Katholisch 2 oder „was ich mir wünsche“

Mal angenommen, es käme morgen ein Engel vorbei, der mir zusagt, dass ich 3 Dinge an meiner Kirche ändern könne, wären das auf jeden Fall diese:


1. Demokratisierung: Die Kirche funktioniert heute noch ähnlich wie das deutsche Kaisertum im Mittelalter. Der jeweilige Papst ernennt Kardinäle (Kurfürsten), die ihrerseits wieder den neuen Papst wählen. Das halte ich für absolut unzeitgemäß und undemokratisch, auch den ursprünglichen Prämissen der Kirche zuwiderlaufend.
Es gibt weltweit knapp 3.000 römisch-katholische Diözesen. Es wäre für unsere Weltkirche absolut kein unrealistisches Szenario, dass die Katholiken der jeweiligen Diözese ihren Bischof schlicht selbst wählen. Wahlberechtigt bei der Papstwahl wären dann die gewählten Bischöfe der Diözesen + idealerweise eine weitere gewählte Person aus dem „Kirchenvolk“, sprich, ein Laie.
Der Aufwand bei einer Papstwahl, die ohnehin nicht so häufig vorkommt, wäre natürlich bei knapp 6.000 wahlberechtigten Personen hoch, aber für eine Weltkirche absolut bewältigbar.
Das Kardinalsamt wäre dann verzichtbar, die Strukturen würden etwas flacher.

Ich bin, wie ihr seht, keine Gegnerin einer zentralistischen Lösung, es hat durchaus etwas für sich, wenn es einen offiziellen Vertreter unserer Kirche gibt und sie sich nicht in einzelne Landeskirchen quasi „aufsplittert“.


2. Die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und damit auch die Möglichkeit, sich zur Diakonin und zur Priesterin weihen zu lassen.
Es gibt biblisch keinen Hinweis darauf, dass Jesus Christus Frauen als minderwertiger oder unwissender als Männer angesehen hätte. Im Gegenteil, er hat Frauen (beispielsweise Maria von Bethanien oder auch die Samariterin am Brunnen) genauso unterrichtet wie seine männlichen Jünger. Ihm nahe Frauen fanden das leere Grab und wurden zur Verkündigung seiner Auferstehung zu seinen restlichen Jüngern geschickt. Auch die quasi einzige Begründung gegen die Öffnung des Priesteramtes für Frauen ist hinfällig: Weil Jesus Kreis der 12 nur aus Männern bestand, sieht man sich angeblich außerstande, Frauen zu weihen.
Selbstverständlich aber waren alle 12 der Apostel auch Juden. Davon, das Priesteramt deshalb ausschließlich für Menschen jüdischer Abstammung zu öffnen, ist man aber bereits in den ersten Jahrzehnten nach Christi Tod abgekommen. Warum man dann sklavisch an einer Nichtöffnung des Priesteramtes für Frauen festhält, ist in diesem Kontext völlig unverständlich.
Dazu kommt noch ein weiterer entscheidender Faktor: Es gibt in der katholischen Kirche die Vorstellung einer Berufung zum Priesteramt durch Gott selbst (der sogenannte Ruf). Nun gibt es weltweit zahlreiche Frauen, die von ganz ähnlichen Berufungserfahrungen berichten wie geweihte Priester. Nimmt man es ernst, dass Gott selbst diese Menschen ruft, ist die Verweigerung des Priesteramtes für Frauen Sünde, weil man sich gerade damit gegen den Willen Gottes stellt (indem man die berufenen Frauen daran hindert, ihrem Ruf zu folgen). Sich gegen Gottes Willen zu stellen aber ist, ich wiederhole mich, Sünde.


3. Die Gleichstellung von homosexuellen Menschen
Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Bibelstellen, die sich mit Homosexualität beschäftigen. Von Jesus selbst sind uns sogar gar keine Worte zum Thema Homosexualität überliefert. Warum so mancher offizielle Würdenträger die Ablehnung von Homosexualität (v. a. von männlicher Homosexualität) ins Zentrum seines Katholizismus stellt, ist mir darum absolut schleierhaft.
Die beiden Textstellen im AT, die sich ganz explizit gegen Homosexualität richten, finden sich beide im Leviticus (18,22 und 20,13), einem Kompendium alter Gesetze, an die sich in ihrer Mehrzahl, ganz ehrlich, weder die offizielle katholische Kirche noch ihre Gläubigen halten. Ansonsten hat sich nur Paulus, und auch er eher nebenbei, Jahre nach Jesus Tod gegen Homosexualität erklärt (1 Kor 6,9; Röm 1,26-27; 1 Tim 1,10)

Er aber meinte damit ganz eindeutig eine ganz bestimmte Form der Homosexualität, nämlich die sog. „Päderastie“, die im hellenistischen Raum weit verbreitet war: Die Beziehung zwischen einem älteren Mann und einem Kind/Jugendlichen also. Die katholische Kirche bezieht ihre derart zentrale Ablehnung von Homosexualität also in erster Linie aus zwei Stellen des Leviticus (der ihr ansonsten wenig gilt) und kurzen Äußerungen des Apostels Paulus zur Päderastie.
Im äußersten Notfall könnte man aus der Schöpfungsgeschichte und Jesus Worten zum Wesen der Ehe (Ehescheidungsverbot) so etwas wie eine „gottgewollte Ordnung“ basteln, aber keine der beiden Stellen richtet sich gegen Homosexualität als Spielart menschlicher Liebe.


Nun werden sich einige wundern, warum ich die beiden Streitthemen „Zölibat“ und „geschiedene Wiederverheiratete“ nicht nenne.

Der Grund ist: Ich finde sie nicht zentral. Den Zölibat kann man durchaus abschaffen, es gibt aber auch gute Gründe dafür (u. a. die, sich vollständig dem Dienst für Gott zu widmen und die Gefahr einer „Ämtervererbung“). Was geschiedene Wiederverheiratete betrifft, gibt es hier tatsächlich klare Jesusworte, die eine Ehescheidung verbieten (z. B. Mt 5,27 ff und Lk 16,18), insofern ist die Position der katholischen Kirche hier weitgehend legitim (zumindest, was eine erneute kirchliche Verheiratung betrifft). Allerdings sehe ich nicht ein, warum man geschiedene und dann wiederverheiratete Menschen von der Kommunion ausschließen sollte. Jesus selbst hat sich oft genug mit Menschen an einen Tisch gesetzt, die in seinen Augen etwas falsch gemacht hatten. Warum also sollte seine Kirche hier anders handeln?

Advertisements

3 Gedanken zu “Katholisch 2 oder „was ich mir wünsche“

  1. Liebe Margret,

    Auch hier bin ich wieder voll und ganz deine Meinung.

    Was Punkt 2 angeht, bin ich persönlich dafür, kirchenrechtlich gesehen, die Kategorie „Geschlecht“ einfach zu eliminieren. Damit wären alle rechtlichen Fragen zu dem Thema ein für allemal erledigt. Es fragt ja auch niemand nach Hautfarbe oder Herkunft eines Priesters.

    Außerdem bin ich persönlich der Überzeugung, dass die Anzahl 12 (der Apostel) eine konstruierte ist, und dass mindestens eine Frau unter Ihnen war: nämlich Maria von Magdala. Das legen mehrere historische (außerbiblische) Quellen nahe.

    Liebe Grüße
    Michael

    Gefällt mir

  2. Lieber Michael,

    „Außerdem bin ich persönlich der Überzeugung, dass die Anzahl 12 (der Apostel) eine konstruierte ist, und dass mindestens eine Frau unter Ihnen war: nämlich Maria von Magdala. Das legen mehrere historische (außerbiblische) Quellen nahe.“

    Darüber weiß ich einfach zu wenig. Ich wäre aber sehr glücklich, wenn Du mir einige gute Quellen zum Nachlesen nennen würdest! Hast du eventuell Lust, dazu auch mal was zu bloggen?

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.