„Bisexuelle Männer? Oh Gott, wie ekelhaft!“

Hier also der versprochene zweite Teil zum Thema Bisexualität (Pansexualität) und zwar diesmal zu bisexuellen Männern.


Ich gebe offen zu, ich kenne nur zwei Männer persönlich, die sich dazu bekennen – und das, aus gutem Grund, auch nur gegenüber halbwegs vertrauten Personen. Dafür aber höre ich jede Menge Vorurteile und v. a. fast durchwegs negative Werturteile. Fazit: Männer haben bei dem Thema „die Arschkarte“ gezogen (Und nein, das ist kein doofes Wortspiel ^^).


Während Frauen mit dem ebenfalls dümmlichen und nervigen Vorurteil „Geilo, bisexuelle Frau, macht es mit jedem“ konfrontiert werden, ist es bei Männern ein „Igitt, wie eklig“. Oder schlimmer noch „pervers und unnormal“. Fast durchgehend. Selbst heterosexuelle Frauen können meiner Erfahrung nach eher was mit der Vorstellung von Sex zwischen zwei Frauen anfangen, als sich vorzustellen, ihr Partner habe irgendwann auch mal was mit einem Mann gehabt. So komisch es klingt, aber das Vorurteil weiblichen Bisexuellen gegenüber bietet, bei allen negativen Begleiterscheinungen, fast so etwas wie eine Art „Schutz“ gegen allzu harsche gesellschaftliche Stigmatisierungen. Nicht so bei Männern.


Erinnert sich noch jemand an den zugebenermaßen grottenschlechten Film „Body of evidence“ mit Madonna? Da gibt es eine Gerichtszene, in der Madonna alias Rebecca unter Tränen erklärt, sie habe ihren älteren Liebhaber beim Sex erwischt. Und zwar, erschwerend, „mit einem Mann“. Es wird als völlig selbstverständlich vorausgesetzt, dass es sich dabei um eine ganz besondere Demütigung handelt, wesentlich schlimmer noch, als sozusagen „normaler“ Betrug mit einer Frau. Warum eigentlich? Warum sollte Betrug mit einem Mann in irgendeiner Art und Weise schwerer wiegen als Betrug mit einer Frau? Ich fürchte, die Antwort ist die altbekannte „weil es eklig, pervers und unnormal ist“.


Oder die Folge in Ally McBeal, in der sich die Protagonistin in einen bisexuellen Richter verliebt und auf sein „Geständnis“ hin die Affäre (zumindest erstmal) beendet. Eine Szene, die ebenso gnadenlos wie ehrlich ist.


Nun wird vielleicht der ein oder andere einwenden „Schön und gut, das sind eben genau die Vorurteile, mit denen homosexuelle Männer tagtäglich zu kämpfen haben“. Und er (oder sie) hätte natürlich irgendwie Recht. Aber nicht ganz. Denn homosexuelle Männer haben immerhin noch etwas Rückhalt in ihrer Szene und sie müssen sich nicht damit auseinandersetzen, ihre Beziehung(en) zu Männern irgendwann auch einer Partnerin erklären zu müssen und auch andersrum. Bisexuelle Männer aber stehen weitgehend ungeschützt und als völlige Einzelkämpfer irgendwo zwischen den Stühlen.


Zum Schluss hätte ich noch eine Frage an schwule Männer: Bei lesbischen Frauen fällt mir schon lange auf, dass (teilweise zu Recht, siehe mein letzter Beitrag) bisexuelle Frauen einen negativen Ruf haben, teils in Kontaktanzeigen sogar dezidiert ausgeschlossen werden. Wie ist das in der schwulen Szene? Vielleicht mag der ein oder andere hier in den Kommentaren was dazu posten. Ich habe nämlich den Eindruck, im „face to face“-Gespräch sind die Antworten dazu etwas „politisch korrekt“ und ausweichend.

Advertisements

8 Gedanken zu “„Bisexuelle Männer? Oh Gott, wie ekelhaft!“

  1. „Selbst heterosexuelle Frauen können meiner Erfahrung nach eher was mit der Vorstellung von Sex zwischen zwei Frauen anfangen, als sich vorzustellen, ihr Partner habe irgendwann auch mal was mit einem Mann gehabt.“

    Echt?
    Vielleicht treibe ich mich zu viel auf Fanfiction-Portalen rum, aber den Eindruck habe ich nicht wirklich … Slash/Yaoi/Shonen Ai (= Boyslove) erfreut sich bei weiblichen, zumeist heterosexuellen Frauen/Mädchen doch seeehr großer Beliebtheit. Auch dass Frauen, wenn sie Pornos gucken, gerne zu Schwulenpornos greifen, scheint diese Behauptung ein bisschen zu relativieren …

    Ich als (größtenteils) Hetera finde die Vorstellung zweier Frauen miteinander z.B. auch nicht so angenehm, wie die zweier hübscher Kerle – noch besser, wenn die mich auch sexy finden (also bisexuell sind), natürlich. Ich bin kein Maßstab, glaube aber nicht, so eine Ausnahme zu sein …

    Natürlich ist es nicht chic und kommt nicht bei Männern an, wenn man sagt, man findet die Vorstellung von zwei Männern im Bett anziehend. Oh Schreck! Vielleicht verlangt man ja in der Beziehung dann irgendwann mal einen Dreier mit einem anderen Mann! Stockschwerenot! Manche Frauen scheinen das so verinnerlicht zu haben, dass für sie die Vorstellung von ebendem abschreckend wirkt. Ich für meinen Teil verstehe diese Geisteshaltung wie gesagt nicht.

    „Erinnert sich noch jemand an den zugebenermaßen grottenschlechten Film „Body of evidence“ mit Madonna? Da gibt es eine Gerichtszene, in der Madonna alias Rebecca unter Tränen erklärt, sie habe ihren älteren Liebhaber beim Sex erwischt. Und zwar, erschwerend, „mit einem Mann“. Es wird als völlig selbstverständlich vorausgesetzt, dass es sich dabei um eine ganz besondere Demütigung handelt, wesentlich schlimmer noch, als sozusagen „normaler“ Betrug mit einer Frau. Warum eigentlich? Warum sollte Betrug mit einem Mann in irgendeiner Art und Weise schwerer wiegen als Betrug mit einer Frau? Ich fürchte, die Antwort ist die altbekannte „weil es eklig, pervers und unnormal ist“.“

    Ich habe den Film nicht gesehen. Aber ich glaube, das hat vielleicht etwas mit unterbewussten Schuldgefühlen zu tun – irgendwas muss man ja falsch gemacht haben, wenn der Mann, der vorher ein Hetero war (man glaubt es zumindest) sich „plötzlich“ zu Männern hingezogen fühlt. Gerade weil es bei Männern als „abnormal“ gilt, bisexuell zu sein, und bei Frauen fast schon als „der Normalfall“ (Julia Aurelie hatte dazu mal einen wirklich tollen Artikel), und – das mag jetzt ein bisschen sexistisch klingen, aber den Eindruck durfte ich eben in meinem Umfeld gewinnen – Männer vielfach der Überzeugung sind, dass eine Frau eh keine Konkurrenz für sie ist, macht es vielleicht für Frauen erschreckender, mit einem Mann betrogen worden zu sein, als mit einer Frau.
    Wobei ich für meinen Teil das nicht verstehen kann … ein Mann kann mich nicht ersetzen. Eine andere Frau aber sehr wohl … So gesehen wäre es für mich nicht schlimmer, mit einem Mann betrogen zu werden, als mit einer Frau. Die Konsequenz wäre allerdings dieselbe: Schluss.

    Gefällt mir

      1. Ich könnte mir vorstellen, dass das noch aus grauer Vorzeit stammt, wo „Sodomie“ als Gräuel angesehen wurde (lesbischer Sex wurde, soweit ich das mit meinem sehr begrenzten geschichtlichen Wissen richtig im Kopf habe, nie derart geahndet) … davon erholt sich eine Gesellschaft vielleicht nicht so schnell. Zumindest könnte das einer der Gründe sein.

        Gefällt mir

  2. Hallo Shark, freut mich sehr, dass Du hierher gefunden hast!

    Zu deinen Anmerkungen:

    Ich habe den Eindruck, es gibt hier a) einen Unterschied zwischen jungen Mädchen, die auch deutlich öfter noch auf „weibliche“ Jungs stehen und entsprechende Fanfic schreiben und b) einen Unterschied zwischen Fantasie und Realität, der auf traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit beruht. So in der Art „bisexuelle Männer sind ja irgendwie auch schwul und schwule Männer sind irgendwie nicht männlich und kommen daher für mich nicht in Frage“. Völlig verkorkste Logik, aber sie begegnet mir häufig.

    „Männer vielfach der Überzeugung sind, dass eine Frau eh keine Konkurrenz für sie ist“

    Ja, das leider auch. Machogehabe der Art „die kann es ihr eh nicht richtig besorgen“ ist nicht so selten.

    Gefällt mir

  3. Hallo Shark,

    noch etwas, habe mal auf den fanfic-Portalen recherchiert 😉 und es ist ja tatsächlich erstaunlich, wie viele m/m-Konstellationen es da gibt. Dagegen echt wenig w/w-Konstellationen (Jammerschade, ich hatte auf was zum Thema Sansa/Brienne-gehofft). Das ist wirklich eigenartig … Schreiben lebische / bisexuelle Frauen keine (erotische) Fanfiction? Oder woran liegt’s?

    Gefällt mir

    1. Hmmm … ich schätze, dass das wirklich zum Teil an der prozentuellen Verteilung Heteras/Lesben/Bisexuelle liegt.
      Insofern sind Frauen den Männern dann doch wieder nicht so unähnlich, wie manche Maskulisten (ich denke da besonders an Adrian, der mal bei EvoChris behauptete, dass ja alle Frauen irgendwie lesbisch seien, wenn sie nicht gerade auf Handtaschen und Schuhe stehen *fg*) das gerne hätten xD
      Selbst Lesben lesen und schreiben nur f/f, sondern auch gerne m/m. Sehr, sehr viele Frauen welcher sexuellen Ausrichtung auch immer (selbst Asexuelle) schreiben gerne m/m. Den Eindruck habe ich zumindest gewonnen. Und Frauen schreiben generell mehr FFs, als Männer. So kommt diese Menge an MaleSlash-Fics zustande.

      Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.