlecht getrennt, bei den Opfern sind idR nur Frauen relevant, bei den Tätern idR nur Männer.“

      Offenbar scheint es in der maskulistischen Blase usus zu sein, das genau andersherum zu halten.

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      1. „zu 1. Nein, kein Strohmann. Gerhard beklagt die Spezialisierung auf Mädchen und das ganz explizit.“

        Da interpretierst du m.E. in Gerhards Text etwas hinein, was dort in Wirklichkeit nicht zu finden ist. Was Gerhard kritisiert, ist nicht die Spezialisierung an sich, sondern dass der Verein angibt, allen Kindern helfen zu wollen, aber letztlich nur Mädchen hilft und offen zum Ausdruck bringt, Jungen seien nicht hilfsbedürftig, sondern müssten nur umerzogen werden. Aus Gerhards Text:
        „ein Verein, der sich vorgeblich um benachteiligte Kinder in der dritten Welt kümmert, tatsächlich aber gerne mit Aktionen und Werbung auffällt, die fast ausschließlich Mädchen im Fokus haben […] Mädchen sind Opfer und Jungs muß man aberziehen Mädchen zu Opfern zu machen […] wie kann man nur so niederträchtig sein wie Plan Deutschland? Wie kann man den Eindruck erwecken wollen, allen Kindern zu helfen und die Jungs nicht nur außen vor zu lassen, sondern sie auch noch als böse darzustellen, die mal ein Umerziehungslager brauchen?“
        Diese Passagen dürften die eigentliche Intention des Textes hinreichend deutlich machen.

        „Das ist ganz genau so, wie sich darüber zu beklagen, dass Hilfsorganisation A ein Krankenhaus in Tirbukistan baut aber keins in Turkmenistan.“

        Ein passenderer Vergleich wäre wohl, dass Hilfsorganisation A vorgibt, sich allgemein für eine angemessene ärztliche Versorgung in Tirbukistan und Turkmenistan einzusetzen, in Wirklichkeit aber ausschließlich in Tirbukistan ein Krankenhaus nach dem anderen baut und die Turkmenen lediglich auffordert, nicht so oft krank zu werden, damit sie die Tirbuken nicht anstecken. Fändest du das auch in Ordnung?

        „Viel eher baust du hier einen Strohman auf, indem Du behauptest, spezielle Probleme von Frauen und Mädchen könnten sich ausschließlich auf Fragen von Schwangerschaft und Geburt beziehen.“

        Wo habe ich so etwas behauptet? Ich habe Schwangerschaft lediglich als BEISPIEL verwendet, weil hierbei offensichtlich ist, dass diesbezügliche Hilfsangebote sich natürlich ausschließlich an Mädchen richten können. Selbstverständlich gibt es viele weitere Problemkreise mit unterschiedlich starker Betroffenheit der Geschlechter, allerdings ist in vielen Fällen keineswegs eindeutig und unstreitig, unter welchen Umständen und inwieweit die Förderung ausschließlich eines Geschlechts sinnvoll ist (trifft beispielsweise auch auf Bildung zu), und ich wollte diesbezüglich nicht noch zusätzliches Streitpotenzial aufbauen.

        „zu 2. “glaubst du wirklich, das Aberziehen tradierter Rollenvorstellungen im Kindesalter schützt die Jungen vor den von dir erwähnten Problemen Kinderarbeit und Wehrpflicht??”
        Womit Du zugegeben hast, dass man Rollenbilder an- oder aberziehen kann. Und insofern ja, ich glaube, wenn man weniger auf tradierte Rollenvorstellungen hinerziehen würde (als Zwang und Selbstverständlichkeit) hätte das für beide Geschlechter Vorteile beispielsweise auch in Fragen von Wehrpflicht und außerhäuslicher Versorgerrolle.“

        Inwiefern soll mein Satz ein Anerkenntnis darstellen?
        Aber – ja, selbstverständlich sind gelebte Rollenbilder zumindest teilweise abhängig von der Sozialisation. Aber nochmal meine Frage mit der Bitte um eine KONKRETE Antwort: Inwiefern schützt es männliche Kinder vor Kinderarbeit, Wehrdienst und außerhäuslicher Versorgerrolle, wenn man ihnen traditionelle Rollenbilder aberzieht?

        „3. “Niemand kritisiert, dass Probleme von Mädchen angesprochen und bekämpft werden.” Doch. Gerhard in dem Artikel.“

        Ich war ja zuerst anderer Ansicht, aber durch diese fundierte Argumentation hast du mich jetzt von deiner Sichtweise überzeugt. 😉

        „“Kritisiert wird vielmehr, dass dieses Engagement unter bewusster Negierung der Probleme von Jungen erfolgt.” Das wäre nur dann der Fall, wenn Plan leugnen würde, dass es jungenspezifische Probleme gibt. Tun sie aber nicht.“

        Tun sie nicht? Wenn einem Verein, der angeblich allen Kindern helfen will, zu jungenspezifischen Problem nur das Aufwachsen mit traditionellen Rollenvorstellungen einfällt, ist das für dich kein Negieren anderweitiger Probleme?

        „Ein Kinderschutzverein kümmert sich zunächst mal nicht um alte Leute.“

        Korrekt. Er kümmert sich um Kinder. Sind Jungen keine Kinder?

        „zu 4 und 5) Tatsache ist, dass devote Romantikerin erst die männlichen männlichen Opferzahlen unter die Nase gerieben wurden und dann behauptet wurde, die Täterzahlen wären aber irrelevant. Da fragt sich der geneigte Leser dann schon, was nun richtig sein soll.“

        Wenn der geneigte Leser den Kontext berücksichtigt, wird er feststellen, dass die männlichen Opferzahlen nur erwähnt wurden, um aufzuzeigen, dass Opferschaft nachweislich kein reines Frauenproblem ist und es deshalb nicht sinnvoll erscheint, Hilfsmaßnahmen nur zugunsten eines Geschlechts zu ergreifen. Es ging also darum, das Geschlecht der Opfer als NICHT relevant darzustellen, mithin genau das Gegenteil deiner Interpretation.

        „“Gegenwärtig wird feministischerseits (aber auch gesamtgesellschaftlich) streng nach Geschlecht getrennt, bei den Opfern sind idR nur Frauen relevant, bei den Tätern idR nur Männer.”
        Offenbar scheint es in der maskulistischen Blase usus zu sein, das genau andersherum zu halten.“

        Das kann ich so nicht bestätigen, allerdings würde ich mich auch nicht als Teil der „maskulistischen Blase“ ansehen.
        Aber selbst wenn du recht hättest – inwiefern würde das die von mir dargestellte Geschlechtertrennung zum einseitigen Vorteil der Frauen rechtfertigen?

        „An welchen Stellen findest du denn Gerhards Artikel überzogen? Das würde mich interessieren.“

        Wie schon gesagt, halte ich persönlich die Formulierungen teilweise für unnötig aggressiv (obwohl vielleicht verständlich), auch in den Kommentaren.
        Inhaltlich kann ich seine Argumentation vollumfänglich nachvollziehen. Deine Kritik daran geht, wie ich versucht habe aufzuzeigen, m.E. am tatsächlichen Gehalt des Textes vorbei.

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      2. Mit anderen Worten: Die ganzen bitteren Vorwurfe in dem Ursprungsartikel schmelzen auf einen einzigen, nicht sehr schwerwiegenden zusammen und zwar „die haben sich falsch“ benannt. Was leicht zu entkräften ist, da Plan sehr viele Projekte hat und die für Mädchen sind nur ein Teil davon, es gibt aber noch viele andere, die sich generell stark für Familien und ganze Regionen einsetzen. Brunnebau, Wassertankbau, Zisternen, Impf- und Gesundheitsprojekte etc.

        Ich kenne persönlich Menschen, die bereits in „Plan“-Gebieten in Lateinamerika und Afrika waren und bestätigen, dass es einen Riesenunterschied macht, ob Plan in einem Gebiet aktiv ist oder nicht. und zwar gesamtgesellschaftlich.

        „Ein passenderer Vergleich wäre wohl, dass Hilfsorganisation A vorgibt, sich allgemein für eine angemessene ärztliche Versorgung in Tirbukistan und Turkmenistan einzusetzen, in Wirklichkeit aber ausschließlich in Tirbukistan ein Krankenhaus nach dem anderen baut und die Turkmenen lediglich auffordert, nicht so oft krank zu werden, damit sie die Tirbuken nicht anstecken. Fändest du das auch in Ordnung? “

        Ein noch passender Vergleich wäre also, wenn Hilfsorgaisation A sich für die medizinische Versorgung in Tirbukistan und Turkmenistan einsetzt, dann bemerkt sie einige spezielle Orobleme in Tirbukistan und eröffnet dafür ein Projekt im Projekt, das eine spezielle Krankenstation dort baut. Gleichzeitig aber werden die anderen Projekte in beiden Ländern fortgeführt.

        „Aber nochmal meine Frage mit der Bitte um eine KONKRETE Antwort: Inwiefern schützt es männliche Kinder vor Kinderarbeit, Wehrdienst und außerhäuslicher Versorgerrolle, wenn man ihnen traditionelle Rollenbilder aberzieht?“

        Das ist doch völlig klar. Wenn das Vorurteil: „Mäner sind stark und hart und kriegerisch“ abgebaut wird, gelten sie a) ebenso als hilfewürdig wie Frauen und Mädchen statt „ach, die können sich schon selbst helfen“ und b) stehen die Dinge wie die Wehrpflicht dann absolut in Frage.

        Ganz einfach:

        Zum Rest: Devote Romantikerin fand die Sache mit den männlichen Opfern interessant, hat noch einmal nachgefragt, in dem Zusammenhang auch nach den Tätern. Völlig legitim, da Gewalt zwei Seiten hat, Opfer und Täter. Sie dafür anzublaffen ist zutiefst unfair, wenn man selbst das Geschlecht der Opfer für relevant hält, um helfen zu können.

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      3. „Mit anderen Worten: Die ganzen bitteren Vorwurfe in dem Ursprungsartikel schmelzen auf einen einzigen, nicht sehr schwerwiegenden zusammen und zwar “die haben sich falsch” benannt.“

        Nicht wirklich. Allein die Spezialisierung eines „Kinder“hilfswerk auf Projekte für Mädchen wäre zwar fragwürdig, würde aber nicht zu derartiger Kritik führen. „Die ganzen bitteren Vorwürfe“ beruhen vielmehr darauf, dass Plan Deutschland eben nicht etwas wie: „die Kinder brauchen alle Unterstützung, aber unseres Ressourcen sind begrenzt, deswegen können wir leider nicht allen helfen“ sagt, sondern klar zum Ausdruck bringt, dass nur Mädchen hilfsbedürftig (und –würdig) sind, während Jungen lediglich einer Umerziehung bedürfen. Das du offenbar nicht einmal erkennst, inwiefern dies problematisch sein könnte, gibt mir, ehrlich gesagt, ziemlich zu denken.

        „Was leicht zu entkräften ist, da Plan sehr viele Projekte hat und die für Mädchen sind nur ein Teil davon, es gibt aber noch viele andere, die sich generell stark für Familien und ganze Regionen einsetzen. Brunnebau, Wassertankbau, Zisternen, Impf- und Gesundheitsprojekte etc. …, dass es einen Riesenunterschied macht, ob Plan in einem Gebiet aktiv ist oder nicht. und zwar gesamtgesellschaftlich.“

        Das heißt für mich erst einmal nur, dass der Verein teilweise für die Gesamtbevölkerung (gemäß den Darstellungen auf der Homepage offenbar jeweils nach Möglichkeit mit besonderem Fokus auf Frauen) und teilweise speziell für Mädchen tätig ist.
        Sollte allerdings der Verein tatsächlich viele Projekte allgemein für Kinder ohne Bevorzugung eines Geschlechts durchführen und nur punktuell, wo er es für besonders erforderlich hält, gezielte Projekte speziell für Mädchen durchführen, wäre die geäußerte Kritik tatsächlich größtenteils gegenstandslos. Ausweislich des von Gerhard dargestellten Sachverhalt, insbesondere der eigenen Äußerungen des Vereins, vermag ich eine derartige Ausrichtung von Plan Deutschland allerdings bisher nicht zu erkennen.

        „Ein noch passender Vergleich wäre also, wenn Hilfsorgaisation A sich für die medizinische Versorgung in Tirbukistan und Turkmenistan einsetzt, dann bemerkt sie einige spezielle Orobleme in Tirbukistan und eröffnet dafür ein Projekt im Projekt, das eine spezielle Krankenstation dort baut. Gleichzeitig aber werden die anderen Projekte in beiden Ländern fortgeführt.“

        Das wäre ein passender Vergleich, wenn Plan Deutschland generell Kindern ohne Ansehung des Geschlechts hilft und nur in Einzelfällen spezielle Mädchenprojekte durchführt. Dass dem so ist, kann ich aber, wie oben gesagt, bislang nicht erkennen.

        „Wenn das Vorurteil: “Mäner sind stark und hart und kriegerisch” abgebaut wird, gelten sie a) ebenso als hilfewürdig wie Frauen und Mädchen statt “ach, die können sich schon selbst helfen” und b) stehen die Dinge wie die Wehrpflicht dann absolut in Frage.

        Dazu hat ja Bombe20 schon einiges geschrieben, dem ich mich ausdrücklich anschließe.
        Du stellst also auf eine gesamtgesellschaftlich veränderte Betrachtung des männlichen Rollenbilds ab. Hierfür entscheidend ist allerdings die Sicht der Gesellschaft auf die Jungen, nicht deren eigene Rollenvorstellung. Die Umerziehung der Jungen ändert also erst einmal überhaupt nichts daran, was die Gesellschaft von ihnen erwartet und wie sie von der Gesellschaft eingesetzt werden.
        Falls du mit deiner Argumentation (auch) aussagen willst, dass die veränderte Sozialisation der Jungen eben gerade zu einer Änderung dieser gesamtgesellschaftlichen Rollenerwartungen führen würde, bitte ich um Erläuterung, inwiefern deiner Ansicht nach diese Änderung der Rollenerwartungen allein durch Beeinflussung der Jungen gelingen kann.
        Im Übrigen halte ich es für sehr fragwürdig, inwieweit die Entwicklung eines „weicheren“ Männertyps zu einer durchgreifenden Änderung des Empathiedefizits gegenüber Jungen und Männern sowie zu einem Verzicht auf einseitige Belastungen von Männern führen würde. Dem stehen m.E. die biologischen Dispositionen zu sehr entgegen, allerdings ist dies ein eigenes umfangreiches Thema, welches hier jetzt wohl zu weit führen würde.

        „Devote Romantikerin fand die Sache mit den männlichen Opfern interessant, hat noch einmal nachgefragt, in dem Zusammenhang auch nach den Tätern. Völlig legitim, da Gewalt zwei Seiten hat, Opfer und Täter. Sie dafür anzublaffen ist zutiefst unfair, wenn man selbst das Geschlecht der Opfer für relevant hält, um helfen zu können.“

        DevoteRomantikerin hat unter völliger Vernachlässigung der seitens ihrer Diskussionspartner vorgetragenen Argumente plötzlich die Täter thematisiert. Ich sehe darin, ebenso wie Bombe20, ein klares Derailing. Inwiefern Kritik hieran zutiefst unfair sein soll, erschließt sich mir nicht.
        Und nein, das Geschlecht der Opfer wurde in der dortigen Diskussion eben NICHT für relevant erklärt. Warum ignorierst du meine diesbezügliche Erläuterung? Weil du sie nicht widerlegen kannst, aber, wenn du dich darauf einlässt, befürchten musst, dass die Basis deines Arguments wegbricht?

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      4. „sondern klar zum Ausdruck bringt, dass nur Mädchen hilfsbedürftig (und –würdig) sind, während Jungen lediglich einer Umerziehung bedürfen“

        Man muss schon sehr große Fantasie aufbringen, um diesen Inhalt in das genannte Zitat hineinzuinterpretieren. Ich lese da ledidglich, ich zitiere mich selbst, „Traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit) können zur Benachteiligung von Jungen und Männer (sowie Frauen und Mädchen) führen.“

        Dass in Ländern wie Indien Jungen und Männern tatsächlich vermittelt wird, dass sie mehr wert sind als Mädchen oder Frauen, ist Fakt. Das geht dort sogar bis zum Mord an weiblichen Babys und Kleinkindern (wenn man sich die Abtreibung nicht leisten kann) bzw. an Schwiegertöchtern (Herdbrände), die dann nur soviel wert sind, wie ihre Mitgift groß ist. Dagegen „anzuerziehen“ dürfte wohl tatsächlich heilsam sein.

        „Das du offenbar nicht einmal erkennst, inwiefern dies problematisch sein könnte, gibt mir, ehrlich gesagt, ziemlich zu denken.“

        Nun, dann denke ^^. Ich denke ebenfalls.

        Schließlich: Ich antworte dir der Einfachheit dasselbe wie Bombe 20 unten, sonst wiederhole ich mich nur mit anderen Worten:

        „Finde ich sehr vereinfacht und wird den Beiträgen von devote Romatikerin nicht gerecht. Ich sehe es eher so

        “Es ist bekannt, dass weltweit Frauen oft schlechter gestellt sind, dass sie weniger wert sind und auch häufig Opfer von Gewalt sind.”
        “Aber Männern geht es viel schlechter als Frauen! 8 von 10 Gewaltopfern sind männlich. Warum setzt man sich für Frauen ein und nicht für Männer?”
        “Das finde ich interessant, da muss ich mich noch beschäftigen. Ich finde in dem Zusammenhang aber interessant, wie es auf Täterseite aussieht. Sind das Frauen oder eben auch häufiger Männer.”

        Und diese Frage ist völlig legitim, Gewalt hat immer zwei Seiten, die vom Täter und die vom Opfer.“ Und wenn man, ja, und das war der Fall, die zahlreichen männlichen Opfer in den Raum wirft, ist die Frage nach den Tätern kein „Derailing“ sondern logisch.

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      5. GuD – ich nehme zur Kenntnis, dass du offensichtlich nicht bereit bist, dich mit meiner Argumentation auseinanderzusetzen, breche das deshalb hier ab und bedaure die investierte Zeit.

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  3. jetzt hab ich noch den fehler gemacht und die weiteren Kommentare auf dem genannten Blog gelesen und bin echt angewidert, wie hasserfüllt und aggressiv G. rumkrakeelt. Pfui Deibel. Und entschuldigt wird das mit der „Unhöflichkeit“ der Kommentatorin. Ey hallo, merkt der noch was? Ekelhafter Typ, einfach nur ekelhaft. Antifeminist halt…

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  4. Ich kann mich deiner Kritik 1:1 anschließen und finde es gut, ja bewundernswert, dass Du Dir die Mühe machst, sowas sachlich auseinander zu nehmen. (Bereits gestern hab ich unter dem Artikel dort auf deine Kritik hingewiesen – zum Diskutieren ist es mir dort zu feindselig.)

    Wie mann auf so eine seltsame Kritik kommen mag? Ich erkläre mir das mit „Stoffsuche um jeden Preis“ und den Blick durch eine „Brille“, die überall nach Männerfeindlichkeiten sucht und sie also auch in ganz normale Aktivitäten hinein interpretiert.

    Denn Mädchenprojekte in der 3.Welt halte ich für eine normale, förderungswürdige Aktivität und abgesehen davon, dass Spezialisierung an sich keine „Sünde“ ist, sollte doch allgemein (also sogar Männerrechtlern/Maskulisten) bekannt sein

    “ Dass Frauen und Mädchen in vielen Ländern weltweit tatsächlich nicht gleichberechtigt sind, dass Mädchen vielerorts Bildung vorenthalten wird, weil bei niedrigen Ressourcen diese lieber in die Bildung der Söhne investiert wird, dass weibliche Föten abgetrieben bzw. weibliche Babys und Kleinkinder getötet werden und weiblichen Kindern Nahrung sowie ärztliche Versorgung (z. B. Indien, Afghanistan) vorenthalten wird, dass sie häufiger von Kinderprostitution betroffen sind, all das ist bekannt.“

    Das zu leugnen bzw. vorzuwerfen, dass es aufgrund dieser Situation Mädchenprojekte gibt, kann ich nur als Feindseligkeit gegen alles interpretieren, was Mädchen und Frauen zu Gute kommen – auch wenn es noch so sinnvoll ist. Da hat halt jemand sein Feindinnenbild gefunden…

    Ähnlich abstrus finde ich die „Patriarchatsleugner“, die allen Ernstes behaupten, das Patriarchat habe es nie gegeben. Fragt man nach, bekommt man sehr verschwurbelte Umdefinitionen des Begriffs vermittelt, die vom Alltagsverständnis sehr weit entfernt sind. Alles ziemlich verrückt: einerseits fordern Maskulisten zu Recht, dass heutige Männer nicht für Frauenunterdrückung in der Vergangenheit „zuständig“ seien, andererseits dann dieser absurde Versucht der Leugnung realer Machtverhältnisse, wie sie nun einmal leicht nachweisbar tatsächlich stattfanden – und in vielen Ländern noch immer vorzufinden sind.

    Statt Projekte für Mädchen runter zu machen, könnten sich Männer ja auch für Jungenprojekte stark machen, solche gründen und promoten. Ich bin zu Zeiten der 2.Frauenbewegung „sozialisiert“, da haben sich Frauen zusammen getan und eine ganze Menge Frauen- und Mädchenprojekte gegründet – nichts davon ist uns in den Schoß gefallen oder wurde gar von Männern auf dem Tablett serviert. Wogegen die Männerbewegung zu großen Teilen bei der Kritik am „bösen Feminismus“ stehen zu bleiben scheint. Schade eigentlich, denn männliche Emanzipation war immer auch eine feministische Forderung, aber die Arbeit kann und wird frau ihnen nicht abnehmen.

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    1. „Statt Projekte für Mädchen runter zu machen, könnten sich Männer ja auch für Jungenprojekte stark machen, solche gründen und promoten. Ich bin zu Zeiten der 2.Frauenbewegung “sozialisiert”, da haben sich Frauen zusammen getan und eine ganze Menge Frauen- und Mädchenprojekte gegründet – nichts davon ist uns in den Schoß gefallen oder wurde gar von Männern auf dem Tablett serviert. Wogegen die Männerbewegung zu großen Teilen bei der Kritik am “bösen Feminismus” stehen zu bleiben scheint. Schade eigentlich, denn männliche Emanzipation war immer auch eine feministische Forderung, aber die Arbeit kann und wird frau ihnen nicht abnehmen.“

      Sehr guter richtiger Absatz. Daumen hoch! (Der ganze Beitrag ist gut, aber das hier besonders)

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  5. Sorry, Du bist mich immer noch nicht los… Eins vorab: Ich habe den Artikel auf Geschlechterallerlei nicht gelesen, beziehe mich also auf Deine Darstellung der dortigen Argumente.

    Tatsächlich hat sich Plan, das ist offensichtlich, v. a. auf Mädchenprojekte spezialisiert. Nur möchte ich an dieser Stelle fragen „und weiter?“

    Wie Hugor schon schrieb:
    Plan International nennt sich „Kinderhilfswerk“. Auf der Seite „Ziele und Visionen“ heißt es unter anderem: „Plan setzt sich für eine Welt ein, in der sich alle Kinder frei entfalten und entwickeln können. In einer Gesellschaft, die Kinderrechte schützt und Kinder mit Würde und Respekt behandelt. […] Plan stellt Mädchen und Jungen in den Mittelpunkt der sofortigen Katastrophenhilfe“. (Hervorhebungen meine.)

    Für den Spendenwilligen, der sich nur oberflächlich mit der Organisation beschäftigt, sieht es also aus, als würde Plan sich für beide Geschlechter gleichermaßen einsetzen, was ja, wie Du einräumst, offenbar nicht der Fall ist. Würde sich Plan dagegen „Mädchenhilfswerk“ und als seine Ziele nennen, sich für Mädchenrechte zu engagieren und Mädchen in den Mittelpunkt der Katastrophenhilfe zu stellen, hättest Du mit Deiner Kritik an der Kritik natürlich Recht.

    Tun sie aber nicht. Und deshalb geht auch das Beispiel aus Deinem Nachtrag fehl: Der Verein, über den Du dort schreibst, nennt sich nicht nur „Manndat“, sondern sogar „MANNdat“. Klarer geht es doch kaum noch. Niemand käme auf die Idee, eine Spende dorthin würde (abseits von Kollateralnutzen) zur Lösung von primär weiblichen Problemen eingesetzt.

    Interessant in diesem Kontext: Da erregen sich Männerrechtler. Nicht Humanisten, nicht Menschenrechtler, nicht Lebensrechtler.

    Mal abgesehen davon, daß ich unter „Lebensrechtlern“ etwas ganz anderes verstehe (nämlich Abtreibungsgegner), und genau das der Punkt ist, Männerrechtler nämlich offen sagen, wofür sie stehen, hat mich mal wieder eine Analogie angesprungen:

    Eine Gruppe von 20 Personen macht einen Ausflug auf einem Boot. Alle stehen halbwegs gleichmäßig verteilt auf Deck herum, als jemand ruft, „Schaut mal da links: Delphine!“, woraufhin 10 der Passagiere an die Backbord-Reling rennen. Da das Boot daraufhin eine heftige Schlagseite entwickelt, läuft einer der restlichen Leute an die Steuerbord-Reling und warnt: „Wenn ihr alle auf einer Seite des Bootes ganz an die Reling geht, wird es noch kentern!“ Worauf er von der Backbordreling die Antwort bekommt: „Das sagst ausgerechnet Du? Du bist doch selbst auf einer Seite ganz an die Reling gelaufen!“

    (Und ja, die Geschichte hinkt an einigen Punkten. Die sind für mein Argument hier aber irrelevant. Umkehrschluß: Wenn Du meinst, meine Analogie würde zu sehr hinken, um relevant zu sein, hast Du vermutlich mein Argument verpaßt.)

    Was nun? Spezialisierung ist schon okay, aber bitte nicht auf Mädchen?

    Kennst Du eigentlich den MANNdat Spendenratgeber?

    Dabei sagt Plan im obigen Zitat letzten Endes genau das, was auch Männerrechtler sagen

    Auf der Abstraktionsebene sagen auch *gida-Idioten (War das deutlich genug, ja?) und Flüchtlingshelfer „letzten Endes“ genau das gleiche: Daß große Massenaufnahmeeinrichtungen die Integration behindern.

    U. a. fragte sie, als ihr die höheren männlichen Opferzahlen vorgehalten wurden, nach dem Geschlecht der Täter.

    Wenn ich jedes Mal, wenn ich diese Antwort sehe, einen Euro bekommen würde, dann hätte ich jetzt… ganz viele Euros.

    Ohne die konkrete Diskussion gelesen zu haben, läuft das üblicherweise so:

    F: Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet und schlimm. Wir müssen Gewalt gegen Frauen bekämpfen!
    M: Gewalt gegen Männer ist noch viel verbreiteter. Ist die nicht schlimm und bekämpfenswert?
    F: Aber wer übt diese Gewalt denn aus?

    Wenn ich richtig verstanden habe, was Derailing sein soll, dann ist das ein Bilderbuchbeispiel für Derailing.

    Das Opfergeschlecht ist also relevant, das Tätergeschlecht dagegen nicht.

    Das Geschlecht der Opfer haben diejenigen zum Thema gemacht, die anfingen, von „Gewalt gegen Frauen“ zu sprechen und diese Unterscheidung sogar in Gesetze zu gießen. Erzählmirnix hatte da letztens zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen einen Comic, in dem die Antwort auf „Gewalt gegen Frauen ist schlimm!“ stattdessen lautete: „Ja, besonders gegen rothaarige Frauen“. Darauf Linksi: „Willst Du damit etwa sagen, das Leiden blonder und dunkelhaariger Frauen wäre weniger wichtig? Was soll diese künstliche Unterscheidung?“

    IMHO: Zur effektiven Bekämpfung von Gewalt muß man sich mit den Motiven der Täter beschäftigen, nicht mit deren angeborenen Merkmalen. Und deshalb ist „Gewalt gegen Frauen“ (wie auch „Gewalt gegen Männer“) ein untaugliches Kriterium. Sinnvolle Kriterien wären zum Beispiel „Gewalt gegen Oppositionelle“, „Fremdenfeindliche Gewalt“, „Partnergewalt“ oder „Gewalt in der Erziehung“.

    ich glaube, wenn man weniger auf tradierte Rollenvorstellungen hinerziehen würde (als Zwang und Selbstverständlichkeit) hätte das für beide Geschlechter Vorteile beispielsweise auch in Fragen von Wehrpflicht

    Das Dumme ist nur, daß die von Zwangsdienst Betroffenen üblicherweise nicht diejenigen sind, die über den Zwangsdienst entscheiden.

    Wenn Du in einer Gesellschaft von Wölfen einige Kinder zu Schafen erziehst, mag das für die Gesellschaft als Ganzes langfristig positiv sein. Aber auf der individuellen Ebene hast Du erstmal Lämmer erzeugt, die unter Wölfen überleben müssen. (Und das ganz unabhängig von der Frage, inwieweit man Wölfe zum Grasen erziehen kann.)

    Oder mal ganz konkret: Meinst Du, daß ein Mann, der seine ganze Kindheit und Jugend lang mit Bildern wie „Männer sind stark, deshalb müssen Männer Frauen beschützen“, „Kämpfen ist die Aufgabe von Männern, Kinder aufziehen die von Frauen“ und „Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß“ sozialisiert wurde und diese internalisiert hat, jemals die Nöte dieses Bloggers erlebt hätte?
    Aus dem ländlichen Österreich höre ich zum Beispiel Geschichten, wie junge Burschen stolz feiernd in ihr Dorf zurückkehren, nachdem sie bei der Stellung für kanonenfuttertauglich befunden wurden…

    Das Aufbrechen von Stereotypen ist wichtig, wenn alle Menschen frei leben können sollen. Aber dafür die Schwächsten zu verheizen, wenn es andere Möglichkeiten gibt, halte ich für ethisch bedenklich. (Und das sage ich, um Mißverständnissen vorzubeugen, als jemand, der selbst alles andere als „traditionelle Männlichkeit“ verkörpert, das allerdings nur zum Teil auf seine Erziehung zurückführt.)

    Beim Durchlesen fällt mir auf, daß das immer noch mißverständlich sein könnte: Ich bin nicht der Meinung, daß es gut ist, seine Kinder traditionell zu erziehen. Natürlich sollte man sie darin unterstützen, ihren eigenen Neigungen zu folgen und das auch bei anderen zu akzeptieren. Aber man sollte sie auch auf die Gesellschaft vorbereiten, in der sie nun mal leben müssen.

    Bombe 20

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    1. Warum sollte ich dich loswerden wollen?

      Zu deinen übrigen Punkten habe ich in einer anderen Antwort an Hugor schon einiges geschrieben. Plan hat sehr viele Projekte, darunter zwei, die auf Mädchen spezialisiert sind, mit denen sie sehr viel werben und speziell dafür (also klar für diese Projekte) um Spenden bitten. Daneben gibt es aber auch noch zahlreiche Familienprojekte wie Brunnenbau, wassertankbau, Impfprojekte …

      Die ganzen bitieren Vorwurfe in dem Ursprungsartikel schmelzen also auf einen einzigen, nicht sehr schwerwiegenden zusammen und zwar „die haben sich falsch“ benannt. Was eben im Gesamtkontext auch nicht stimmt, siehe oben.

      „F: Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet und schlimm. Wir müssen Gewalt gegen Frauen bekämpfen!
      M: Gewalt gegen Männer ist noch viel verbreiteter. Ist die nicht schlimm und bekämpfenswert?
      F: Aber wer übt diese Gewalt denn aus?“

      Finde ich sehr vereinfacht und wird den Beiträgen von devote Romatikerin nicht gerecht. Ich sehe es eher so

      „Es ist bekannt, dass weltweit Frauen oft schlechter gestellt sind, dass sie weniger wert sind und auch häufig Opfer von Gewalt sind.“
      „Aber Männern geht es viel schlechter als Frauen! 8 von 10 Gewaltopfern sind männlich. Warum setzt man sich für Frauen ein und nicht für Männer“
      „Das finde ich interessant, da muss ich mich noch beschäftigen. Ich finde in dem Zusammenhang aber interessant, wie es auf Täterseite aussieht. Sind das Frauen oder eben auch häufiger Männer.“

      Und diese Frage ist völlig legitim, Gewalt hat immer zwei Seiten, die vom Täter und die vom Opfer.

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