Ich gebe Frauen aus religiösen Gründen nicht die Hand – voll okay, oder was?

Diesmal ein kleiner Artikel außer der Tour und, zugegeben, in großer Wut geschrieben:

Heute las ich, dass der niederländische Fußballprofi Nacer Barazite einer Reporterin, die ihn interviewte, nicht die Hand geben wollte „aus religiösen Gründen“.

Und, jetzt kommt der wirklich interessante Teil, dies war offenbar von seinem Verein, dem FC Utrecht, bereits letztes Jahr so kommuniziert und für völlig in Ordnung befunden worden. Und von den Medien, denen dies mitgeteilt worden war, war das Verhalten des Vereins und seines Spielers auch nicht kritisiert oder gar abgelehnt worden


Man stelle sich jetzt einfach mal vor, ein Profifußballer würde dunkelhäutigen Menschen „aus religiösen Gründen“ nicht die Hand reichen und sein Verein fände das total okay und würde dies den Medien entsprechend mitteilen. Was würde passieren?


Das ist nun etwas, was ich als völlig falsch verstandene Toleranz sehe. Es handelt sich letzten Endes um Toleranz oder gar Akzeptanz der Verachtung einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Warum soll das plötzlich okay sein, weil es um Frauen und um „religiöse Gründe“ geht?


Es ist dieselbe merkwürdige Einstellung, die z. B. das olympische Komitee jahrelang völlig zu Recht Südafrika wegen dessen Apartheidspolitik auschließen ließ, während auf der anderen Seite Länder wie Katar oder Saudi Arabien, die dieselbe Apartheidspolitik gegenüber weiblichen Sportlern betreiben, ganz selbstverständlich teilnehmen dürfen.


Ich muss daraus schließen, dass Frauen offenbar in Teilen der Bevölkerung tatsächlich als minderwertig angesehen werden. Traurigerweise in solchen, denen ich mich eigentlich zugehörig fühle. Und das finde ich völlig inakzeptabel. Wenn man sich normalerweise für Frauenrechte stark macht, warum dann nicht auch hier? Warum findet man so ein Verhalten plötzlich tolerabel? Das ist mir wirklich völlig unverständlich.

Ende der Durchsage.

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