„Die hat sich das doch nur ausgedacht – und wenn nicht … sowas hält man doch aus“

So, die geschätzten Leser meines Blogs werden heute gleich mit zwei Artikeln beglückt ;-). Dem, den ich ursprünglich geplant hatte (der heilige Martin von Tours) und eben diesem.

Grund ist dieser Artikel, über den ich gestern gestolpert bin. Eine Redakteurin beschreibt, wie sie nach Entzug ihres Führerscheins in einem Kurs zur Wiedererlangung desselben gelandet ist und daraufhin als einzige Frau und einzige Akademikerin einem verbalen Spießrutenlauf ausgesetzt war.


Die Reaktionen sind so vorhersehbar wie unangebracht und setzen sich wie folgt zusammen:

1. Die hat sich doch das nur ausgedacht

2. Die ist männerfeindlich, weil sie beschreibt, was ihr passiert ist

3. Wer wird sich denn über solche Klinkerlitzchen aufregen? Sowas hält man aus und gut ist. Nur die Harten kommen in Garten. Oder so.
Nun hat die Autorin des Artikels mitnichten geschrieben „alle Männer sind Schweine“ , sondern sogar ganz gezielt darauf hingewiesen, dass es sich wohl um eine Art von Frustmobbing handelte, in der gezielt die einzige „andere“ Person zu einem Ventil für aufgestauten Ärger und Angstgefühle wurde. Warum dann also diese Reaktionen?


Beim ersten Punkt handelt es sich recht eindeutig um einen Vertreter der sogenannten „Heile Welt“-Gedanken. „So etwas darf nicht sein, also kann es nicht sein, sonst passt mein Weltbild nicht mehr und es könnte vielleicht auch mir passieren“. Reflexartiges Abwehren alles Unangenehmen also, aus einer Art falsch verstandenem Selbstschutz heraus. Und leider etwas, was Opfern von Mobbing oder Opfern von Verbrechen gerne unterstellt wird.


Beim zweiten Punkt, der einem immer wieder begegnet, muss ich persönlich ziemlich schlucken. Wie gesagt, die Autorin hat mitnichten geschrieben „Alle Männer sind scheiße“ oder etwas in der Art, sondern ein persönliches höchst unangenehmes Erleben geschildert. Dass hier gleich pauschalisiert wird und „Männerfeindlichkeit“ unterstellt wird, ist ungefähr so abstrus wie Menschen, die beschreiben, wie sie als Kinder von ihren Eltern misshandelt wurden, „Elternfeindlichkeit“ zu unterstellen. Seien wir mal ehrlich: In jeder Gruppe gibt es ein gerüttelt Maß an Menschen, die sich falsch, unsozial oder verletzend verhalten – vermutlich kann das sogar jeder von uns in bestimmten Situationen. Das zu thematisieren, ist völlig legitim und ein Redeverbot für die Opfer solchen Verhaltens absolut unangebracht. Unmögliches Verhalten sollte als solches benannt werden.


Der dritte Punkt fällt unter Verharmlosung: „Sind die zu hart, bist Du zu schwach“. Das ist etwas, was man Mobbingopfern gerne unterstellt. Sich eben nicht „richtig“ zu wehren. Zu empfindlich zu sein. Keinen Spaß zu verstehen. Nun ist es eben aber nicht lustig, alleine einer Meute (Mob) ausgeliefert zu sein. Da kann man hart sein wie man will, Spaß verstehen wie man möchte. Warum genau sollte jemand persönliche und beleidigende Angriffe stillschweigend aushalten oder gar „lustig“ finden? Einen vorstellbaren Grund dafür, außer Täterschutz, gibt es nicht.

Advertisements

23 Gedanken zu “„Die hat sich das doch nur ausgedacht – und wenn nicht … sowas hält man doch aus“

  1. Die drei von dir beschriebenen Reaktionen auf diesen und ähnliche Berichte kenne ich auch. So ganz nachvollziehen kann ich sie aber nicht.

    1) Selbst als (weißer, deutscher) Mann weiß man, das diese Typen und ihre Verhaltensweisen existieren. Jeder hat das schon mal erlebt, zumindest in der Schule. Also kann diese Reaktion nur eines sein: Verdrängung eigener unangenehmer Erlebnisse.

    2) Warum sich viele Männer immer wieder gerade mit solchen unangenehmen Exemplaren des eigenen Geschlechts solidarisieren, ist mir ein Rätsel. Selbst wenn ich das schlechte Gewissen hätte, mich selbst einmal so verhalten zu haben, würde ich das doch für mich behalten, und lieber zusammen mit der Frau über diese üblen, unsozialen Typen ablästern.

    3) Dieses Argument hingegen ist weniger leicht beiseite zu schieben. Solange keine direkte körperliche Gewalt involviert ist, ist da ja durchaus etwas dran. Denn wie sollen solche Rüpel jemals lernen, dass es nicht ok ist, sich so zu verhalten, wenn sich keines ihrer Opfer jemals wehrt.
    Andererseits kenne ich natürlich auch dieses Gefühl der Unterlegenheit, dass sich in solchen Situationen einstellt. Ich würde ja gerne souverän und selbstbewusst mit der Situation umgehen, aber meine innere Stimmungslage gibt das einfach nicht her.
    Ich will damit auch gar nichts verharmlosen, aber solche Situationen treten nun mal immer wieder auf (Diese „Typen“ werden m.e. leider niemals aussterben), und irgenwie muss mensch sich damit auseinandersetzen. Sich hier ein wenig „Härte“ anzutrainieren kann also nicht schaden.
    Die Autorin des Beitrags hat ja letztendlich auch ihren Weg gefunden mit der Situation klarzukommen.

    Gefällt mir

  2. Hallo haitabu,

    Ich glaube, dass viele Männer und auch Frauen, die sich da bis zu einem gewissen Maß mit den Tätern solidarisieren auch so etwas wie einem „Heile Welt“-Denken anhängen (kann es gar nicht geben) oder aber zu 3.) so etwas selbst schon erlebt haben und „wenn ich mich nicht beschwert habe, warum darf dann die?“. Ich denke natürlich auch, dass es gut ist, zu lernen, mit so etwas umzugehen. Nur halte ich es für den falschen Weg, vom Opfer sozusagen „Stillschweigen“ zu fordern. Auch im anderen Kontext z. B. Mobbing in der Schule erlebt man diese Reaktionen ja sehr ähnlich und gerade hier kann es geradezu wortwörtlich tödlich sein, vom Mobbing-Opfer „Zähne zusammenbeißen und stillhalten“ zu fordern. Also ja, Du hast schon recht „hart werden“ kann etwas sein, was erforderlich ist, um in so einer Situation zu bestehen, nicht aber „Stillschweigen“.

    Gefällt mir

  3. Oh, das habe ich wohl etwas missverständlich formuliert.
    Mit „Härte“ meinte ich keinesfalls „Stillschweigend über sich ergehen lassen“. Im Gegenteil: Härte heißt für mich, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern im Rahmen der Situation Kontra zu geben und zu zeigen, dass mensch sich nicht alles gefallen lässt. Gerade durch das Stillhalten wird die Opferrolle ja oft erst zementiert.

    Gefällt 1 Person

  4. Dieses Mal werde ich uns beiden lange Ausführungen ersparen. Wenn Du nicht allein erkennst, warum der Artikel als männerfeindlich wahrgenommen werden kann, dann kann ich es Dir auch nicht erklären.

    Aber mal angenommen, ich würde erzählen, daß mir heute beim Netto so ein kulturbereichernder Neger mit seinen Wichsgriffeln den letzten Einkaufswagen weggeschnappt hätte, als ob es bei seinem Ugah-Ugah-Stamm im Busch halt normal sei, daß der schnellste die Antilope (oder die weiße Frau) erwischt; die Zivilisation sei halt noch nicht überall angekommen. Aber, würde ich fortfahren, ich hätte ihm Respekt beigebracht, indem ich ihm einen alarmgesicherten Artikel in die Jackentasche gesteckt und so eine Begegnung mit der Ladensecurity beschert hätte, während ich, ihm freundlich zuzwinkernd, den Laden verließ.
    Und das ganze würde ich bebildern mit einem Foto von einem Schwarzen in einer grotesken Parodie einer traditionell indigenen Bekleidung, der gerade eine Ratte mit einem Speer jagt, und der Bildunterschrift „Kein Deutscher“.

    Wäre ich dann kein Rassist, weil ich doch nur erzählt habe, was mir beim Einkaufen passiert ist? Unmögliches Verhalten sollte doch als solches benannt werden, das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Und wer wollte denn bestreiten, daß es auch unter afrikanischstämmigen Menschen welche gibt, die sich falsch und unsozial verhalten?

    B20

    Gefällt mir

    1. Und Du wunderst dich noch ernsthaft, warum ich dir in deinem ersten Beitrag Hass und Wut vorgeworfen habe? Ich persönlich halte nicht viel von PC und insofern bin ich der Ansicht, dass auch dann, wenn jemand mit Migrationshintergrund sich daneben benimmt, das selbstverständlich erzählt und benannt werden soll. Allerdings natürlich nicht pauschalisierend. Und sie erzählt ein persönliches, äußerst unangenehmes Erlebnis von schwerem Mobbing das u. a. aufgrund ihres Geschlechts erfolgte – ohne zu pauschalisieren, es geht um dieses Erlebnis.

      Was Du dagegen erzählst, hinkt gleich auf zwei (oder gar auf vier) Beinen. Der Schwarze deines Beispiels hat dich nicht gemobbt oder aufgrund deiner weißen Hautfarbe angegriffen (Äquivalent zu dem was der Autorin passiert ist, wäre ein Angriff der Art „Oh guck mal, ein weißer Naziarsch. Sowas wie dich sollte man nicht auf die Straße lassen, Du bist eine dauernde Gefahr für deine Umwelt, Du kolonialer Spast. Schon allein deine hässliche weiße Fresse macht mich aggressiv“). Hätte er das, hättest Du dich natürlich verteidigen dürfen und von dem unangenehmen Erlebnis erzählen.
      Und schon gar nicht wurdest Du von einem Mob schwarzer Menschen angegriffen, die dich aufgrund deiner Hautfarbe und deines Bildungsstandes in eine Ecke getrieben und fertiggemacht haben. Das ist der Autorin aber passiert (aufgrund ihres Geschlechts und ihres Bildungsstandes).

      Wie „darf“ sie denn deiner Meinung nach reagieren? Fromm schweigen und alles in sich hineinfressen? Würde mich interessieren, ob Du das auch einem Mann raten würdest, der gemobbt wird.

      Gefällt 3 Personen

      1. gleichheitunddifferenz,

        wundern tut mich vor allem, daß Deine für „Hass und Wut“ und schädliche gesellschaftliche Stereotype so hochgeschärften Sinne bei dem verlinkten Artikel offenbar so gar kein Bißchen anschlagen. Wie ich schon sagte: Wenn Du es nicht verstehst, kann ich es Dir auch nicht erklären. Natürlich ist es mein Fehler, daß ich den Versuch trotzdem wieder nicht lassen konnte.

        (Mal eine ganz andere Perspektive, ohne Geschlechtsbezug: Sie wird gemobbt und stellt fest, daß sich das ätzend anfühlt. Aber anstatt daraus den Schluß zu ziehen, daß asymmetrische Machtausübung schlecht ist, folgert sie vielmehr, daß es wichtig ist, selbst derjenige zu sein, der die Macht ausübt. Und sei es auf so kindische Art wie in der Schluß“pointe“.)

        Was die Autorin stattdessen hätte schreiben sollen? Um bei meinem (hypothetischen, ich hoffe, das war offensichtlich) Beispiel zu bleiben, vielleicht sowas wie: „Heute im Netto hat mir ein schwarzer Mitkunde den letzten Einkaufswagen weggeschnappt. Leute gibt’s…“ Und als Artikelbild eine Supermarktszene mit der Unterschrift „Beim Einkaufen herrschen manchmal rauhe Sitten“.

        Und nein, ich würde auch einem Mann nicht raten, Frauen, die ihn gemobbt haben, in einem Zeitungsartikel als eine Horde in ihrer Östrogenehre gekränkter Muttertiere zu bezeichnen. Genauso, wie ich ein Problem damit hätte, wenn in einem Bericht eine Schlägerei in einer Notunterkunft auf die arabische Herkunft der Beteiligten zurückgeführt würde.
        Beides wäre nämlich durchaus pauschalisierend.

        (JFTR: Ich weiß, daß Autoren üblicherweise wenig Einfluß auf Überschrift, Anreißer und Bebilderung ihrer Artikel haben. Das ist aber eben nicht unbedingt Allgemeinwissen, wie Du ja selbst schreibst. Ich glaube auch nicht, daß Ursula März eine hardcore, Solanas-lesende Männerhasserin ist. Sie hält sich vermutlich für edgy und da würde ich sie auch einordnen: Am oberen Rand des gesellschaftlichen misandrischen Grundrauschens. Aber Deine einschlägige Frage war ja, warum überhaupt irgendjemand den Artikel als männerfeindlich verstehen könnte.)

        B20

        Gefällt mir

      2. Mein Punkt war, dass bei derart beleidigendem und misogynem Verhalten, wie die beschriebenen Kursteilnehmer es zeigen, alle sofort „männerfeindlich“ rufen, nur weil die Dame eben dieses benennt und das Verhalten der Herren damit als „irgendwie schon in Ordnung“ sehen. Dass man das Fehlverhalten bei der Gemobbten sieht, die darüber spricht und nicht bei den Mobbern.

        Dass ein Gemobbter seinem Mobber eins auswischen möchte, ist sicher zutiefst menschlich. Was wäre denn dein „richtiges“ Verhalten, wenn eine Horde Frauen dich in einem Kurs über Wochen hinweg als „Studierpimmel“, „Männerarsch“ o. ä. bezeichnen würde und Sprüche vom Stapel lassen wie „Naaaa, wen ham wer denn da? Nen Schwanz! Ick sach ja immer: Männer kannste aufer Rückbank jebrauchen, am Steuer sind die ne Qual für de Umwelt. Oder „Die Maus, die den ins Auto gelassen hat, hat die Pappe aber auch ausm Internet, wa?“ Und das, obwohl die Damen wegen exakt derselben „Vergehen“ dort sitzen wie Du? Drüber wegschauen? Härter werden? Ist ja alles nicht so schlimm, sich im Pulk auf eine einzelne Person zu stürzen, und sie aufgrund ihres Geschlechts fertigzumachen, gelle?

        Gefällt mir

      3. Und der Punkt ist zudem, dass es eben nicht um einen simplen Einkaufswagenfall ging, sondern wenn, dann um eine fiese Anmache der Person wie ich sie oben beschrieben habe. Also wenn ein Pulk schwarzer Menschen fiese, beleidigende und herabwürdigende Sachen zu dir aufgrund deiner weißen Hautfarbe sagen würde, wie sähe dann der „richtige“ Artikel aus?

        Gefällt mir

      4. „Am oberen Rand des gesellschaftlichen misandrischen Grundrauschens“

        Und genau das meine ich. Statt auf die ganz offensichtliche Tatsache zu kommen, dass das Verhalten der Kursteilnehmer misogyn motiviertes Mobbing war, das absolut nicht in Ordnung war, konstruiert man aus der Beschreibung dieser Verhaltensweisen ein ominöses „misandrisches Grundrauschen“.

        Gefällt mir

      5. gleichheitunddifferenz,

        Mein Punkt war, dass bei derart beleidigendem und misogynem Verhalten, wie die beschriebenen Kursteilnehmer es zeigen, alle sofort “männerfeindlich” rufen, nur weil die Dame eben dieses benennt

        und meiner war, daß diese Reaktion vermutlich eine Menge mit der Art und Wortwahl zu tun hat, mit der sie das tut, und viel weniger mit dem Inhalt.

        Beweisen können wir unsere Ansichten halt beide nicht ohne für Hobbyisten schwer errichtbaren Versuchsaufbau. Man könnte zwar zwei (oder mehr) unterschiedlich formulierte Blogartikel über das gleiche Ereignis irgendwo plazieren, aber repräsentative, vergleichbare und ausreichend große Versuchsgruppen, noch dazu ohne Überschneidung, dürften sich schwer organisieren lassen.

        und das Verhalten der Herren damit als “irgendwie schon in Ordnung” sehen.

        Das ist Deine Interpretation, die ich nicht teile, insbesondere das „damit“. Daß einige das so sehen, ist wahrscheinlich (, schon allein, weil es die Typen, die sie beschreibt, ja auch im Internet geben muß), aber „alle“ oder auch nur die Mehrheit?

        Dass man das Fehlverhalten bei der Gemobbten sieht, die darüber spricht und nicht bei den Mobbern.

        Um mal ein ganz anderes Beispiel zu nehmen:
        Einer der Gründe, aus denen ich wütend auf Wolfgang Daschner bin, ist der, daß ich aufgrund seiner Taten beim Namen Magnus Gäfgen als erstes „Folteropfer“ denke und nicht „Kindermörder“. Und das nicht, weil ich es nicht schlimm fände, ein Kind zu ermorden, sondern genau im Gegenteil.
        Und ja, ich weiß, daß ich mit ersterem in der Minderheit bin.

        Schlechtes Verhalten anzusprechen ist grundsätzlich eine gute Sache. Aber wer dazu auf männerfeindliche Klischees von Testosteronvergiftung und Breitmachmackern zurückgreift, verschiebt damit den Fokus weg vom eigentlichen Thema und erweist diesem damit einen Bärendienst. Ich muß das kritisierte Verhalten nicht billigen, um der Abwehr eines empfundenen Angriffs auf mich Priorität einzuräumen.

        Dabei können solche Grenzziehungen ja durchaus bewußte strategische Entscheidungen sein. Die Maskulistin Alison Tieman hat zum Beispiel mal ungefähr gesagt: „Es war für mich ungeheuer erleichternd, als ich erfahren habe, daß es auch weibliche Vergewaltiger und männliche Vergewaltigungsopfer gibt. Damit war der Konflikt nämlich nicht mehr ‚Wir Frauen gegen die bösen Männer‘, sondern ‚Wir, die Mehrheit der guten Menschen gegen die Minderheit der schlechten'“.

        Aber „böse Menschen sind böse“ gibt halt nicht besonders viele Klicks…

        Dass ein Gemobbter seinem Mobber eins auswischen möchte, ist sicher zutiefst menschlich.

        Natürlich ist es menschlich, und im konkreten Fall war es vermutlich sogar zu einem guten Teil gerechtfertigte Notwehr. Aber es ist eine ganz schlechte Basis für moralische Überlegenheitsposen.

        Es gibt einfach diverse Aspekte an dem Artikel, die seine Autorin unsympathisch wirken lassen. Und einem unsympathischen Menschen legt man grenzwertige Äußerungen und Taten, die so oder so gemeint sein könnten, eben eher negativ aus als einem sympathischen.

        Was wäre denn dein “richtiges” Verhalten,

        Ich kann Dir sagen, wie mein Verhalten war, als ich in der Schule von einigen Mitschülern (auch körperlich) gemobbt (Natürlich nicht, das Wort gab es damals noch gar nicht. Also: gehänselt) wurde, mit durchaus massiven psychischen Folgen: Ich habe mir gewünscht, daß es aufhört. Aber ich habe nicht versucht, den Tätern die schulische Karriere zu versauen.

        Ist ja alles nicht so schlimm, sich im Pulk auf eine einzelne Person zu stürzen, und sie aufgrund ihres Geschlechts fertigzumachen, gelle?

        Ich würde es begrüßen, wenn Du solche polemischen Unterstellungen in Zukunft unterlassen könntest. Sie sind einer Diskussion nie dienlich und haben tatsächlich das Potential, mich wütend zu machen. Also was soll das?

        Bombe 20

        Gefällt mir

      6. Sorry, ich habe jetzt erst gesehen, daß Du heute Nachmittag noch etwas geschrieben hattest.

        Statt auf die ganz offensichtliche Tatsache zu kommen, dass das Verhalten der Kursteilnehmer misogyn motiviertes Mobbing war, das absolut nicht in Ordnung war,

        Wo habe ich denn bitte etwas anderes behauptet? Natürlich ist das beschriebene Benehmen sexistisch und widerlich und ich hätte mich in Grund in Boden geschämt, wenn ich in dem Moment mit im Raum gewesen wäre. Und selbstverständlich ist sowas für das Opfer massiv belastend. Bei einigen der Sprüche habe ich Gänsehaut an Stellen gekriegt, von denen ich gar nicht wußte, daß man da Gänsehaut kriegen kann. (Und nicht die gute Sorte!)

        Müssen wir uns als nächstes noch darüber unterhalten, daß es keine ganz so tolle Sache ist, Leute auf einem Konzert niederzuschießen oder in Fußgängerzonen Bomben zu zünden? Wer weiß schon, ob diese bösen Maskulisten Terrorismus nicht eigentlich total toll finden?

        konstruiert man aus der Beschreibung dieser Verhaltensweisen ein ominöses “misandrisches Grundrauschen”.

        Es geht nicht um die Tatsache der Beschreibung, sondern um ihre Art. Und ja, wenn es den meisten Menschen nichtmal mehr auffällt, wenn negatives Verhalten pauschal auf Testosteron geschoben wird, dann ist das das Ergebnis eines ständig dahinplätschernden Männerbashings.

        B20

        Gefällt mir

      7. Nur kurz:

        „Die Maskulistin Alison Tieman hat zum Beispiel mal ungefähr gesagt: “Es war für mich ungeheuer erleichternd, als ich erfahren habe, daß es auch weibliche Vergewaltiger und männliche Vergewaltigungsopfer gibt. Damit war der Konflikt nämlich nicht mehr ‘Wir Frauen gegen die bösen Männer’, sondern ‘Wir, die Mehrheit der guten Menschen gegen die Minderheit der schlechten’”.“

        Ich weiß nicht, was sie zuvor für Ideen hatte oder welchen Gruppen sie angehörte, aber eben das war mir tatsächlich schon immer klar. Hielt ich sogar für Allgemeinwissen, aber vielleicht ist es das ja nicht.

        „Ich kann Dir sagen, wie mein Verhalten war, als ich in der Schule von einigen Mitschülern (auch körperlich) gemobbt (Natürlich nicht, das Wort gab es damals noch gar nicht. Also: gehänselt) wurde, mit durchaus massiven psychischen Folgen: Ich habe mir gewünscht, daß es aufhört. Aber ich habe nicht versucht, den Tätern die schulische Karriere zu versauen.“

        Sich zu wünschen, dass es aufhört, ist aber keine aktive Handlung. Ich lese da raus, verbessere mich, wenn es anders war, dass Du gar nichts getan hast und versucht hast, das irgendwie auszuhalten. Und da halte ich Rachegedanken tatsächlich für gesünder als stillschweigendes Ertragen bis hin zur Selbstverletzung oder gar zum Selbstmord.

        Mein bester Ehegatte von allen, seinerzeit eine kleine, blasse Frühgeburt, erzählte mir von seinem diebischen Vergnügen, als sein Haupt-Mobber / Schläger nach mehrfachen tätlichen Angriffen auf ihn und andere Schüler ohne Abschluss von der Schule flog. Und ich halte ihn dennoch für keinen schlechten Menschen, im Gegenteil.

        „Müssen wir uns als nächstes noch darüber unterhalten, daß es keine ganz so tolle Sache ist, Leute auf einem Konzert niederzuschießen oder in Fußgängerzonen Bomben zu zünden?“

        Bei nicht wenigen der Kommentatoren habe ich schwer den Eindruck, dass sie das Verhalten der Kursteilnehmer als „Naja, bisschen ungut, aber man muss eben Spaß verstehen“ verbuchen oder gar entschuldigen.

        „Ich würde es begrüßen, wenn Du solche polemischen Unterstellungen in Zukunft unterlassen könntest. Sie sind einer Diskussion nie dienlich und haben tatsächlich das Potential, mich wütend zu machen. “

        Damit hast Du natürlich recht. Mea culpa. War meinerseits ein Ausdruck von Wut.

        Gefällt mir

  5. Gut gekontert!

    Ich als Mann fühle mich von solchen Geschichten schon lange nicht mehr angesprochen. Ich bin der Meinung, dass ich selbst mich nicht so verhalte, und daher mit dieser Art „Mann“ nichts zu tun habe (Sollte ich mich da einer Illusion hingeben, so bitte ich darum, mir das persönlich und offen mitzuteilen).
    Wenn ich mich dafür schämen würde, mit solchen Männern etwas gemeinsam zu haben, dann müsste ich mich auch schämen, mit Menschen wie Beate Zschäpe etwas gemeinsam zu haben (nämlich zur gleichen Gattung zu gehören).

    Also warum wird so ein Bericht als Männerfeindlich betrachtet. Er zeigt doch nur auf, was teilweise für Scheißtypen so rumlaufen, und behauptet zu keinem Zeitpunkt, alle Mäner seien so.

    Gefällt mir

    1. Wie gesagt, ich fühle mich ja auch von keinem Artikel persönlich beleidigt, der beschreibt, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder misshandeln. Ich kann das echt nicht verstehen. Mieses Verhalten ist mieses Verhalten. Problematisch wird es erst, wenn behauptet wird, es handle sich um sozusagen „typisches“ Verhalten einer Menschengruppe. Es gibt bekanntlich auch Frauen, die sich furchtbar verhalten. Ich gebe Christoph Kucklick recht, dass leider immer wieder Männer pauschal als eine Art „Monster“ bezeichnet werden, die an allen Problemen des Planeten schuld seien. Und das finde ich furchtbar. Aber wenn wie hier sexistisches Mobbing als Fall beschrieben wird, dann sehe ich das unproblematisch bzw. als gutes Recht der betroffenen Person. Ansonsten müsste ich fortan auch Artikel, die beschreiben, dass es in Flüchtlingsheim X eine Schlägerei gab, als rassisitisch bezeichnen. Und sowas finde ich albern.

      Gefällt 1 Person

      1. Ich habe den Verdacht, dass die angenommene pauschale Männerfeindlichkeit des Artikels erst beim Lesen im Kopf des maskulistisch orientierten Lesers entsteht. Dieser erkennt vermeintlich typisch männliches Verhalten wieder und fühlt sich aufgrund seines besonderen Identifizierung mit der Kategorie „Mann“ selbst angegriffen. Nicht die Beschreibung der Autorin ist also pauschalisierend, sondern das im Kopf des Lesers vorhandene Klischee misogyner Männer.

        Gefällt 1 Person

  6. Eins möchte ich noch kurz dazuschreiben: Das Bild samt Unterschrift finde ich tatsächlich männerfeindlich. Nur wissen wahrscheinlich die wenigsten, dass Autoren eines Artikels weder Überschriften noch Bilder samt Bildunterschriften selber machen. Und da wird von der entsprechenden Redaktion leider oft sehr bewusst Provokantes gewählt, um Aufmerksamkeit zu generieren. Nennt man „Skandalisierung“.

    Gefällt 1 Person

  7. Ich habe den Originalartikel aus der Zeit noch gar nicht gelesen, nur mal ein Kommentar vorweg, nach dem ersten kurzen Überfliegen deines Artikels. Ich schreibe das ganz bewusst, bevor ich mir selbst eine Meinung zur Sache bilden konnte:

    2. Die ist männerfeindlich, weil sie beschreibt, was ihr passiert ist

    Sowas ist ganz schlechter Stil und das ist mir bei dir schon ein paar Mal aufgefallen.
    Wenn man Argumente darstellt, die man im folgenden kritiseren oder dekonstruieren will, sollte man zumindest an dem Punkt noch ernsthaft versuchen, diese richtig darzustellen und nicht bei der Darstellung der Argumente bereits die eigenen hineinmischen oder Motive unterstellen.

    Egal wie bescheuert die Kommentare sein mögen – ich habe sie noch nicht gelesen – wird wohl kein einziger sich dadurch richtig wiedergegeben fühlen. Ich weiß praktisch schon vor dem Lesen, dass das ein Strohmann ist. Der Vorwurf der Männerfeindlichkeit wird sich wohl vor allem dagegen wenden, WIE sie es beschreibt, dagegen was sie weglässt, welche Schlussfolgerungen sie zieht oder aber den Wahrheitsgehalt von Details oder das Ganzen in Frage stellen.

    Selbst wenn die Kommentare ungerecht und unfair sind, wird wohl keiner etwas männerfeindlich nennen aus dem Grund WEIL jemand einen realen Vorfall objektiv beschreibt.

    Gefällt mir

    1. Sie beschreibt, was ihr passiert ist und dafür wird ihr in zahlreichen Kommentaren Männerfeindlichkeit vorgeworfen. Wenn sich die entsprechenden Kommentare nur auf das Bild beziehen würden, hätte ich Verständnis. Nahezu alle sind aber völlig undifferenziert.

      Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.